Internationales Wirtschaftsrecht

Wenn Grenzen überschritten werden … helfen Anwältinnen und Anwälte

Gute Anwälte wissen heute schon, welche Probleme ihre Mandanten morgen haben werden – und wo junge Anwältinnen und Anwälte eine Zukunft haben. Anwaltsblatt Karriere hat hauptsächlich Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaften im Deutschen Anwaltverein gefragt. Lesen Sie hier die Berichte bzw. Interviews.

Anwaltsblatt Karriere im Interview mit Rechtsanwalt Dr. Jan Curschmann, Hamburg

Was hat den Tätigkeitsbereich von Anwältinnen und Anwälten im Bereich Internationales Wirtschaftsrecht in den vergangenen fünf Jahren am meisten geprägt?

Zunächst ist zu klären: was bedeutet eigentlich „Internationales Wirtschaftsrecht“? Es geht dabei um die ganze Bandbreite grenzüberschreitender Transaktionen, vom Handelsgeschäft über den Anlagenbauvertrag bis zu gesellschaftsrechtlichen Verträgen einschließlich des zugehörigen Steuerrechtes, Kartellrechtes, um Compliance-Themen und vieles mehr, egal ob über Kontinente hinweg oder innerhalb der EU. Die Brüsseler Gesetzgebung gehört also auch dazu. Wobei: gemeint ist nicht nur das Recht im engeren Sinne, sondern auch das „soft law“ und interkulturelle Fähigkeiten. Denn beruflicher Erfolg beruht nicht nur auf Spezialisierung im rechtlichen Fachgebiet, sondern man sollte auch sprachlich versiert und mit allen Besonderheiten des Ziellandes oder Rechtskreises vertraut sein. Das hochgradig heterogene Arbeitsfeld des im internationalen Wirtschaftsrecht Tätigen war deshalb gerade die Schwierigkeit bei der Abfassung des Curriculum für den Fachanwalt „Internationales Wirtschaftsrecht“, den die Satzungsversammlung 2013 beschlossen hat. Sie ermöglicht den Kollegen und Kolleginnen jetzt erstmals, in qualifizierter Weise für ihre besonderen Kenntnisse zu werben. Das ist für mich das prägende Ereignis für alle im Bereich des „Internationalen Wirtschaftsrecht“ tätigen Anwältinnen und Anwälte: nutzen Sie diese Chance!

Was wird 2017 das bestimmende Ereignis werden?

Bestimmendes Ereignis des Jahres 2017 wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Brexit werden: Wann (und ob?) wird Großbritannien den Antrag nach Art. 50 EUV stellen? Welche Folgen wird das auf rechtlicher Ebene für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen britischen und kontinentaleuropäischen Unternehmen haben? Wie muss die Europäische Union sich neu ausrichten, um Folgeaustritten entgegenzuwirken? Als weitere spannende Zukunftsthemen sind zu nennen die im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr zunehmend wichtigere Compliance und – natürlich – die Herausforderungen an das Recht durch die digitale Wirtschaft.

Wagen Sie eine Prognose: Wie wird der Tätigkeitsbereich für Anwälte im Bereich Internationales Wirtschaftsrecht in fünf Jahren aussehen?

Der Trend geht – besonders im (grenzüberschreitenden) Transaktionsgeschäft – eindeutig in Richtung Standardisierung: ausgefeilte, auf alle denkbaren Fallkonstellationen zugeschnittene und fortlaufend aktualisiert abrufbare Vertragsmuster sind im Vormarsch und verdrängen die individuelle Beratung zunehmend. Das hat Folgen: Wirtschaftlich mag die Transaktionsberatung weiter interessant bleiben, rechtlich aber wird sie zunehmend weniger spannend werden. Aber es gibt ja viele andere Bereiche, deren Entwicklung erst begonnen hat: die Internationalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen – und damit entsprechender Rechtberatungsbedarf – schreitet ständig weiter voran.

Wo haben Berufsanfänger im Internationalen Wirtschaftsrecht die größten Chancen?


In allen Rechtsbereichen, die sich für Standardisierung nicht (oder kaum) eignen. Das ist sicher der gesamte Bereich des ITRechts, aber auch die Streitbeilegung. Letztlich lässt sich diese Frage aber nicht generell beantworten: ein Berufsanfänger, der in einer Großstadt lebt und auf eine Anstellung in einer internationalen Kanzlei hofft, muss sich anders ausrichten als ein(e) junge(r) Anwalt/Anwältin, der/die in einer grenznahen Kleinstadt lebt und sich auf die Rechtsberatung im Wirtschaftsverkehr mit dem Nachbarland spezialisieren möchte.


Zurück