Porträt

Zukunft Mietrecht - Beate Heilmann bleibt mit guten Ideen im Geschäft

Beate Heilmann am Schreibtisch

Die Digitalisierung macht vor dem Anwaltsberuf nicht halt. Je spezieller das Wissen, desto zukunftssicherer der Beruf, glaubt Beate Heilmann. Warum die Rechtsanwältin für das Mietrecht eine Zukunft sieht – und nicht verzagt, wenn Standardfälle wegbleiben.

Beate Heilmann im Konferenzraum

Beate Heilmann ist seit August 1993 Rechtsanwältin. Geboren 1964 in Berlin studierte sie Rechts­wis­sen­schaften an der Freien Universität Berlin. Nach dem zweiten Staats­examen 1991 war sie wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Lehrstuhl für Anwalts- und Notar­recht der Universität Bielefeld und betreute den Biele­felder Kompaktkurs zur Vorbe­reitung auf den Anwalts­beruf. Beate Heilmann ist langjährige Dozentin in der Aus- und Fortbildung von Anwältinnen und Anwälten sowie in der Wohnungs­wirt­schaft. Sie prakti­ziert in einer Zweier-Sozietät in Berlin und ist seit 2012 Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeits­ge­mein­schaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwalt­verein.

 

Im Herbst 2018 liegt plötzlich eine Eigen­be­darfskündigung im eigenen Brief­kasten. Die Wohnung liegt mitten drin im Prenz­lauer Berg. „Das ist jetzt die Strafe für die vielen Kündigungen, die ich selbst in der Vergan­genheit formu­liert habe, dachte ich damals. Das hat uns nicht kalt gelassen. Und es hat mir nochmal vor Augen geführt, worum es im Mietrecht geht“, sagt Heilmann. „Um Existenzen, um Lebensentwürfe, um Erinne­rungen. Das ist die Fallhöhe.“

Seit 25 Jahren lotet Beate Heilmann diese Fallhöhen des Mietrechts aus. Ihr Berufsweg ist eng verknüpft mit der Geschichte der einst geteilten Stadt Berlin, in der die Uhren ein wenig anders gingen als im Rest des Landes. Dann stellt die Wende die Stadt vom Kopf auf die Füße – und mit ihr den Wohnungs­markt. „Im Studium in den Achtzigern haben uns die Profes­soren noch erzählt, dass wir alle später Taxi fahren werden“, sagt Heilmann. Die Joblage war schlecht. „Und dann mischten sich Anfang der Neunziger plötzlich Headhunter unter unsere Partys, weil sie so dringend auf der Suche nach Juristen waren.“

So werden Legenden erzählt: Wie Heilmann zum Mietrecht fand

Dass sie Anwältin werden will, weiß die junge Beate Heilmann da schon lange Jobaus­sichten hin oder her. Sie sieht Freitag abends schließlich regelmäßig und völlig gebannt die ameri­ka­nische Anwalts­serie Petro­celli im Fernsehen. Darin kämpft ein Kollege mit viel persönlichem Engagement für seine meist klammen Mandanten und muss sich am Ende mit dem morali­schen Sieg zufrieden geben. Ein Staranwalt sieht anders aus. Aber gerade das ist es, was Beate Heilmann als Teenager faszi­niert. Sie schreibt sich an der Freien Universität ein. „Nur musste ich dann leider feststellen, dass mir das Straf­recht, das mein Idol Petro­celli so leiden­schaftlich bespielte, überhaupt nicht zusagte“, sagt Heilmann.

Im Studium zieht das Mietrecht fast unbemerkt an ihr vorbei. Und dann findet Beate Heilmann so wunderbar zufällig in den Beruf, dass die jungen Juris­tinnen und Juristen von heute es für eine Legende aus längst vergan­genen Zeiten halten müssen. Sie vertritt einen Anwalts­notar während seines Urlaubs in einer altein­ge­ses­senen West-Berliner Mietrechts­kanzlei. Und bleibt. „Ich hatte von nichts Ahnung, auch nicht durch das Referen­dariat, aber Lust auf den Stoff“, sagt Heilmann heute. Sie legt los, es gibt viel zu tun. Wer abliefert, setzt sich durch. Und Heilmann liefert ab. Nicht weniger als die Wieder­ver­ei­nigung ist zu klären, Millionen von ehema­ligen DDR-Bürgern kommen mit ihren Mietverträgen in Kontakt mit dem westdeut­schen Zivil­recht. Dann sind die Rückübereig­nungen abzuwi­ckeln, „kein leichtes Unter­fangen“, wie Heilmann sich erinnert. Und schon damals merkt die junge Anwältin, dass sie sich von den Frontverläufen in der Öffent­lichkeit nicht beein­drucken lassen darf („Besser-Wessis enteignen den Osten“), sondern dass es ihr überzeugend gelingen kann, mit Sachkenntnis und ihrer ruhigen Art den Mandanten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Lehrjahre: Das Mietrecht mit politi­scher Spreng­kraft

