AG Famili­en­recht

Wechselm­odell und elektro­ni­scher Hausfrie­dens­bruch

Eva Becker mit Dr. Katarina Barley

Die Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht war diesmal schon Wochen vor Beginn ausgebucht. Mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen im November nach Berlin, um sich mit Kolleginnen und Kollegen zu treffen, mit ihnen Erfahrungen auszutauschen und sich über wichtige Themen zu informieren und fortzubilden. Dr. Katarina Barley, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sprach ein Grußwort.

Großeltern und andere Mandanten

Welche Rolle spielen die Großeltern im Famili­en­recht? Wie kommen Mandant und Anwalt ins Gespräch? In zahlreichen Veran­stal­tungen der Herbst­tagung standen famili­en­recht­liche Themen auf der Tages­ordnung, mit denen die Anwälte sich im Alltag befassen: Ehebe­dingte Zuwen­dungen, Nutzungs­rechte an der Immobilie, Erbfolge in der Patchwork­fa­milie, Haftungs­ri­siken im Zugewinn, Versor­gungs­aus­gleich. Aber es ging auch um Fragen, die gesell­schaft­liche Veränderungen mit sich bringen. So entscheiden sich mehr geschiedene Eltern­paare, ihre Kinder im so genannten Wechselm­odell zu betreuten. Wer kommt in diesen Fällen für den Unterhalt auf? Auch der technische Fortschritt bringt neue Probleme mit sich: Wie kann man sich davor schützen, mithilfe von Spy-Software durch den Ex-Ehepartner ausspio­niert zu werden? Wie kann man dem elektro­ni­schen Hausfrie­dens­bruch vorbeugen?

40 Jahre Eherechtsreform

Das Gespräch mit Rechtsanwältin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit über den 40. Geburtstag der ersten Eherechtsreform war ein absoluter Höhepunkt der diesjährigen Tagung. Es war keine nüchterne Referentin, sondern eine engagierte Zeitzeugin, die dort sprach, das war sofort zu spüren. Beim Zuhören wurde es keine Sekunde langweilig, die Juristin erzählte lebhaft und anschaulich, wie sie als Richterin, Politikerin und schließlich als Rechtsanwältin das Familienrecht in den vergangenen 40 Jahren erlebt und mitgestaltet hat. Es war nicht nur ein Rückblick, sondern auch Bericht, Analyse und Plädoyer für ein besseres Familienrecht. Bis heute setzt sie sich für Eltern- und vor allem für Kinderrechte ein. Dieser besonders informative und unterhaltsame Programmpunkt der diesjährigen Herbsttagung zeigte auch gerade den jüngeren Anwältinnen und Anwälten, dass es sich lohnt, sich im Familienrecht gesellschaftspolitisch zu engagieren. Das Gespräch führte Rechtsanwältin Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht.

Besondere Herausforderungen

Die Heraus­for­de­rungen an die Famili­enanwältinnen und -anwälte nehmen zu, was auch mit der Situation an den Gerichten zusammenhängt. Während die Eingangs­zahlen im allge­meinen Zivil­recht seit 2000 um ein Drittel zurückgingen, sind die Zahlen im Famili­en­recht um ein Viertel gestiegen. Der große Einsatz der Famili­enanwälte wirkt sich für sie jedoch nicht unbedingt finan­ziell aus. Denn sie bearbeiten einen besonders hohen Anteil von Mandaten, die über die Verfah­rens­kos­ten­hilfe abgerechnet werden. Mit der Debatte um die besondere gesell­schafts­po­li­tische Verant­wortung und finan­zielle Situation der Famili­enanwälte in Deutschland und Europa endete die Herbst­tagung. Wie immer konnten für das kompakte Fortbil­dungs­pro­gramm namhafte Richter und Richte­rinnen der oberen Gerichte, Wissen­schaftler und renom­mierte Anwältinnen und Anwälte als Referenten gewonnen werden, so dass Praxis und Wissen­schaft gleichermaßen vertreten waren.

 


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