Porträt

Steffen Ahrens: Standes­recht war gestern

„Was für ein antiquiertes Berufs­verständnis steckt denn hinter dieser Argumen­tation“, sagt Ahrens, der nicht etwa das Berufs­recht vom Kopf auf die Füße stellen will, aber kein Standes­recht will, das noch aus einer Zeit stammt, als Rechtsanwälte Akten­schrank um Akten­schrank mit Papier füllten. „Wir sind mobil, dienst­leis­tungs­ori­en­tiert, auf dem neuesten Stand, aber tun so, als wären wir mitten in den Achtzigern“, sagt Ahrens. „Und dann wünsche ich mir, dass man mich meinen Beruf einfach machen lässt.“

Hatte das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt nicht gerade erlaubt, dass Rechtsanwälte mit Apothekern und Ärzten gemeinsame Sache machen dürfen und entspre­chend fortschrittlich argumen­tiert, dass „die begrenzte Überschau­barkeit und zuneh­mende Komplexität moderner Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse zur Folge (habe), dass Rechts­fragen oft nicht ohne profes­sio­nellen Sachver­stand aus anderen Berufen ausrei­chend beant­wortet werden können?“ Und hatten die Richter nicht sogar gesehen, dass „die Nachfrage nach kombi­nierten inter­pro­fes­sio­nellen Dienst­leis­tungen wächst“?

Es gibt ein Foto, das Ahrens mit seinen Anwälten in Karlsruhe beim BGH zeigt. Die drei Männer schauen gelöst in die Kamera, Ahrens lächelt glücklich, obwohl er verloren hat. „Vor dieses Gericht kommt man ja nicht so oft“, sagt er heute trocken. Für den Moment liegt die „Das war schon immer so“-Fraktion noch eine Paragra­phenlänge vorne. Aber Ahrens ist erst Mitte vierzig und nimmt gerade richtig Fahrt auf. Das älteste seiner drei Kinder hat das Nest schon verlassen, die beiden anderen gehen aufs Abitur zu. Ahrens hat auch schon ein paar Ideen, wie er die nächsten Jahrzehnte im Beruf verbringen wird, will sich aber nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen. Einer wie Ahrens, der sich Zeit seines Lebens einge­mischt hat, geht nicht plötzlich auf den Golfplatz, um an seinem Handicap zu feilen.

Wenn Ahrens abschalten will, dreht er in seinem Tesla die Musik­anlage auf und lässt Iron Maiden, Metallica oder Slayer aus den Boxen dröhnen. Gut möglich, dass der eine oder andere Trecker­fahrer auf der B209 zwischen Ameling­hausen und Soltau regelmäßig von einem geräuschlosen Silber­pfeil überholt wird, an dessen Steuer der headban­gende und laut mitsin­gende Rechts­anwalt aus Bad Falling­bostel sitzt und für kurze Zeit das Arbeits­recht Arbeits­recht und das Sozial­recht Sozial­recht sein lässt. „Heavy Metal“, sagt Ahrens, der sich mit Mitte zwanzig die weit über die Schulter gewach­senen Haare abschneiden ließ, „Heavy Metal ist die fried­lichste Musik, die es gibt.“

 


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