Studium und Referen­dariat

Schwer­punkte im Schnell­check

Im Schwerpunkt haben Studierende erstmals die Möglichkeit ausschließlich eigenen Interessen nachzugehen. Doch soviel Freiheit kann auch schrecken. Damit die Schwerpunktwahl niemandem schwer fallen muss, hat Anwaltsblatt Karriere ein paar der interessantesten Schwerpunkte ausfindig gemacht.

Für die ersten Semester macht der Studi­enplan noch en détail Vorgaben, doch beim Schwer­punkt scheinen sich auf einmal unend­liche Möglich­keiten zu eröffnen. Gleich­zeitig ist klar: Der Schwer­punkt­be­reich macht 30 Prozent der Gesamtnote des Ersten Examens aus. Gerade während des Repeti­to­riums kann eine gute Note im Schwer­punkt deshalb die Nerven beruhigen.

Welchen Schwerpunkt soll ich wählen?

Orien­tieren sollte man sich vor allem an den eigenen Inter­essen – denn lernen bringt so einfach mehr Spaß. Den üblichen Flurfunk sollte man bei der Wahl dafür weniger beachten. Gerüchte gibt es viele und sie sollten nur leiten, wenn sie durch Fakten belegt sind. Wer sich auf die vermeintlich netteren Profes­soren verlässt, verliert die eigenen Fähigkeiten und Inter­essen aus dem Fokus.

Auf sich selbst hören

Vor der endgültigen Entscheidung sollte man sich vor Augen führen, dass man sich ein Jahr lang intensiv mit der gewählten Materie beschäftigen wird. Nur so kann der wissen­schaft­liche Anspruch, dem der Schwer­punkt gerecht werden muss, eingelöst werden. Wer sich für seinen Schwer­punkt nicht begeistern kann, wird am Ende hinter seinen Möglich­keiten bleiben.

Humboldt Universität zu Berlin

Welche Stadt bietet wohl eine bessere Kulisse als Berlin, um sich vertieft mit dem Recht des Staates und seiner Verwaltung zu beschäftigen. An der Humboldt Universität zu Berlin vermittelt der Schwer­punkt „Staat und Verwaltung im Wandel“ die recht­lichen Grund­lagen staat­lichen Handelns auf allen Ebenen der Normhier­achie. Studie­rende lernen so, sich im komplexen Geflecht des öffent­lichen Rechts, über den Pflicht­stoff des Ersten Examens hinaus, sicher zu bewegen. Kurse im rechts­ver­glei­chenden Verfas­sungs­recht ermöglichen neue Perspek­tiven auf grund­rechts­dog­ma­ti­schen Argumen­ta­tionen. Im zweiten Semester gibt es Seminare mit der Möglichkeit zur Spezia­li­sierung. Vertie­fende Kurse werden beispiels­weise im Antidis­kri­mi­nie­rungs­recht, im Migra­ti­ons­recht und im Sozial­recht angeboten.

Universität Bielefeld

In Bielefeld hat man dem Migra­tions- und Sozial­recht gleich einen eigenen Schwer­punkt gewidmet. Im Schwer­punkt „Einwan­derung und soziale Integration“ beschäftigen sich Studie­rende intensiv mit zwei kaum gelehrten, aktuell aber äußerst relevanten Rechts­ge­bieten. Mit dieser Fächerkom­bi­nation bietet die Universität einen deutsch­landweit einzig­ar­tigen Schwer­punkt an. Der Schwer­punkt beginnt mit einer Block­ver­an­staltung, die den Teilnehmern die Grund­lagen des Einwan­de­rungs- und Flüchtlings­rechts vermittelt. Anschließend werden die Pflicht­ver­an­stal­tungen im Migra­tions- und Sozial­recht besucht. Im einwan­de­rungs­recht­lichen Teil werden unter anderem die Einwan­derung aus Dritt­staaten, der Flüchtlings­schutz und die sozialen Rechte in der EU näher beleuchtet. Parallel dazu besuchen Studie­rende Vorle­sungen im Sozial­ver­si­che­rungs­recht, sowie im Grund­si­che­rungs- und Sozial­hil­fe­recht. Seine Praxisnähe beweist der Schwer­punkt durch eine verstärkte Mitwirkung von Richtern und Mitar­beitern von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen.

