Einstellungsreport

Legal Tech: Aktuelle Trends und neue Perspektiven

Die Zukunft? Ein schwie­riges Thema. Sich auf eine Sache festlegen? Eher unattraktiv. Gut, dass sich auf dem Rechts­markt der Trend zur Arbeit an Schnitt­stellen durch­setzt. Großkanz­leien verbinden klassisch Wirtschaft und Recht. Legal Tech Unter­nehmen schaffen eine Verbindung zur IT-Branche, aber auch zum Vertrieb.

Die Zukunft gehört Legal Tech

Nicht nur die PR-Abteilungen von Kanzleien stellen gerne Juristen ein, ganze Unternehmen arbeiten erfolgreich an der Schnittstelle Kommunikation und Recht. Da ist die Position des „Knowledge Management Lawyer“, die sich in vielen Großkanzleien durchgesetzt hat, fast schon konventionell, aber nicht weniger spannend.

Wer heute Jura studiert, ist ein „Digital Native“, Teil einer Generation, die sich eine Welt ohne Internet, Social Media und Smartphone-Apps gar nicht vorstellen kann – oder will. Dem Trend zur Digitalisierung kann sich auch der Rechtsberatungssektor nicht mehr entziehen. Die Zukunft gehört Legal Tech. Doch was bedeutet das für den Berufseinstieg? Welche Anforderungen werden Kanzleien künftig an Bewerber stellen und wie wird sich die anwaltliche Arbeitsweise verändern? So viel vorweg: das Ende des Anwaltsberufs ist nicht in Sicht. Dennoch, die Begeisterung für Legal Tech hielt sich in weiten Teilen der Anwaltschaft lange Zeit in Grenzen. Zwar sind Datenbanken wie Beck-Online oder Juris aus dem Kanzleialltag kaum wegzudenken. Doch das Internet als Akquiseplattform nutzen, Zeitarbeit für Juristen oder eine digitalisierte Due Diligence waren der konservativen deutschen Anwaltschaft eher suspekt. Seit kurzem ändert sich diese Einstellung. Alle befragten Kanzleien gaben an, dass sie Legal Tech als unausweichliche Entwicklung betrachten, dies aber durchaus positiv sehen. „Jeder sieht, dass wir uns inmitten einer Umwälzung der traditionellen Abläufe befinden.“, sagt Beda Wortmann, Rechtsanwalt und Partner bei Clifford Chance. Und auf diese Umwälzungen müssen die Kanzleien reagieren, wenn sie nicht überrollt werden wollen.

Deutschlands große Kanzleien haben längst erkannt, dass Legal Tech durchaus Vorteile mit sich bringt: „Datenerfassung und Dokumentenvergleich kann eine Maschine im Zweifel besser als ein Mensch. Uns nimmt das wahnsinnig viel Arbeit ab und der Anwalt kann sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die Analyse des Problems und die strategische Beratung des Mandanten.“, fasst Dr. Christian Storck, Rechtsanwalt bei Linklaters, zusammen. Darüber hinaus gibt es zunehmend Druck von außen: „Mandanten sind nicht mehr bereit, für standardisierbare Arbeitsprozesse die volle Arbeitszeit zu zahlen.“, erläutert Rechtsanwalt Laurent Meister (Menold Bezler).

Also gehen die Kanzleien in die Offensive, schließen Kooperationsverträge mit Softwareunternehmen, investieren in Start-Ups oder entwickeln selbst Produkte. Das wohl prominenteste Beispiel ist die Kooperation von Freshfields und dem Software Unternehmen Leverton auf dem Gebiet des Immobilienwirtschaftsrechts. „Wir kannten Leverton schon vor den meisten unserer Mandanten. In der Folge haben wir unseren Mandanten Leverton dann vorgestellt, einige kannten Leverton schon aus dem Markt.“, erzählt Dr. Christina Spenke, Rechtsanwältin im Knowledge Management bei Freshfields. Im Rahmen der Kooperation nutzt Freshfields die Software von Leverton für die immobilienwirtschaftsrechtliche Due Diligence. Im Gegenzug erhält Leverton Feedback, um die Software noch besser an die Bedürfnisse von Kanzleien anzupassen. „Wir machen keine Kompromisse bei der Qualität und prüfen die Leverton-Ergebnisse genau.“, sagt Dr. Spenke „Insgesamt können wir mit Leverton ein besseres Produkt liefern. Den Effizienzgewinn geben wir 1:1 an unseren Mandanten weiter.“


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