Anwalt digital

Klick, Klick, Recht

Pauschalisiertes Recht mit Rechtspauschale?

Doch nicht nur für das Verbrau­cher­recht findet sich im Internet Rechtsrat. Die ameri­ka­nische Plattform Avvo bietet Mandanten die Möglichkeit, mit einem Anwalt virtuell in Kontakt zu treten. Hierbei wird der entspre­chende Sachverhalt per Mail geschildert und der Mandant erhält binnen 12 Stunden eine erste Auskunft durch einen der auf der Plattform angemel­deten Anwälte – mittler­weile jeder sechste in den USA. Wer ein Telefonat vorzieht oder telefo­nisch Nachfragen stellen will, hat die Möglichkeit, für einen Festpreis von 39 Dollar ein fünfzehnminütiges Telefon­gespräch mit dem Anwalt zu führen. Ähnlich funktio­niert die deutsche Website frag-einen-anwalt.de. Auch hier wird der Sachverhalt ins Netz gestellt, mit dem Unter­schied, dass der Mandant selbst das Honorar (etwa 25 bis 100 Euro) für die Beant­wortung der Frage festsetzt. Eine schrift­liche Rückfrage ist dabei im Preis inbegriffen. Diese Art der Rechts­be­ratung ist besonders attraktiv für überschaubare Konstel­la­tionen mit geringem Streitwert, bei denen die Mandanten unter herkömmlichen Bedin­gungen keinen Anwalt konsul­tieren würden. Aber auch für Menschen, die eine anwalt­liche Ersteinschätzung suchen, erleichtert die Plattform den Kontakt. Viele wissen nicht, ob und welche Möglich­keiten sie haben, in der jewei­ligen Situation juris­tisch vorzu­gehen und schrecken daher vor den vermeintlich hohen Beratungs­kosten zurück. Platt­formen wie Avvo und frag-einen-anwalt.de können so helfen, neue Mandanten zu finden – und im Idealfall zu halten.

Maßkonfektion statt Einzelanfertigung

Einige Dienst­leis­tungs­an­bieter gehen aber noch weiter: Der ameri­ka­nische Dienst Legal Zoom verkauft Rechtsrat als Komplett­paket. Thema­tisch sortiert finden sich auf der Website Infor­ma­ti­ons­pa­piere sowie die notwen­digen Formulare für verschiedene private und geschäftliche Anliegen. Das „Schei­dungs­paket“ umfasst für 299 Dollar beispiels­weise die Schei­dungs­pa­piere für beide Eheleute, eine Schei­dungs­fol­gen­ver­ein­barung sowie Sorge- und Umgangs­rechts­ver­ein­ba­rungen inklusive einem Terminplan für die Besuchs­zeiten. Legal Zoom stellt Ausfüllhilfen bereit und überprüft die Dokumente auf Vollständigkeit und Stimmigkeit. Die Antrag­steller bekommen anschließend die fertigen Dokumente zur Unter­zeichnung zugesandt und können sodann die Scheidung bei Gericht einreichen. Neben solchen Komplett­pa­keten gibt es eine Vielzahl von einzelnen Formu­laren, die an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden können. Einen vergleich­baren Service stellt der deutsche Anbieter Smartlaw zur Verfügung. In den Kategorien „Familie und Privates“, „Vermieten und Immobilien“ sowie „Business und Unter­nehmen“ werden Abonne­ments zu einem monat­lichen Preis von 10 bis 50 Euro angeboten, die Zugang zu Dokumenten aus dem jewei­ligen Themenfeld gewähren, wie auch die Anpassung und Verwaltung dieser Dokumente ermöglichen. So kann nach Beant­wortung einiger kurzer Fragen beispiels­weise ein ausfor­mu­liertes und einsatz­be­reites Wider­rufs­schreiben für ein Immobi­li­en­dar­lehen als PDF herun­ter­ge­laden werden.

Pauscha­li­sierte Angebote, wie man sie inzwi­schen auch bei deutschen Anbietern findet, können Anwältinnen und Anwälte nicht ersetzen. Eine tatsächlich indivi­duell abgestimmte Lösung erhalten Rechts­su­chende immer noch nur bei einer Anwältin oder einem Anwalt, die nicht nur die Fakten des Falls, sondern auch die Person und sonstige Umstände wahrnehmen und berücksich­tigen können. Was diese Anbieter aller­dings leisten können, ist, die poten­zi­ellen Mandanten da abzuholen, wo sie sich bewegen – im Internet. Und maßkonfek­tio­nierte Standard­schreiben und -verträge wird keine Kanzlei mehr zu Preisen eines Maßschneiders abrechnen können.


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