Portrait

Reyhan Akar - Einzelanwältin im Wirtschafts­recht

Anrufe, Schriftsätze, Rechnungen, Terminsachen: Reyhan Akar erledigt alles selbst. Weil sie es so will. Früh in ihrer Karriere hat sie sich für den Beruf der Einzelanwältin entschieden. Und verteidigt den Job leidenschaftlich gegen seinen schlechten Ruf.

Als der Brief aus Karlsruhe auf ihrem Schreibtisch landet, triumphiert Einzelanwältin Reyhan Akar. Sie hat es geschafft. In dem Schreiben des Bundesgerichtshofs geht es um Einzelheiten ihres Falls, den ihre Kanzlei betreut, auf ihre Verantwortung. Das oberste deutsche Gericht tauscht sich mit ihr aus. Für einen Moment erinnert sich Reyhan Akar an ihre Kindheit, als sie 13 Jahre alt ist und ein aufgewecktes türkisches Mädchen aus Frankfurt-Rödelheim. Damals, Ende der 1980er, beginnt ihre juristische Karriere. So erzählt Reyhan Akar heute ihre Geschichte. Sie sitzt hinter dem mächtigen Schreibtisch ihrer Kanzlei in Bad Homburg, draußen lärmen die Vögel im nahegelegenen Kurpark, die Sonne fällt in den hellen Raum einer repräsentativen Altbauetage. „Seit ich ein kleines Mädchen war, war ich die Anwältin meiner Familie“, sagt sie. „Bis ich hier sitzen konnte und die Chefin meiner eigenen Kanzlei wurde, war es ein ziemlich langer Weg.“

Was sie dann erzählt, ist die Geschichte eines Mädchens, das als Kind türkischer Gastarbeiter Stufe für Stufe einer Treppe erklomm, die sie von einer Hochhaus siedlung bis in die ehrwürdige Kaiser-Friedrich-Promenade in Bad Homburg führte. Der Brief vom BGH war deshalb so etwas wie ein Treppenabsatz, den Akar nie zu erreichen glaubte. Mit dreizehn übersetzt sie zum Beispiel die Kreditgespräche der Eltern bei der Bank. „Mein erster Fall im Wirtschaftsrecht“, sagt Akar. Als ihr Vater später einen Arbeitsunfall erleidet – er arbeitet, wie die Mutter, über Jahrzehnte Vollzeit als Fabrikarbeiter – besucht ein fremder Mann die Familie und bietet eine Abfindung an. „Das Geld reicht uns doch nur bis übermorgen, habe ich ihm gesagt und ihn weggeschickt“, sagt sie. „Der Mann wollte, dass mein Vater einen Auflösungsvertrag unterschreibt. Heute gehört Arbeitsrecht zu meinen Spezialgebieten als Einzelanwältin.“

 


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