Die frühen Neunziger sind Beate Heilmanns Lehrjahre. Ihr Chef ist tief im Eigentümerverband Haus und Grund verwurzelt und platziert die Mandate auf dem Schreib­tisch seiner jungen Kollegin. Räumungs­klagen, störende Mieter, Abmah­nungen Eigen­bedarf, Moder­ni­sie­rungen und auch Mietpreisüberhöhungen sind damals schon ihr Thema. Sie merkt schnell: Das Mietrecht hat politische Spreng­kraft. Der Quadrat­me­ter­preis einer Stadt ist eine Art Fieber­kurve der Gesell­schaft.

 

Beate Heilmann lesend an ihrem Schreibtisch
Im privaten Mietrecht geht es um Existenzen, Lebensentwürfe, Erinnerungen – da macht sich Beate Heilmann nichts vor. Aber auch Vermieter haben ein Recht, dass ihre Interessen wahrgenommen werden.

 

Dass sie nun gerade die Inter­essen der Vermieter vertritt, ficht Beate Heilmann nicht an. „Jeder hat das Recht auf eine Inter­es­sen­ver­tretung“, sagt sie. „Am Ende ist es Aufgabe der Politik, für den gerechten Ausgleich zu sorgen.“ Dennoch besorgt sie die zuneh­mende Polari­sierung im Gerichtssaal und vor allem in der öffent­lichen Diskussion. Die Wohnungs­wirt­schaft steht vor großen Heraus­for­de­rungen. Klima­schutz und bezahl­bares Wohnen erfordern Beson­nenheit und Augenmaß von allen Markt­be­tei­ligten.

Rein ins Berufs­leben

Vor ihrem Sprung mitten hinein ins Berufs­leben hatte Beate Heilmann als wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin am Institut für Anwalts- und Notar­recht der Universität Bielefeld gearbeitet und dort den inzwi­schen einge­stellten Kompaktkurs betreut, der nach dem Referen­dariat auf die Anwalt­spraxis vorbe­reitete. „Damals habe ich gemerkt, dass ich gerne unter­richte“, sagt sie – verfolgt diese Neigung doch zunächst nicht weiter. Es wird noch ein paar Jahre bis zum Ende der Neunziger dauern, ehe Beate Heilmann den Faden wieder aufnimmt und in die Referen­dar­aus­bildung am Kammer­ge­richt einsteigt. Seit 2000 gibt sie ihr Wissen an Kollegen und Mitar­beiter von Wohnungs­un­ter­neh­merverbänden weiter, erst im Berliner Raum, inzwi­schen deutsch­landweit.

Heilmann hat sich ganz aufs Allein­ar­beiten einge­richtet – und im Seminar­be­reich–, ein „Ein-Personen-Unter­nehmen“ aufgebaut, das geschmeidig funktio­niert und dessen Bereiche sich gegen­seitig positiv beein­flussen. Ihre Dozententätigkeit bringt Mandate mit sich, beim Verfassen einschlägiger Kommentare hält sie sich auf dem Laufenden und vor Gericht sammelt sie die Erfahrung, die ihr in der prakti­schen Lehre immer öfter auch bei Inhouse-Schulungen Glaubwürdigkeit verschafft. Die Kanzlei befindet sich in einer Bürogemein­schaft in Charlot­tenburg. Aber die Anwesenheit vor Ort wird immer weniger Verpflichtung, zwei Tage in der Woche reist sie meist durchs Land zu wissbe­gie­rigen Wohnungs­wirt­schafts­kauf­leuten. „Heute kann ich meine Arbeit auf jedem Bahnsteig erledigen, und das mache ich in dringenden Fällen auch.“


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