European Lawyers for Lesvos

„Man hat nie das Gefühl, fertig zu sein“

Worthington ist überzeugt, dass der Erfolg von „European Lawyers for Lesvos“ auf dem Engagement jedes und jeder einzelnen Freiwil­ligen fußt. Deshalb schickt er den angehenden Freiwil­ligen ein Handbuch mit ersten recht­lichen Infos. Vernetzt sie mit ehema­ligen Projekt­teil­nehmern aus demselben Land. Und trainiert sie in europäischem und griechi­schem Recht, bevor die Arbeit in Moria beginnt. „Die Freiwil­ligen begleiten die Asylsu­chenden auf eine profes­sio­nelle, das Berufs­recht achtende Weise und arbeiten gemäß hohen Standards – auch wenn die Situation im Camp nicht immer einfach ist.“

Ein Konzept setzt sich durch: Oxfam sichert Finan­zierung 2019

Das hat auch der inter­na­tionale Verbund von Hilfs- und Entwick­lungs­or­ga­ni­sa­tionen Oxfam bemerkt. Der hatte das Aufnah­me­lager in Moria nach dem Inkraft­treten des EU-Türkei-Deals 2016 aus Protest verlassen. Als sich die Situation im Camp zunehmend verschlech­terte, beschloss Oxfam, sich erneut zu engagieren und schickte Mitar­beiter nach Moria, um die Situation vor Ort auszu­werten. Diese identi­fi­zierten als höchsten Bedarf: das Gewährleisten von recht­lichem Beistand. Kontak­tierten „European Lawyers for Lesvos“ und sagten Hilfs­gelder in einer Höhe zu, die es dem Rechts­be­ra­tungs­projekt erlaubt, bis Ende 2019 weiter zu arbeiten.

Die Organi­sa­toren hatten bereits zuvor überlegt, wie man das Entstandene in stabile und nachhaltige Struk­turen überführen könnte. In Beratung mit der inter­na­tio­nalen Anwalts­kanzlei Dentons fand sich eine geeignete Form für das Projekt: eine gemeinnützige GmbH, die in Zukunft selbst Spenden generieren soll – ohne von Geldgebern inhaltlich abhängig zu sein. CCBE und DAV sind nun im Hinter­grund als Gesell­schafter aktiv. Für den Aufsichtsrat konnte DAV-Haupt­geschäftsführer Dr. Cord Brügmann den ehema­ligen DAV-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer und Dr. Annette Mutschler, Mitglied des DAV-Vorstands, gewinnen. Der CCBE wird von Präsident Ruthen Gemmell und dem ehema­ligen Präsidenten Michel Benichou vertreten. Den Vorsitz übernimmt der ehemalige Präsident des europäischen Gerichtshofs: Vassilios Skouris.

Dieses Gremium wird von nun an die politi­schen Entschei­dungen für das Rechts­be­ra­tungs­projekt treffen. „Man könnte das Projekt in derselben Form auch auf weitere Hotspots in Griechenland oder Italien ausweiten, wenn die Anwalt­schaft vor Ort das für sinnvoll hält“, sagt Worthington. Und „Was wäre, wenn eine Anwalts­or­ga­ni­sation auf uns zukommt, mit dem Bedarf an einem Rechts­be­ra­tungs­projekt für Obdachlose?“, fragt Brügmann.

Zunächst jedoch will sich „European Lawyers for Lesvos“ auf seine Kernfähigkeit konzen­trieren: Erstbe­ratung für Asylsu­chende in Moria. Damit wird man ohnehin nie fertig.


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