Rechtsdienstleistungen

Relaunch des Marktes für Rechts­dienst­leis­tungen

Der digitale Fortschritt macht das Leben leichter – wird zum Teil aber auch als Bedrohung empfunden. Was steckt dahinter? Neue Software und neue Online-Angebote können nicht nur helfen, die Anwaltstätigkeit zu optimieren: Sie können auch gängige Strukturen des Rechtsdienstleistungsmarktes verändern.

Rechts­pro­dukte wie Platt­formen zur elektro­ni­schen Streit­bei­legung für Verbraucher oder Pauschal­pakete für eine anwalt­liche Erstbe­ratung sind seit mehreren Jahren in den USA etabliert und lassen sich inzwi­schen auch als Pendant auf dem deutschen Anwalts­markt finden (AnwBl 2016, 224). Mittler­weile gibt es auch auf die hiesigen Rechts­schutzbedürfnisse zugeschnittene Angebote wie die automa­ti­sierte Abwehr von Bußgeldbe­scheiden im Internet oder die Prüfung von möglichen Fluggast­rechten durch Software (AnwBl 2016, 560).

Was zunächst nach Ausnah­me­mo­dellen für Mandan­ten­be­lange klingt, ist erst der Beginn der techni­schen Weiter­ent­wicklung. Denn auch Online-Platt­formen zur Mandats­ak­quise, Wider­spruchs-Apps und Due-Diligence-Prüfungs­software gibt es bereits. Bevor auf dem „Anwalts­zu­kunft­kon­gress“ Anfang September in Köln weiterführende Prognosen für die Zukunft gewagt werden, lohnt sich in jedem Fall ein wacher Blick auf die Gegenwart.

Ein guter Anwalt lässt sich finden

Die Gründer des Berliner Startups Legalbase bieten seit Herbst 2015 über ihre Online-Plattform einen Anwalt-Suchservice, bei dem die regis­trierten Anwältinnen und Anwälte dem Mandanten nach ihren konkreten Leistungen und sortiert nach den dafür anfal­lenden Kosten vorge­schlagen werden. Das Prinzip ist einfach und benut­zer­ori­en­tiert: Der Mandant wählt die gewünschte und konkret beschriebene Rechts­dienst­leistung, etwa die Prüfung von Gewer­be­pflichten oder den Widerruf der Lebens­ver­si­cherung, beant­wortet einige Fragen, lädt gegebe­nen­falls zu prüfende Dokumente hoch und bekommt dann zu den Anfor­de­rungen passende Anwältinnen und Anwälte vorge­schlagen. Die Mandanten erfahren hier alles Wichtige zum Mandat.

Das Verfahren erhöht die Trans­parenz für den Mandanten: Der jeweilige Umfang der Rechts­dienst­leistung ist vorab aufgeschlüsselt. Die Betreuung einer Gesell­schaf­ter­ver­sammlung umfasst beispiels­weise das Erstellen von Einladung, Tages­ordnung, Beschluss­vor­lagen und Protokoll, sowie die Überwa­chung der Fristen und die Überprüfung der Dokumente auf formale Fehler durch einen Anwalt. Über die Online-Plattform gibt der Mandant Angaben zur Gesell­schaftsform, seiner Stellung innerhalb der Gesell­schaft und dem aktuellen Anliegen an und lädt den Gesell­schafts­vertrag hoch. Bei der Auswahl aus den nun vorge­schla­genen Anwälten kann der Benutzer frei nach seinen Prioritäten vorgehen: Steht der zeitliche Faktor im Vorder­grund, kann die Anfrage zum Beispiel binnen 14 Tagen beant­wortet werden, preislich beginnen die Vorschläge bei 600 Euro – und zur Person des Anwalts oder der Anwältin werden ausführliche Angaben gemacht, so wie man sie auch auf der herkömmlichen Kanzlei­website finden würde. Ratsu­chende können nun ein solches „Rechts­produkt kaufen“, sodass eine Mandats­ver­ein­barung zwischen Mandant und Anwalt zustande kommt.

Legalbase selbst ist lediglich Vermittler und über Nutzungs- und Service-Verträge mit den einzelnen Parteien verbunden, haftet mithin nicht für Beratungs­fehler oder Fristversäumnisse seitens der Anwälte. Insbe­sondere trifft den Anwalt die Pflicht, Mandate auf wider­strei­tende Inter­essen zu überprüfen, welche angesichts der forma­li­sierten Abläufe nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind. Doch auch die Vorteile für regis­trierte Anwältinnen und Anwälte liegen auf der Hand, denn auch für sie werden die Mandate berechen­barer. Die Beauf­tragung verläuft stets zu ihren vorher präzise festge­legten Kondi­tionen. Und ohne weiteren Akqui­se­aufwand. Denn die Anwältinnen und Anwälte werden gezielt vorge­schlagen.


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