Portrait

Peter Bräutigam: Embedded Lawyer

Als das IT-Recht das Licht der Welt erblickt, kümmert sich Peter Bräutigam mit Elan um das Neugeborene. Heute profitiert er als Partner bei Noerr in München von seinem frühen Gespür für die Materie. Jetzt will er Digitalisierung und Recht versöhnen. Wie erschließt man sich erfolgreich ein neues Marktthema?

1985 – 1990___Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München
1991 – 1994___Referendariat und Promotion in München, mit Auslandserfahrungen in den USA und England
Seit 1994_____Rechtsanwalt bei Noerr in München, daneben Stage bei der Londoner Kanzlei Macfarlanes
Seit 2001_____Partner bei Noerr
Seit 2003_____Lehrauftrag an der Uni Passau
Seit 2011_____Honorarprofessor für Medien- und Internetrecht an der Universität Passau

 

Wenn einer oben angekommen ist, das erreicht hat, wovon er träumt, dann ist es verführerisch, den Weg dorthin als eine Abfolge zwingend logischer Schritte zu erzählen. Brillanter Jura-Student, erfolg­reicher Referendar, Job-Offerten großer Kanzleien – dann selbst­verständlich: das untrügliche Gespür für die Zeichen der Zeit, die Erschließung eines Lebensthemas, sein Ausbau, schließlich Partner einer der größten Wirtschafts­kanz­leien Deutsch­lands. Professor, Mentor, Vorbild: Peter Bräutigam, der Mann am Steuerrad der Zeit – eine Geschichte, die Beobachter so erzählen könnten, die dem Protago­nisten aber niemals über die Lippen käme. Nicht, weil Peter Bräutigam ein so über die Maßen beschei­dener Mensch wäre, sondern weil er sich in den fast 25 Jahren seines Berufs­lebens eine Prise Humor und ein gesundes Maß an Selbstironie bewahrt hat. Bräutigam hat sehr vieles richtig gemacht – und dann eben auch das Glück gehabt, in einer Zeit des Umbruchs Pionier sein zu können. „Als das IT-Recht vor rund 20 Jahren groß wurde, haben wir in der Kanzlei für die Kolle­ginnen am Empfang modernste Flach­bild­schirme angeschafft, die Mandanten sollten uns als topmodern wahrnehmen“, so erzählt er es bei einem Treffen in München. „In unseren Büros, die Mandanten so gut wie nie zu Gesicht bekamen, arbei­teten wir jedoch noch an riesigen Röhrenmo­ni­toren. Irgend­woher wussten wir: auf den ersten Eindruck kommt es an.“

Es war dann nicht nur die Hardware, die Noerr Stiefen­hofer Lutz erfolg­reich machte. Aber es sind Geschichten wie diese, die anekdo­tisch illus­trieren, wie dünn das Eis war, auf dem die Branche zu Beginn mitunter wandelte. „Viele Anwälte nahmen das IT-Recht am Anfang als nicht satis­fak­tionsfähig wahr. Ein Geschäft wird das nie“ war ein Satz, den ich mir nicht nur einmal anhören musste“, erzählt Bräutigam, der seither mit jedem Schritt seiner Karriere bewiesen hat, wie falsch diese Einschätzung war. „Die Zeichen der Zeit waren irgendwann nicht mehr zu übersehen.“

Wenn das Aufkommen des Internet eine Welle war, dann ist die Digitalisierung ein Tsunami: Das klassische Zivilrecht wird ein Online-Recht werden. Anwältinnen und Anwälte sollten über den Tellerrand schauen (Anm.d.Red. dazu Fries, AnwBl 2018, 86).

 

Der Aufstieg des IT-Rechts erzählt nebenbei auch die Geschichte eines Kultur­handels in großen Kanzleien. „Wir sind Juristen, wir können alles, mit diesem Satz bin ich noch ins Berufs­leben gestartet“, erzählt Bräutigam, „alle machten alles.“ Heute herrscht der unbedingte Zwang zur Spezia­li­sierung. In den Rankings wird heute sehr stark nach einzelnen Rechts­ge­bieten diffe­ren­ziert.

So kommt es, dass Peter Bräutigam Mitte der Neunziger an manchen Tagen mit Senior Partner Stiefen­hofer adlige Mandanten bei der Erbfolge berät und an anderen Tagen gesell­schafts­recht­liche Trans­ak­tionen begleitet. Weil er im Franchise-Recht promo­viert hat, gehört er früh zum Anwaltsteam, das den langjährigen Mandaten McDonald’s berät. Nebenbei hegt er das zarte Pflänzchen des IT-Rechts. „Da es so wenig Spezia­li­sierung gab, musste ich mich für dieses Interesse nicht recht­fer­tigen.“

Früh erkennt Bräutigam, dass Outsourcing zu den Megathemen der Zukunft gehören könnte und eine enge Verwandt­schaft mit dem IT-Recht aufweist. Und so arbeitet er sich Tag für Tag in die Materie ein und gelangt bereits 1999 auf die Focus-Besten­liste für EDV-Rechtsanwälte. „Das waren Vorschuss­lor­beeren“, sagt Bräutigam und schickt sein tiefes, raumgrei­fendes Lachen hinterher, „wir haben das als ungeheuren Ansporn empfunden.“


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