Infos zum Jurastudium

Jurastudium: Studi­en­aufbau und Examens­vor­be­reitung

Kekse mit Zahlen darauf
Fehler zu machen, ist menschlich: Im Jurastudium existiert die sogenannte Freischuss-Regelung. Diese ermöglicht es euch, falls ihr das Examen nicht besteht, insgesamt drei Prüfungsversuche.

Was ist der Freischuss im Jurastudium?

In der Regel haben die Studie­renden zwei Versuche, um das Staats­examen zu bestehen. Die sogenannte Freischuss­re­gelung ermöglicht jedoch insgesamt drei Prüfungs­ver­suche. Hierfür müssen bestimmte Voraus­set­zungen bezüglich des Zeitpunkts der Prüfungen erfüllt werden.

Sollte eine Studentin oder ein Student die Klausuren und die mündliche Prüfung für das erste Staats­examen noch innerhalb der Regel­stu­di­enzeit des Jurastu­diums absol­vieren und den Versuch nicht bestehen, so wird der Versuch nicht gewertet. Dieser erste Versuch wird Freischuss genannt. Es stehen dann zwei weitere Anläufe für das erste Staats­examen zur Verfügung.

Ist der erste Versuch erfolg­reich, gibt es zudem die Möglichkeit, bei einer freiwil­ligen Wieder­holung der Prüfungen die Note zu verbessern. Im Hinblick auf die Bewerbung um einen Job in einer Kanzlei macht dies durchaus Sinn. Denn exzel­lente Noten im ersten Staats­examen sind ein wichtiges Einstel­lungs­kri­terium.

Im ersten Staats­examen wird wie folgt bewertet:

• 0 Punkte (ungenügend)
• 1 bis 3 Punkte (mangelhaft)
• 4 bis 6 Punkte (ausreichend)
• 7 bis 9 Punkte (befriedigend)
• 10 bis 12 Punkte (vollbefriedigend)
• 13 bis 15 Punkte (gut)
• 16 bis 18 Punkte (sehr gut)

Ab vier Punkten ist das Staats­examen bestanden. Ab neun Punkten spricht man von einem „Prädikatsexamen“. Die Quote der bestan­denen Examina lag für das erste Staats­examen bei einem Durch­schnitt von 75 Prozent (Stand 2017).

Mensch mit einem Stapel Bücher, zusammengebunden an einem Gürtel
Eure ersten praktischen Erfahrungen könnt ihr nach dem Jurastudium im Referendariat sammeln.

Praktische Erfah­rungen im Rechts­re­fe­ren­dariat

Nach erfolg­reich abgeschlos­senem ersten Staats­examen beginnt das sogenannte Rechts­re­fe­ren­dariat. Im juris­ti­schen Vorbe­rei­tungs­dienst lernen die Rechts­re­fe­ren­da­rinnen und Rechts­re­fe­rendare die unter­schied­lichen Aufgaben von Richtern, Staatsanwälten, Verwal­tungs­be­amten und Rechtsanwälten kennen. Dies bietet angehenden Juris­tinnen und Juristen die Möglichkeit, Praxi­ser­fahrung in den verschie­denen juris­ti­schen Berufen zu sammeln und so heraus­zu­finden, welcher Bereich ihnen am meisten liegt.

Die Dauer des Referen­da­riats ist je nach Bundesland unter­schiedlich lang. Das Referen­dariat dauert zwei Jahre. Rechts­re­fe­ren­da­rinnen und Rechts­re­fe­rendare sind während dieser Zeit entweder im öffent­lichen Dienst angestellt oder Beamte auf Widerruf. Für die Station im Referen­dariat werden sie an Kanzleien oder Unter­nehmen abgeordnet.

Für das Referen­dariat bewerben sich Inter­es­sierte beim Oberlan­des­ge­richt (OLG) eines Bundes­landes um eine freie Stelle. Das OLG entsendet die Rechts­re­fe­ren­da­rinnen und Rechts­re­fe­rendare in unter­schied­lichen Funktionen an verschiedene Gerichte.

Um eine Station im Referen­dariat bei einem Unter­nehmen oder einer Kanzlei kann man sich direkt beim poten­zi­ellen Ausbilder bewerben. Im Studium geleistete Praktika können helfen, sich gegen andere Bewerber durch­zu­setzen.

Diese Phase der Orientierung kann darüber entscheiden, welchen Beruf die Juristinnen und Juristen nach ihrem Abschluss ergreifen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig zu erkundigen, wo Plätze frei werden.
Besonders beliebt sind die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Die Wartezeit auf eine Stelle am OLG kann dort bis zu 20 Monate betragen.
Die Stellenangebote und Informationen zum Rechtsreferendariat finden sich auf der Internetseite des jeweiligen Oberlandesgerichts.

Das zweite Staats­examen

Nach Abschluss des Referendariats legen die angehenden Volljuristen und Volljuristinnen ihr zweites Staatsexamen ab.
Zur Wiederholung des Stoffs aus dem Jurastudium belegen die meisten Juristinnen und Juristen erneut ein Repetitorium. Die Anzahl der Klausuren im zweiten Staatsexamen liegt je nach Bundesland zwischen sieben und elf.

Schiefertafel mit dem Wort "Test" darauf
Ihr schließt das Jurastudium in der Regel mit dem Zweiten Staatsexamen ab, wo ihr noch einmal auf Herz und Nieren geprüft und getestet werdet.

In den meisten Bundesländern ist mindestens eine Klausur eine Wahlfach­klausur. Hierfür dürfen sich die Studie­renden eins der zentralen Rechts­ge­biete Zivil­recht, Straf­recht oder öffent­liches Recht aussuchen. Im gewählten Rechts­gebiet müssen sie dann Exper­ten­wissen unter Beweis stellen.

Im zweiten Examen bearbeiten die Studie­renden einen juris­ti­schen Fall und schreiben einen Urteil­s­entwurf. Im Straf­recht werden Anklagen entworfen. Zum Teil werden Anwalts­klau­suren geschrieben. Um die Fälle aufzu­ar­beiten, müssen sich die Studie­renden in die unter­schied­lichen Rollen von Richter, Staats­anwalt und Rechts­anwalt hinein­denken.

Bei der Urteilsbegründung wichtig und für die Bewertung relevant ist vor allem, eine schlüssige Argumen­tation zu formu­lieren. Solange das Urteil am Geset­zestext belegbar und logisch nachvoll­ziehbar ist, darf es auch von der Musterlösung abweichen.

Einige Wochen nach den schrift­lichen Prüfungen des zweiten Staats­ex­amens legen die Rechts­re­fe­ren­da­rinnen und Rechts­re­fe­rendare ihre mündliche Prüfung ab. In fast allen Bundesländern gehört ein zehnminütiger Akten­vortrag mit einer Stunde Bearbei­tungszeit dazu.

Viele angehende Juris­tinnen und Juristen stehen vor dem zweiten Jura-Examen unter besonders hohem Erfolgs­druck. Im Gegensatz zum ersten Staats­examen ist die Quote der nicht bestan­denen Examina dennoch oder gerade deshalb relativ niedrig: Bundesweit lag der Durch­schnitt der nicht bestan­denen Staats­examina bei 13 Prozent (Stand 2017).


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