Universität Hamburg

Die ökonomische Analyse des Rechts ist Instrument, um Gesetze auf ihre Wirkung und ihren Nutzen zu unter­suchen. Im Kern geht es darum zu verstehen, wie recht­liche Regeln auf mensch­liches Verhalten einwirken. Die Uni Hamburg bietet mit dem Schwer­punkt „Ökonomische Analyse des Rechts“ Veran­stal­tungen abseits der typischen Jura- Vorle­sungen. Absol­venten, die sowohl juris­tisch, als auch ökonomisch denken können (und wollen), werden auf dem Markt gern gesehen. Gerade in inter­na­tional tätigen Kanzleien, aber auch in der Politik, besteht eine hohe Nachfrage an ökonomisch vorge­bil­deten Juristen. Noch inter­na­tio­naler wird es ab dem Winter­se­mester 2018/19 – ab dann wird der Schwer­punkt in engli­scher Sprache angeboten. Um den inter­dis­ziplinären Ansatz zu gewährleisten, werden die Vorle­sungen sowohl von Juristen, als auch von Ökonomen gehalten.

Universität Potsdam

Wer bereits im Studium den Einstieg in den Anwalts­beruf geplant hat, ist an der Uni Potsdam im Schwer­punkt „Litigation“ genau richtig. Von Beweis­recht über Verhand­lungsführung lernen die Teilnehmer all das, was anderen erst im Referen­dariat vermittelt wird. Studie­rende bekommen so bereits im Studium einen Einblick in Rechts­ma­terien, die zum täglichen Handwerkszeug eines Prozess­an­walts gehören. Anwalt­liche Rechts­ge­biete, wie das Insol­venz­ver­fah­rens­recht oder das Verfahren in Familien- und Nachlass­sachen werden deshalb vertieft behandelt. Auch inter­na­tionale Bezüge kommen dabei nicht zu kurz – Veran­stal­tungen wie „Europäisches und Inter­na­tio­nales Zivil­ver­fah­rens­recht“ oder „Deutsche und inter­na­tionale Schieds­barkeit“ lassen die Teilnehmer über den Tellerrand des deutschen Zivil­pro­zess­rechts hinaus­schauen.

Universität Köln

Kaum ein Studie­render wird es heutzutage noch wissen, aber das Staats­kir­chen­recht war einst Teil des universitären Pflicht­stoffs. Heute wird es, zusammen mit dem Religi­ons­ver­fas­sungs­recht, an der Universität Köln im Schwer­punkt „Religion, Kultur & Recht“ gelehrt. Neben den beiden Grund­lagenfächern können zusätzlich Kurse in Rechts­ge­schichte oder anderen übergrei­fenden Materien belegt werden. Während im Pflicht­pro­gramm nur evange­li­sches und katho­li­sches Staats­kir­chen­recht gelehrt werden, kann man im Wahlbe­reich auch Veran­stal­tungen zum islami­schen Recht besuchen. Wer sich vorstellen kann, später in diesem Bereich beruflich tätig zu sein, kann zum Beispiel Veran­stal­tungen im „Arbeits­recht mit Bezügen zur Tätigkeit im kirch­lichen und kultu­rellen Bereich“ besuchen.

Universität Osnabrück

Wie sehr europäische Verwal­tungs­vor­schriften das deutsche Verwal­tungs­recht durch­drungen haben, kommt im Pflicht­stoff der juris­ti­schen Ausbildung nicht vor. Doch auch im Verwal­tungs­recht gibt die Europäische Union den Ton an. Im Schwer­punkt­be­reich „Europäisches Öffent­liches Recht und seine Grund­lagen“ können Studie­rende dieses Verständnis an der Universität Osnabrück erwerben. Es geht um europäisches Verwal­tungs- und Verfas­sungs­recht, Vorle­sungen im Völker recht stehen ebenfalls im ersten Semester auf dem Stundenplan. Anschließend kann das Wissen durch Kurse im beson­deren europäischen Verwal­tungs­recht oder in rechts­ver­glei­chenden Kursen vertieft werden.

