Kanzleimanagement

Profes­sio­nelles Kanzlei­ma­na­gement in Zeiten des Fachkräftemangels

3. Besetzen Sie vakante Stellen mit Quereinsteigern

Diese Option setzt jedoch voraus, dass alle Mitar­beiter der Kanzlei in diese Idee invol­viert werden. Dies speziell aus dem Grund, dass das Beschäftigen von Querein­steigern zur Folge hat, dass einige Dinge in der Aufga­ben­ver­teilung sowie in den organi­sa­to­ri­schen Abläufen der neuen Perso­nal­si­tuation angepasst werden müssen. Auch sollte man sich auf eine längere Einar­bei­tungs­phase einstellen. Spezi­al­auf­gaben, wie Fristen­ma­na­gement, Kosten­recht und Zwangs­voll­stre­ckung sollten zunächst bei den Rechts­an­walts­fachan­ge­stellten verbleiben, welche jedoch im Telefon­dienst, der allge­meinen Korre­spondenz aber auch der vorbe­rei­tenden Buchhaltung durch Querein­steiger Entlastung finden können.

Querein­steiger, welche einmal auf das vorherr­schende Organi­gramm der Kanzlei einge­ar­beitet sind, hegen meist geringe Wechsel­ab­sichten. Gerade weil sie als Querein­steiger anderen Branchen entspringen, haben sie auch meist ihr Ziel nach beruf­licher Veränderung erreicht.

 

4. Umschulung

Ich selbst habe als Dozentin für Umschüler-Rechts­an­walts­fachan­ge­stellter an einem Bildungsträger in Sachsen erlebt, wie erfolg­reich in der Erwach­se­nen­bildung eine solche Umschulung verlaufen kann. Auch wenn der vermit­telte Unter­richtsstoff hierbei in zwei Jahre gepackt werden muss, verbleibt dennoch genügend Zeit, die Umschüler gezielt auf das neue Berufsbild sowie die bevor­ste­hende Kammerprüfung vorzu­be­reiten.

Hier sollte man auch einmal die durchaus vorteil­hafte soziale Kompo­nente der Umschüler betrachten: Sie sind meist – aufgrund einer voraus­ge­gan­genen ersten Ausbildung – im Alter zwischen 25 und 45. Bedenken wir, dass wir als Kundschaft stets Menschen mit mehr oder weniger existenz­be­dro­henden recht­lichen Problemen haben, so können Mitar­beiter mit einer gewissen Lebens­er­fahrung oftmals besser mit unserer „Kunden­struktur“ umgehen. Außerdem: Wer sich auf eine Umschulung einlässt, macht dies aus dem eigenen Wunsch nach beruf­licher Veränderung heraus. Der Ehrgeiz und der Wille, dieses neuer­worbene Wissen unter Beweis zu stellen, sind bei den Umschülern deutlich spürbar und überaus bemer­kenswert.

 

5. Gedanken zur Mitarbeiterbindung

Mindestens genauso innovativ, wie bei der Besetzung vakanter Stellen, sollten Sie bei den Möglich­keiten der Mitar­bei­ter­bindung vorgehen. Wann haben Sie das letzte Mal Mitar­bei­ter­gespräche geführt. Wissen Sie, ob sich Ihre Mitar­beiter in Ihrer Kanzlei beruflich entwi­ckeln möchten, über- oder unter­fordert sind oder vielleicht bereits innerlich gekündigt haben? Nehmen Sie sich die Zeit für ein inten­sives Mitar­bei­ter­gespräch mindestens einmal pro Jahr.

Auch die privaten Umstände Ihrer Mitar­beiter verändern sich im Laufe der Zeit. Hinter­fragen Sie sich einmal selbst, wie famili­en­freundlich Ihre Kanzlei für Mitar­beiter ist und welche Unterstützungs­an­gebote möglich wären.

Weitere Benefits im Rahmen der Perso­nal­bindung könnten Maßnahmen im betrieb­lichen Gesund­heits­ma­na­gement sein. In aller Regel üben Sie und Ihre Mitar­beiter eine sitzende Tätigkeit aus. Beispielhaft seien hier Betei­li­gungen an Mitglieds­beiträgen in Sport­ver­einen, physio­the­ra­peu­ti­schen Angeboten oder Sport­studios genannt. Auch das Bereit­stellen von frischem Obst einmal pro Woche trägt positiv dazu bei.

 

IV. Fazit

Die vielen Instru­mente von der Perso­nal­planung bis zur Mitar­bei­ter­bindung habe ich nur recht kurso­risch aufge­zeigt. Nicht alle Hinweise werden auf jedes Kanzlei­profil passen, jedoch wünsche ich mir eines damit erreicht zu haben – jede Anwältin und jeder Anwalt sollte Blick­winkel zum Thema Personal erweitern, um mit gezielter Umsetzung einiger Ideen die perfekte Perso­nal­struktur für Ihre Kanzlei aufzu­bauen und zu festigen.


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