Stationsreportage

Wie läuft eine Anwalts­station bei Redeker, Sellner, Dahs?

Ein Ausbilder und ein Referendar berichten von der Station in der Großkanzlei. Vom Fronteinsatz im Gemischt­wa­ren­laden bis zum Europa zum Anfassen war alles dabei.

Fronteinsatz im Gemischt­wa­ren­laden

Referendar Dr. Sven-Hendrik Schulze berichtet.

„Was mich positiv überrascht hat, war, wie man als Referendar wahrge­nommen wird“, sagt Dr. Sven-Hendrik Schulze rückbli­ckend über seine dualen Referen­dar­station(en). „Man wird ernst­ge­nommen und in die tägliche Arbeit einbe­zogen – in Diskus­sionen ebenso wie bei Verab­re­dungen zum Mittag essen.“ Absol­viert hat er beide Stationen bei Redeker Sellner Dahs; jeweils für drei Monate, einmal am Standort Bonn, später im Brüsseler Büro. Schulze, der sein Refer endariat am OLG Koblenz absol­vierte, hat seinen „Fokus“ im Studium, bei seiner Doktor­arbeit und im Referen­dariat klar auf das Öffent­liche Recht gelegt: „Ich mag die Struktur und, dass man immer weiß, an welcher Stelle man die Argumente bringen muss; ein Grobrast er hat .“ Sein Doktor­vater gab ihm den entschei­denden Impuls, sich bei Redeker zu bewerben: „Er war früher selbst auch als freier Mitar­beiter für die Sozietät tätig.“ Redeker ist histo­risch vor allem aus dem öffent­lichen Recht gewachsen. Heute bietet die Kanzlei „full service“ in nahezu allen wichtigen Rechts­ge­bieten.

Dabei wird viel Wert auf wissen­schaft­liches Arbeiten gelegt. Er habe es als sehr angenehm empfunden, „dass die Kanzlei ihre Mitar­beiter aufgrund dieser Ausrichtung aktiv und indivi­duell fördert, wenn man wissen­schaftlich arbeiten will“, sagt der 29-Jährige. Dies, so vermutet er, m ache auch aus Sicht vieler Studenten und Referendare, die eine Promotion anstrebten, den Reiz aus, sich um eine Stage bei Redeker zu bewerben: „Denn neben einer 0,5-Stelle als Anwalt kann man dann berufs­be­gleitend vielleicht noch seine Disser­tation schreiben.“

Viele große Kanzleien, so sein Eindruck, böten berufs­be­glei­tende Promo­tionen zwar an, längst nicht alle aber wirkten unterstützend daran mit. In Bonn arbeitete Schulze im Dezernat von Stefan Tysper, der in seinem „mittelgroßen Gemischt­wa­ren­laden“ private Mandanten, aber auch die öffent­liche Hand im öffent­lichen Bau- und im kommu­nalen Abgaben­recht berät. Der „Durchsatz“ sei hoch, erläutert der Rechts­anwalt: „Pro Tag laufen etwa 60 bis 80 Akten durch meine Hände.“ Für Referendare sei dies inter­essant, „weil sie so ganz viele kleine und mittlere Fälle bearbeiten können”. In der Regel könnten die Mandate dabei in 2–5 Monaten zum Abschluss gebracht werden. Gerichts­be­suche, Akten­ein­sichten bei Behörden, Arbeit an laufenden Mandaten in allen möglichen Konstel­la­tionen; aber auch formelle Schreiben, interne Vermerke oder das Formu­lieren von Anträgen auf einst­wei­ligen Rechts­schutz oder Klageentwürfen: „Der Referendar ist mein positiver Schatten“, sagt Stefan Tysper. Seit vielen Jahren leitet er Fortge­schrit­tenen- AGs am LG Bonn und OLG Köln, um den Nachwuchs fit für Examen und Berufs­ein­stieg zu machen. „Ich ermuntere die Referendare bei Redeker immer, sich an den Bespre­chungen zu betei­ligen; gehe mit ihnen direkt an die Front, damit sie von Beginn an mitbe­kommen, wie so ein Anwalts­leben läuft.“ Wie setze ich arbeitsökonomisch die Prioritäten richtig?

Eine Frage, mit der jeder Anwalt im laufenden Tages­geschäft ständig konfron­tiert ist; für Sven-Hendrik Schulze war sie ein fester Bestandteil der Ausbildung in Bonn. Allein die Zahl der Mandan­ten­gespräche, an denen er in dieser Zeit habe teilnehmen können, habe „locker im zweistel­ligen Bereich“ gelegen. Aufgrund seines Studien­schwer­punktes im Europa- und Völkerrecht und weil er die Kollegen in Bonn mit guten Leistungen beim „training on the job“ überzeugte, vermit­telte sein Ausbilder ihm die Möglichkeit einer Wahlstation im Brüsseler Büro. Dort vertritt die Kanzlei überwiegend deutsche Mandanten, die vor EU-Insti­tu­tionen auftreten. Mit sechs Berufsträgern Anwalts­station gern vor Ort, unter­scheide sich der Arbeits­ablauf dort deutlich von dem in Bonn, wo er klar einem Ausbilder zugear­beitet habe, berichtet Sven-Hendrik Schulze. In der EU-Haupt­stadt arbeitete man „mittelbar für den ausbil­denden Partner, aber auch für die übrigen Anwälte, sodass man mit unter­schied­lichen Leuten auch verschiedene Stile kennen­lernt“. In der Regel seien es großvolumige Mandate, die über Jahre liefen, wie die Rettung von Banken, Beihil­fe­ver­fahren oder Kartell­rechtss­trei­tig­keiten. Oft seien Vermerke oder Kurzgut­achten, „Memos“, für die Rechtsanwälte zu erarbeiten, die mittelbar für den Verkehr mit Mandanten, europäischen Insti­tu­tionen oder Gerichten genutzt würden. „Das ist schon spannend, wenn man sieht, was dabei später heraus­kommt“, sagt Schulze, „und man hat selber in irgend­einer Form – sei es auch nur im Kleinen – daran mitge­wirkt.“


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