Universität Regensburg

Die Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie ist auch an den juris­ti­schen Fakultäten des Landes nicht vorbei gegangen. Deshalb gibt es vermehrt auch Schwer­punkte, die sich mit aktuellen Frage­stel­lungen des Infor­ma­ti­ons­rechts beschäftigen. Der Schwer­punkt „Recht der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft“ der Uni Regensburg legt seinen Fokus auf die zivil- und öffentlich-recht­lichen Grund­lagen der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft. Es geht zum Beispiel um die zivil­recht­lichen Haftungs­fragen im Bereich des Geistigen Eigentums. Gleich­zeitig werden aber auch bereits bekannte Rechts­ge­biete unter Einbe­ziehung infor­ma­ti­ons­recht­licher Frage­stel­lungen neu beleuchtet. Dabei hat sich der Schwer­punkt selbst einen hohen Anspruch auferlegt: Er soll bereits den angehenden Juristen als Grundlage für einen späteren Fachan­walts­titel dienen können.

Universität des Saarlandes

Der Schwer­punkt „IT-Recht und Rechts­in­for­matik“ vermittelt ebenfalls sowohl die öffentlich-recht­lichen-, wie auch die privat­recht­lichen Grund­lagen im Bereich des IT-Rechts. Darüber hinaus vermittelt der Schwer­punkt auch die techni­schen Grund­lagen des Internets. Dabei wird insbe­sondere das technische Verständnis der Teilnehmer im Bereich der Inter­net­si­cherheit geschult. Absol­venten können so nachvoll­ziehen, worauf sie das im Schwer­punkt erlernte Wissen technisch tatsächlich anwenden. Das im ersten Semester erworbene, breite Wissen im IT-Recht wird im zweiten Semester weiter vertieft. Verpflichtend sind zum Beispiel Veran­stal­tungen im Urheber- und im Daten­schutz­recht.

Universität Leipzig

All denje­nigen, die sich schon immer lieber mit dem „Katzenkönig“ als mit Vertrags­klauseln beschäftigt haben, wird an der Uni Leipzig ein Jahr lang Straf­recht pur geboten. Der Schwer­punkt „Krimi­nal­wis­sen­schaften“ wird in einen Pflicht- und einen Wahlbe­reich unter­teilt. Im ersten Semester stehen drei Pflichtfächer auf dem Plan. Die straf­pro­zes­sualen Kennt­nisse aus dem Haupt­studium werden durch vertiefte Kennt­nisse im Revisi­ons­recht erweitert. Über das Kernstraf­recht hinaus wird zusätzlich das Wirtschaftss­traf­recht gelehrt. Veran­stal­tungen im Sanktio­nen­recht ergänzen den Pflicht­be­reich um eine straf­theo­re­tische Perspektive. Im zweiten Semester können Teilnehmer die erwor­benen, wirtschaftss­traf­recht­lichen Kennt­nisse mit Veran­stal­tungen zur Wirtschafts­kri­mi­no­logie, sowie im Steuer-, oder Medien­straf­recht ergänzen. Angeboten wird auch das Jugend­straf­recht oder das Straf­voll­zugs­recht.

Universität Augsburg

Wer auch im Schwer­punkt auf Zivil-, Straf- und Öff-Recht nicht verzichten kann, ist bei einer Querschnitts­ma­terie wie dem Medizin­recht gut aufge­hoben. In Augsburg kombi­niert der Schwer­punkt „Bio-/Gesund­heits- und Medizin­recht“ verschiedene, für den Gesund­heits­sektor relevante, Rechts­ge­biete. Grund­le­gende ethische Fragen, etwa zur Gendia­gnostik oder Stamm­zell­for­schung und die hohe Relevanz des Gesund­heits­wesens zeigen: Eine besondere Quali­fi­kation in diesem Bereich lohnt sich. Neben dem klassi­schen Arztver­trags- und Arzthaf­tungs­recht, werden unter anderem das Arznei­mittel- und Medizin­pro­duk­terecht, das Kranken­ver­si­che­rungs­recht und das Biostraf­recht gelehrt. Im Gegensatz zu den meisten Universitäten dauert der Schwer­punkt in Augsburg drei Semester. Einzig­artig ist außerdem das besondere Augenmerk auf Grund­pro­bleme des Biorechts und darauf aufbauend Frage­stel­lungen der Medizin- und Bioethik.


Zurück