Porträt

Nina Diercks: Einzel­s­pe­zia­listin im IT-Recht

Der Einzelanwalt ist ein Auslaufmodell, behaupten viele. Die, die alleine praktizieren, widersprechen. Eine junge Anwältin hat als Einzelspezialistin ihre Nische in der Nische gefunden.

1999–2005

Studium der Rechtswissenschaft an der
Universität Hamburg, Staatsexamen

2000–2001

Gruner + Jahr

2002–2004

Eidos GmbH, freie Mitar­bei­terin

2005–2006

University of Aberdeen, M.Litt
(Strategic Studies)

2006/2007 & 2009/2010

Rechts­re­fe­ren­darin am OLG Hamburg

2007–2009

Elternzeit

2010–2011

Angestellte Rechtsanwältin

2011–2012

Einzelanwältin – Social Media Recht

2013–Sep. 2016

Dirks & Diercks Rechtsanwälte

Seit September 2016

Inhaberin der Anwaltskanzlei Diercks,
Datenschutz-Sachverständige beim Unabhängigen
Landeszentrum für Datenschutz
Schleswig-Holstein für IT-Produkte

 

Im IT-Recht ist Anwältin Nina Diercks fast allein unter Männern. Sie hat sich durch­ge­bissen – und zeigt, wo die Zukunft der Anwalt­schaft liegt. „Wie wollen Sie mit picke­ligen Teenies Geld verdienen?“ – die Frage hat sie nie vergessen. Damals steht Nina Diercks am Anfang ihrer Karriere zur Anwältin für IT-, Medien-, Daten­schutz- und Arbeits­recht und der Mann, der den Satz ausspricht, ist ein gestan­dener Anwalt. Er ist nicht der einzige, der ihren Wunsch auf dem IT-Gebiet Karriere zu machen für etwas dämlich hält. Eine Orchi­de­en­branche? Ein Randgebiet? Der direkte Weg in die Armut! Noch heute rollt Nina Diercks mit den Augen, wenn sie davon spricht. Schon damals hat sie nicht die Absicht, ihr Geld mit Jugend­lichen zu verdienen.

Die Zeiten haben sich geändert für die 38-Jährige. Gewaltig sogar. Heute sitzt Nina Diercks in ihrer Hamburger Kanzlei und blickt vom vierten Stock eines Rotklin­kerbaus auf das lebhafte Eimsbüttel. Längst verdient sie ihr Geld nur noch mit Unter­nehmen, die die neuen Techno­logien für sich nutzen. Eigentlich hat sie jetzt auch keine Zeit für lange Gespräche – sie hat nicht mal Zeit, jedes Mandat anzunehmen. Diercks steht für eine ganz neue Entwicklung auf dem Anwalts­markt. Sie gehört zu den Anwältinnen und Anwälten, die als Einzel­un­ter­nehmer erfolg­reich sind, weil sie hochs­pe­zia­li­siert arbeiten. Sie haben oftmals nur noch eine Assis­tentin, vielleicht einen weiteren Anwalt oder wissen­schaft­lichen Mitar­beiter. Sie haben geringe Fixkosten, legen Wert auf flexible Arbeits­zeiten und die Verein­barkeit von Familie und Beruf. Ein neuer Typ Anwalt berei­chert den Markt, einer, der sich radikal vom Genera­listen unter­scheidet, der jeden Fall abbildet, sei es im Miet-, Zivil-, oder Straf­recht. „Der klassische Feld-Wald-und-Wiesenanwalt stirbt als Einzelanwalt vermutlich aus“, sagt Diercks. „Aber nicht solche, die sich auf einem immer komplexer werdenden Rechts­dienst­leis­tungs­markt auf ein Thema spezia­li­siert haben“. Und das IT-, Medien-, Daten­schutz- und Arbeits­recht ist so ein Spezi­alfall.

Diercks ist eine der wenigen Frauen in Deutschland, die sich auf die Kombination dieser Rechtsgebiete konzentriert hat. Heute hat sie drei Angestellte – einen Rechtsanwalt, eine Assistentin und einen studentischen Mitarbeiter. Hinter jedem Fall entdeckt sie ein Geflecht aus Rechtsbereichen, die mal klar formuliert sind oder ganz neu erschlossen werden müssen. „Wenn ich ein Unternehmen in Sachen Mitarbeiter als Markenbotschafter berate, geht es um Fragen des Datenschutzes, der Arbeitnehmerrechte, der IT-Security, des Wettbewerbsrechts, des Urheberrechts und vieles mehr, das muss alles in Richtlinien oder Betriebsvereinbarungen gegossen werden“, sagt sie. „Für solche Fälle dann Lösungen mit den Unternehmen zu entwickeln macht unglaublich viel Spaß!“. Gerade im Datenschutzrecht existieren nicht so viele Referenzfälle wie etwa im Mietrecht, Lösungen sind relativ. Wer Unternehmen etwa bei Big-Data-Lösungen mit personenbezogenen Daten berät, muss das deutsche oder europäische Datenschutzrecht beherrschen – das ist bei Weitem nicht jedermanns Sache. Ist auch nicht gerade ein Spaziergang, sagt Diercks, aber deswegen umso spannender. Sie mag ihre Rolle als Pionierin und Mitgestalterin von Recht.

 Hört man sie reden, kann man sich kaum einen passen­deren Beruf für sie vorstellen. Diercks galt schon in Schul­zeiten als meinungs­stark und analy­tisch denkend. Außerdem, sagt sie, lag es mir, vor Hunderten von Leuten zu sprechen. „Ich bin auch ein bisschen Rampensau“, sagt sie und lacht über sich selbst, was ein Vorteil für den Anwaltsjob ist.


Zurück