Statistik

Neue BRAK-Statistik: Anwalt­schaft schrumpft

Das Wachstum der Anwalt­schaft ist gestoppt. Neue Zahlen zeigen sogar, dass es weniger nieder­ge­lassene Anwältinnen und Anwälte gibt. Das erste Mal gibt es nun auch genaue Zahlen zu den Syndi­kus­rechtsanwälten.

Man hatte sich schon daran gewöhnt, jedes Jahr von der immer größer werdenden Anwaltschaft zu lesen. Doch die Zahlen der letzten Jahre zeigen ein anderes Bild. Das Wachstum der Anwaltschaft ist gestoppt. Das ergibt sich aus der aktuell von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) veröffentlichen „Kleinen Mitgliederstatistik“. Zum Stichtag 1. Januar 2017 zählten die 27 regionalen Rechtsanwaltskammern und die Rechtsanwaltskammer beim BGH genau 165.551 zugelassene Mitglieder. Darin enthalten sind unter anderem auch die zugelassenen Kanzleien in Form der Anwalts-GmbH (825), der Anwalts-AG (25) und der Anwalts-UG (8). Und erstmals auch die tatsächlich zugelassenen Syndikusrechtsanwälte (bisher 9.695). Der Syndikusrechtsanwalt wurde zum 1. Januar 2016 eingeführt.

Weniger niedergelassene Anwältinnen und Anwälte

Die Gesamtzahl der Kammer­mit­glieder ist zwar um 687 höher als noch im Vorjahr, also ein Anstieg um 0,42 Prozent. Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt aber, dass faktisch weniger Anwälte zugelassen waren als noch Anfang 2016: Zum 1. Januar 2017 waren 163.449 nieder­ge­lassene Anwältinnen und Anwälte regis­triert. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 330 Kammer­mit­glieder mit Kanzlei. Im Vorjahr waren noch insgesamt 163.779 nieder­ge­lassene Anwältinnen und Anwälte gezählt worden. Von den 163.449 zum 1. Januar 2017 gezählten nieder­ge­las­senen Anwältinnen und Anwälten hatten 8.738 zugleich eine Zulassung als Syndi­kus­rechts­anwalt bezie­hungs­weise Syndi­kus­rechtsanwältin. 154.711 Kammer­mit­glieder waren damit am 1. Januar 2017 ausschließlich als Anwältinnen und Anwälte zugelassen. Einen Vergleichswert für den 1. Januar 2016 gibt es nicht.


Erstmals konkrete Zahlen zu den Syndikusanwälten

Denn die jetzt vorge­legte Mitglie­der­sta­tistik weist zum ersten Mal auch konkrete Zahlen zur Gruppe der Syndi­kus­rechtsanwältinnen und Syndi­kus­rechtsanwälte aus. Diese konnten bis Ende 2015 nicht separat erfasst werden. Denn erst seit Inkraft­treten des Syndi­kus­ge­setzes am 1. Januar 2016 bedürfen sie einer eigenen Kammer­zu­lassung. Vielleicht etwas überra­schend: Ihr Anteil liegt (noch) bei nur 6,26 Prozent. Manch einer mag mit mehr gerechnet haben. Ein Zuwachs ist aber zu erwarten, denn noch sind nicht alle Zulas­sungs­ver­fahren durch­laufen. Zudem gibt es eine relevante Gruppe von Syndi­kusanwälten mit bestandskräftigen Bescheiden, die Vertrau­ens­schutz genießen und ausschließlich als zugelassene Anwälte in der Statistik auftauchen. Wie viele es sind, weiß wahrscheinlich allein die Deutsche Renten­ver­si­cherung Bund.

Fast 1.000 Syndikusrechtsanwälte ohne eigene Kanzlei

Zum Stichtag 1. Januar 2017 gab es 9.695 zugelassene Syndi­kus­rechtsanwältinnen und Syndi­kus­rechtsanwälte. Davon hatten 8.738 zugleich eine Zulassung als nieder­ge­las­sener Anwalt. Spannend: Es gibt eine relevante Größe von Syndi­kus­rectsanwälten (fast zehn Prozent), die keine nieder­ge­lassene Kanzlei betreiben. Es sind immerhin 957, die sich für eine Zulassung als reiner Syndi­kus­rects­anwalt entschieden haben. Damit verliert das immer wieder vorge­brachte Argument an Kraft, die Zulassung des Syndi­kus­rechts­an­walts zur Anwalt­schaft führe zu mehr Wettbewerb auf dem Anwalts­markt. Die meisten Syndi­kus­rechtsanwälte gibt es in Frankfurt a.M. (1.763), München (1.365) und Düsseldorf (1.015).

Mitgliederrückgang in vielen Kammern

Die Statistik offenbart zudem, dass 12 von 27 Anwalts­kammern im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Mitgliederrückgang zu verzeichnen haben. Überwiegend sind es nur noch die Kammer­be­zirke in Ballungs­ge­bieten wie Berlin (0,73 Prozent), Düsseldorf (1,04 Prozent), Frankfurt a.M. (1,18 Prozent), Hamburg (1,18 Prozent), München (1,24 Prozent) oder Stuttgart (0,62 Prozent), die minimal wachsende Mitglie­der­zahlen melden.

Die Zahl der Anwalts-GmbHs wird in der Statistik mit 825 angegeben. Das sind 61 mehr als noch im Vorjahr. Anwalts-AGs gibt es zum Stichtag 2 mehr als noch 20+16 (23).


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