Institut für Anwalts­recht Köln

Inter­es­sen­kon­flikte bei Anwälten: BRAO dringend reformbedürftig

Unzumutbare Rechtslage: Forderungen aus der Anwaltspraxis

In der anschließenden Podiums­dis­kussion (Teilnehmer: Rechtsanwältin Dr. Simone Kämpfer, Rechtsanwältin und Notarin Edith Kindermann, Vizepräsidentin DAV, Rechts­anwalt Bernd Klassen, Vizepräsident der RAK Köln und Rechts­anwalt Dr. Jörg Meister; Moderation: Rechts­anwalt Prof. Dr. Bernd Hirtz) wurde von allen die Inkohärenz der Vorschriften zur Inter­es­sen­kol­lision beklagt. Der einhellige Befund lautete: Die Anwalt­schaft sei mit dem kodifi­zierten Recht nicht gut aufge­stellt. Die unklare Rechtslage wurde als unzumutbar empfunden. Es bestünde dringender Änderungs­bedarf. Dabei dürfe auch nicht die europäische Dimension außer Acht gelassen werden. Sozietätserstre­ckungen könne es nur in einheit­licher Form geben. Der Wissen­stransfer durch Nicht-Anwälte müsse geregelt werden.

Kontro­verse Auffas­sungen gab es nicht nur zu dem Vorschlag nach Schaffung einer Clearing­stelle bei den Anwalts­kammern und der Notwen­digkeit ethischer Leitlinien. Auch bei der Bestimmung des Inter­es­sen­wi­der­streits (objektive oder subjektive Betrach­tungs­weise) bestanden auf dem Podium unter­schied­liche Ansichten.

Die Fachtagung hatte sich das Ziel gesetzt, einzelne Facetten der Inter­es­sen­kol­lision näher zu beleuchten. Doch die sechste Jahres­tagung zeigte wieder einmal dem Gesetz­geber (und der Recht­spre­chung) auf, wo im anwalt­lichen Berufs­recht Handlungs­bedarf besteht. Dazu gehört auch, dass der juris­tische Nachwuchs die Grund­lagen des Berufs­rechts in der Ausbildung nicht kennen lernt. Auf dem Podium wurde vor allem von Meister dafür geworben, dass das Anwalts­recht bereits Lehrstoff in der universitären Ausbildung sein müsse.

Die Referate der Jahres­tagung werden im Anwalts­blatt veröffent­licht.

 

 


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