Existenzgründung

Legal Tech kommt

Die Oberfläche des Programms ist eine Mischung aus themen­ge­bun­denen Chatrooms, Dokumen­tenpool, Kanban-Board mit den Projekt­phasen und Schnitt­stellen zu Recher­che­tools und Zeiter­fassung. Dahinter steckt modernes Projekt - management mit Methoden wie Scrum.

Das Mandat soll wie ein Projekt bearbeitet werden. Die Anwalts­teams sollen nur die Kommu­ni­kation sehen, die sie sehen müssen und dürfen. Geplant ist auch das Ende des E-Mail-Bombar­de­ments: Künftig sollen nicht mehr E-Mails im Minutentakt aufploppen und die Juristen jedes Mal bei der konzen­trierten Arbeit stören. Eine Filter­funktion wird Benach­rich­ti­gungen nach Relevanz staffeln. „Und das alles muss einfach aussehen und auch sein, damit es genutzt wird.“ Kanzleien seien „ein nicht ganz einfacher Markt“, sagt der Gründer. Ein gutes Werkzeug allein führe nicht dazu, dass Leute gut arbeiten. Der Teufel stecke im Detail: „Manchmal scheitern Innova­tionen an Kleinig­keiten, zum Beispiel daran, dass ein Partner der Kanzlei weiterhin seine E-Mails ausdrucken möchte.“

Berufs­ge­heimnis und Daten­schutz­recht halten einige Tücken für die Software-Entwickler bereit. Für die Cloud-Lösung dürfen deshalb keine US-Server genutzt werden. Die Sicherheit soll zu einem zweiten schla­genden Argument der streamlaw-Software werden. „E-Mails sind Postkarten – offene und leicht abzufan­gende Kommu­ni­kation. Für die Arbeit von Wirtschaftsanwälten eigentlich nicht geeignet, wenn man bedenkt, dass so auch die Steuer­daten der Mandanten durch die Gegend geschickt werden. Unsere Kommu­ni­kation wird Ende-zu-Ende verschlüsselt sein.“

Legal Tech: Und die Folgen?

Nicht nur Schimang sieht die Branche vor einer Konso­li­dierung. „Zum Beispiel die Due Diligence. Wo vor zehn Jahren zehn Anwälte durch die Gegend flogen und in einem physi­schen Datenraum Akten wälzten, sind es heute drei in einem virtu­ellen Datenraum.“ Eine Spezi­al­software analy­siert nach Schlag­worten die Dokumente, statt Vollju­risten erledigen kostengünstigere Wirtschafts­ju­risten den Rest. Die Preise sind um etwa zwei Drittel gesunken.

Zudem ist die anwalt­liche Leistung zum Festpreis auf dem Vormarsch. „Die Mandanten lassen nicht mehr jede Rechnung durch­gehen – häufig auch berechtigt. Was als Erstes wegfällt, wie bei der Due Diligence, sind die Jobs, die bislang die Anfänger gemacht haben. Das dürfte auch Auswir­kungen auf die Einstel­lungs­po­litik haben.“

Legal Tech: „Der Schuh drückt“

Das Thema treibt die Branche um. Das hat sich nicht nur beim Deutschen Anwaltstag 2017 in Essen gezeigt, das zeigt sich auch beim Legal-Tech-Meet up in Frankfurt, einer Vortrags­reihe zu Legal-Tech-Themen. „Da kommen inzwi­schen 120 Leute – auch die Großen sind dabei – und den meisten drückt der Schuh“, berichtet Mitini­tiator Schimang. „Die Leute sind auf  der Suche nach neuen Wegen, eine Kanzlei zu führen. Dabei brauchen sie nicht sofort Künstliche Intel­ligenz, sondern erst einmal ordent­liche Struk­turen und Arbeitsabläufe.“ Dass die Zahl der dem Mandanten anrechen­baren Stunden schrumpft und somit der Umsatz der Kanzlei, ist einkal­ku­liert. „Auf dem Trip, den Mandanten so viele Stunden wie möglich in Rechnung zu stellen, sind ohnehin nicht mehr viele. Das gibt der Markt gar nicht mehr her.“

Studie­rende sowie Referen­da­rinnen und Referendare sollten sich mit den Folgen des anste­henden digitalen Wandels ausein­an­der­setzen. „Die Tech-Welt geht nicht mehr weg, im Gegenteil. Man muss schon nach links und rechts gucken.“ Auch wenn die meisten Start-ups erfah­rungsgemäß nichtüberleben: „Ein Legal-Tech-Start-up zu gründen, ist meinerMeinung nach nicht die blödeste Idee“, sagt Schimang. In derTech-Szene seien junge Leute sehr erwünscht. „Ein bisschen coden – also program­mieren – zu können, ist nicht verkehrt – und kein Hexenwerk.“

 


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