Anwalt digital

Klick, Klick, Recht

Recht anschaulich – Juristische Recherche visualisiert

Die Zukunft wird zeigen, dass nicht nur den Mandanten der Zugang zum Recht über Inter­net­dienste erleichtert wird, sondern die Inter­net­dienst­leister auch Anwältinnen und Anwälte im Netz abholen werden. Die Recherche von Gerichts­ent­schei­dungen gehört zum anwalt­lichen Alltag, so dass es bereits seit Jahren Daten­banken im Internet gibt. In Deutschland gehören Juris und Beck-Online zu den größten Anbietern, in den USA werden Westlaw und Lexis Nexis überwiegend genutzt. Der 2012 gestartete Dienst Ravellaw wählt einen neuen Ansatz. In Zusam­men­arbeit mit der Harvard School of Law wurde eine Datenbank aller Gerichts­ur­teile der USA erstellt. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Entschei­dungen sichtbar zu machen, sowohl in zeitlicher als auch prozes­sualer Hinsicht. Nach der Eingabe eines Stich­worts werden die 75 relevan­testen Entschei­dungen zu diesem Thema angezeigt. Ravellaw bedient sich dabei einfacher Darstel­lungen: Ein Punkt steht für eine Gerichts­ent­scheidung; je größer er ist, desto wichtiger ist die Entscheidung. Zitie­rungen von und in Entschei­dungen werden durch Linien zwischen den Punkten kenntlich gemacht. Auch hier gilt: Je dicker die Linie, desto inten­siver die Ausein­an­der­setzung mit einem Urteil. Einge­bettet wird die Darstel­lungen der Urteile und Querver­bin­dungen in einem Koordi­na­ten­system, in dem die Achsen einen Zeitstrahl oder die Instanzen verkörpern. Der Ansatz von Ravellaw befreit nicht davon, die Entschei­dungen zu lesen (das ermöglicht ein Klick auf den jewei­ligen Punkt) und sich mit ihnen ausein­an­der­zu­setzen. Ravellaw versucht vielmehr, die Recherche selbst durch anschau­liche Aufbe­reitung für Juris­tinnen und Juristen zugänglicher zu machen. Einen vergleich­baren Dienst gibt es in Deutschland nicht – noch nicht. Auch wenn das deutsche Recht nicht so stark case-law geprägt ist wie das ameri­ka­nische, ist der Ansatz, Zusammenhänge zwischen Gerichts­ent­schei­dungen aufzu­zeigen eine Idee, die sich auch in Europa durch­setzen könnte. Man denke nur an ein Angebot, bei dem die Entschei­dungen des EuGH zu Vorla­ge­fragen mit den Entschei­dungen der natio­nalen Gerichte verknüpft werden.


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