Stationsreportage

Wie läuft eine Anwalts­station bei Flick Gocke Schaumburg, Bonn?

Vielseitig

Referen­darin Sarah Hempelmann berichtet.

Für ihr trainings­in­ten­sives Hobby, den Triathlon, hat Sarah Hempelmann im Moment nur noch wenig Zeit. Da können die nur einen Steinwurf von ihrem Arbeits­platz bei Flick Gocke Schaumburg entfernt liegenden Wiesen und Hügel noch so einladend locken. Und auch für die Band und Orchester, wo sie früher gern und oft Klari­nette und Saxophon spielte, fehlt jetzt oft die Zeit.Weit häufiger als über Notenblätter streift der Blick der 28-jährigen Referen­darin derzeit über den leicht begrünten Innenhof der Kanzlei, der sich unter die boden­tiefen Fenster der Bibliothek kauert. Dann wälzt sie gerade im Auftrag eines Associates oder Partners Kommentare, wertet Urteile aus oder feilt an den Argumenten und Formu­lie­rungen für Schriftstücke, Memos oder Klage­er­wi­de­rungen. Sie arbeitet im sieben Köpfe zählenden Arbeits­rechts-Team von Partner Tobias Nießen. Chemie und Vita passten. Sarah Hempelmann, die im Oktober 2014 zunächst als wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin bei FGS begann, um dann nahtlos ins Referen­dariat überzu­gehen, hat nicht nur ein „gut“ unter dem ersten Examen stehen. Nach einem FH-Studium in Bad Münstereifel, stellte sie schnell fest, dass ihr der Job als Rechts­pfle­gerin auf Dauer nicht spannend genug sein würde und sattelte noch Jura auf.

Sie habe einen „tiefen Einblick ins Arbeits­recht“ bekommen wollen, weil dies ihr Schwer­punkt an der Uni war. Also bewarb sie sich in Bonn bei FGS. „Was ich hier gut finde, ist der hohe wissen­schaft­liche Anspruch“, erzählt Sarah Hempelmann. Sie hat sich bewusst gegen ein Referen­dariat in einer kleineren Kanzlei entschieden. „Praxisnähe und Examens­re­levanz mögen dort im Einzelfall größer sein“, argumen­tiert sie, „aber der wissen­schaft­liche und inhalt­liche Anspruch ist bei FGS viel höher und man arbeitet nicht einfach nur eine Akte nach der anderen weg.“ Und warum gerade Arbeits­recht? „Weil es im Grunde jeden betrifft“, sagt Sarah Hempelmann, „es ist sehr plastisch, konkret, nicht abstrakt.“ Zudem gebe es zahlreiche Verknüpfungen zu anderen Rechts­ge­bieten, etwa dem Gesell­schafts­recht, dem Sozial­ver­si­che­rungs­recht oder auch zum Thema Steuern, das bei FGS eine besonders große Rolle spielt. Die Referen­darin arbeitet mehreren Anwälten zu, klärt etwa Mitbe­stim­mungs­rechte des Betriebsrats bei Umstruk­tu­rie­rungen von Unter­nehmen, grenzt für inter­na­tional tätige Mandanten illegale Arbeit­nehmerüberlas­sungen von Selbstständigkeit und Werkver­tragsverhältnissen ab oder sucht in der Datenbank nach relevanten Urteilen zu Betriebsübergängen nach § 613 a BGB. Ihre Arbeits­er­geb­nisse liefert sie persönlich oder per Mail zu. Parallel bereitet sie sich auf das zweite Staats­examen vor. Ein bis zweimal pro Woche besucht sie den von Mutter­sprachlern in der Kanzlei kostenfrei angebo­tenen Sprachkurs für Business-Englisch. Entgegen den Warnungen vieler Kommi­li­tonen, hätten sich die oft gezeich­neten Schre­ckens­bilder zum Stichwort Großkanzlei in ihrem Fall nicht bewahr­heitet, im Gegenteil. „Bis 22 Uhr wird hier in der Regel nicht gearbeitet.“ Mit Blick auf ihre weiteren beruf­lichen Ziele ist Sarah Hempelmann noch hin und herge­rissen: „Weil ich aus dem öffent­lichen Dienst komme, wollte ich bislang eigentlich wieder dahin zurück“, sagt sie.

Mittler­weile könne sie sich aber auch gut vorstellen „hier bei FGS oder in einer anderen Kanzlei ähnlicher Größe als Anwältin zu arbeiten.“ Aller­dings, so führt sie weiter aus, sei „nur Karriere sicherlich nicht das, was ich für mich möchte“. So spiele auch die Verein­barkeit von Beruf und Familie für sie eine wichtige Rolle bei der Auswahl des Arbeit­gebers. Bei FGS ist diese dank der Möglichkeit, sämtliche Karrie­re­stufen – inklusive der Partner­schaft – auch in Teilzeit zu erreichen, grundsätzlich möglich. Die Kanzlei arbeitet zudem mit einem bundesweit tätigen Famili­en­service zusammen, der Kita-Plätze für Kinder von Mitar­beitern vermittelt und auch kurzfristige Notfall­si­tua­tionen abfedern hilft. Bei einem Mandan­ten­gespräch war Sarah Hempelmann bislang noch nicht mit dabei, aber es liegen ja auch noch neun Monate Referendarzeit vor ihr.


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