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Anwaltszukunft

E-Health: Innova­tionen denken und ermöglichen

Gute Anwälte wissen heute schon, welche Probleme ihre Mandanten morgen haben werden – und wo junge Anwältinnen und Anwälte eine Zukunft haben. Anwalts­blatt Karriere hat hauptsächlich Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaften im Deutschen Anwalt­verein gefragt. Lesen Sie hier die Berichte bzw. Inter­views.

Anwalts­blatt Karriere im Interview mit Rechts­anwalt Sebastian Vorberg, LL.M. (Houston), Hamburg

Warum hat das Rechtsgebiet E-Health Zukunft?

Die Digita­li­sierung erobert Schritt für Schritt alle wirtschaft­lichen Branchen. Der Bereich des Gesund­heits­wesens ist dabei ein klarer Spätzünder. Das liegt daran, dass hier die konser­va­tiven Riegen und alt einge­sessene Seilschaften Innova­tionen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen. Die Gesund­heits­wirt­schaft gehört zu den am stärksten regulierten Branchen und Regularien sind immer unfle­xibel und schwerfällig bei Innova­tionen. Gerade Juristen gelten hier als die größten „Verhin­derer“ von innova­tiven Vorstößen, weil sie meinen, sich so gut mit den Regularien auszu­kennen ‒ und eigentlich immer einen Grund finden, warum neue Entwick­lungen mit tradi­tio­nellen Rechts­grund­lagen nicht vereinbar oder zumindest proble­ma­tisch sind. Meine Meinung ist daher, je weniger Juristen sich in diesem Bereich tummeln, umso besser für die Gesundheit, die aus den neuen Möglich­keiten der digitalen Medizin einen beach­tens­werten Mehrwert ziehen kann, wenn es die Juristen nicht verhindern. Schnell hat der Jurist sein Handwerkszeug ausge­packt und Daten­schutz, Fernbe­hand­lungs­verbot, Sicherheit, Wettbewerb, Verbrau­cher­schutz etc. bilden Barrieren für neue Entwick­lungen. Und schon wird aus einer guten Idee ein kompli­ziertes Konstrukt, woran die Innova­toren schnell die Lust verlieren. Dieser Bereich ist nur etwas für Juristen, die gerne ganz neu denken und sich nicht von altein­ge­ses­senen Beden­kenträgern einschüchtern lassen. Kreativität und zielführende Courage sind gefordert. „Das geht nicht“ geht nicht in diesem innova­tiven Bereich. „Wir finden einen Weg“ wäre das Motto. In diesem sehr anspruchs­vollen recht­lichen Betätigungsfeld stoßen die kompli­zierten Regularien des Medizin­rechts auf die agilen und teilweise auch etwas wagen Regelungen des IT-Rechts, verbunden mit Daten­schutz und auch gewerb­lichem Rechts­schutz. Kein Schnellschuß!

Wo werden Anwältinnen/Anwälte gebraucht?

Nahezu alle Teilnehmer im Gesund­heits­markt werden auf dem Weg zur Digita­li­sierung juris­tische Hilfe benötigen. Insbe­sondere die größeren Firmen, Behörden oder Kranken­kassen werden hier in den internen Rechts­ab­tei­lungen ein paar spezia­li­sierte Juristen brauchen, um dieses Gebiet nachhaltig abzudecken. Auch die spezia­li­sierten Anwalts­kanz­leien und Großkanzleien werden für eine kompe­tente Beratung jeweils spezia­li­sierte Rechtsanwälte brauchen.

Was brauchen Anwälte, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Die meisten der in diesem Bereich aufkommenden Rechtsfragen werden nicht Inhalt der Juristenausbildung sein. Es kommt also darauf an, sich in neue Rechtsgebiete oder auch ganz unbestellte Rechtsfragen einzuarbeiten. Danach wird es darum gehen, sich in der Praxis in diesem Bereich zu profilieren. Man
muss das Gesundheitswesen und vielleicht auch die Startup-Szene von innen kennen, um sich hier interessant zu machen.

Link: bundesverbandinternetmedizin.de


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