Anwaltverein

DAV ehrt Mechtild Düsing mit dem Maria-Otto-Preis

Namens­ge­berin Dr. Maria Otto

Seit dem Jahr 2010 ehrt der Deutsche Anwaltverein Anwältinnen, die sich in besonderem Maße in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft verdient gemacht und eine besondere Vorbildfunktion für Anwältinnen und Anwälte haben.  Benannt ist der Anwältinnenpreis des Deutschen Anwaltvereins nach Rechtsanwältin Dr. Maria Otto. Sie wurde 1922 durch das Bayerische Staatsministerium der Justiz als erste deutsche Anwältin in München zugelassen und praktizierte bis 1977 (siehe zu ihrem Werdegang: Ramge, AnwBl 2010, 315). Die erste Preisträgerin war 2010 Rechtsanwältin Dr. Gisela Wild, die 1983 das Volkszählungsurteil mit einer eigenen Verfassungsbeschwerde erstritten hatte. Bei der Preisverleihung war auch die sechste Preisträgerin des Maria-Otto-Preises Daad Mousa, Rechtsanwältin aus Syrien.

Laudatio Bettina Schausten

Bettina Schausten berichtete in ihrer Laudatio aus dem Leben von Mechtild Düsing, die Passage ist lesenswert, weil sie zeigt, wie schwer der Kampf um Gleich­be­rech­tigung war und ist:

Konservativ ist man dort [in Münster], was von jeher zu einem gewissen Spannungsverhältnis geführt hat mit dem linken Teil der Studentenschaft an der Universität. Und so ahne ich, was es für Mechtild Düsing bedeutete, als junge selbständige Anwältin, noch keine 30, in Minirock und mit langen Haaren Fuß zu fassen in der Münsteraner Juristenszene. Wir schreiben 1973, Sammeltermin am Landgericht und zwischen all den „schwarzen Krähen“ war sie die Exotin, so hat sie es selbst beschrieben: jung, ungestüm, links, weiblich. Was will die Kleine hier, das war die Haltung der männlichen Kollegen damals.

Mechtild Düsing kannte diese Haltung allerdings schon: Chauvisprüche und Männlichkeitsgetue, und zwar von ihren linken Kommilitonen der 68er-Bewegung. Da waren es ebenso die Männer, die die politische Meinungsführerschaft beanspruchten. Der Muff, der beseitigt werden sollte, bezog sich im Verhältnis der Geschlechter auf die sexuelle, allerdings nicht auf die intellektuelle Befreiung der Frau. Und das ging der Studentin Düsing schon damals total auf den Geist. Sie gründete den sogenannten „Weiberrat“: ein politisches Diskussionsforum für Frauen. Entschlossen, Dinge nicht hinzunehmen, machte sie sich daran, sie zu ändern und sich Gehör zu verschaffen.

Und das blieb: Ich will Sie mitnehmen, meine Damen und Herren: fast vier Jahrzehnte nach dem Weiberrat, am 8. April 2009, sitzt Mechtild Düsing, seit langem erfolgreiche und renommierte Rechtsanwältin, in der Hauptversammlung von Daimler und verschafft sich wiederum Gehör. Es sind 10 Fragen an Herrn Zetsche. Die ersten vier lauten: 

Warum sitzt im Aufsichtsrat nur eine Frau und im Vorstand gar keine?

Stand für die anstehende Wahl eine Frau als Aufsichtsrätin zur Auswahl?

Wenn nein: Hat das Unternehmen sich um eine Frau als Aufsichtsrätin bemüht?

Wenn nein: welche Gründe sprechen gegen eine solche Bemühung?

Natürlich gar keine. Die Antworten des Daimler-Vorstands sind ausweichend. Mechtild Düsings Aktion „Frauen in die Aufsichtsräte“ schlägt Wellen. Typisch Düsing, möchte man sagen. Es ist dies aber kein kurzfristiges mediales Feuerwerk, um das es ihr geht, vielmehr gründet die Aktion auf einem langjährigen Engagement, das persönliche Überzeugung mit beruflicher Erfahrung verbindet. Und mit einer außergewöhnlichen Energie, die sicher auch „typisch Düsing“ ist und noch Raum für ein breites ehrenamtliches Engagement schafft.


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