Legal Tech

Wie Kanzleien und der DAV Legal Tech heute nutzen

Die Prüfung in Mandantenhand geben

Eine Effizienzsteigerung ist aber auch durch Produkte möglich, die den Mandanten direkt an die Hand gegeben werden. CMS Hasche Siegle bietet das IT-basierte Tool FPE (Fremdpersonaleinsatz) zur Einzelfallprüfung an. Dieses führt den Mandanten durch eine Datenabfrage und liefert eine Einschätzung, ob Aufträge des Mandanten als Werk- oder Dienstvertrag vergeben werden können. Der Mandant kann die Prüfung mit dem Tool selbst vornehmen und in uneindeutigen Fällen die Kanzlei konsultieren. Die Rechtsanwälte Dr. Frederik Leenen und Eric Loewenthal der Kanzlei CMS Hasche Sigle teilten auf den Legal Transformation Days am 19. Juni 2018 in Berlin Erfahrungen und Tipps aus der inhouse Entwicklung von Legal Tech-Anwendungen: „Die wichtigste Voraussetzung ist es, sich Raum für das Projekt zu schaffen und diesen freizuhalten.“ Bereits die Ideenfindung solle in interdisziplinären Teams sattfinden. Zudem sollten Ansprechpartner für einzelne Projektaufgaben bestimmt werden sowie ein Feedbacksystem etabliert werden.

Um die konkrete Idee mit Wissen zu unterfüttern, müssten vorhandene Datensätze struk­tu­riert erfasst werden. „Hierbei darf nicht in klassi­schen Verträgen gedacht werden. Das Wissen muss statt­dessen in kleinste Infor­ma­ti­ons­ein­heiten unter­teilt werden“, sagten die Anwälte. Für die Entwicklung von FPE konnte die Kanzlei auf die Ergeb­nisse tausender vormals händisch geprüfter Fälle zurückgreifen. „Aber gute Ideen lassen sich auch schon im Kleinen bestätigen“, sagte Leenen. Eine frühe Validierung durch Proto­typen sei ratsam. Danach müsste entschieden werden, wo und wie das Produkt sich in die Kanzleiabläufe einfügen und einen Mehrwert schaffen könnte. Beim anschließenden Businessplan sei zu berücksich­tigen, dass der Erfolg möglicher­weise erst in einigen Jahren spürbar sei und für diesen Zeitraum Budget und perso­nelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssten. Eine gelebte Projekt-Infra­struktur sorge dafür, dass die Projekt­fortführung nicht durch andere Alltags­auf­gaben verdrängt oder der Fokus auf den Nutzen des Produktes verloren werde.

Wissen zugänglich machen: Anwaltsblatt-Honorartool

Doch nicht nur Großkanzleien erproben derzeit die Möglichkeiten von Legal Tech. „Wir haben überlegt, wie wir unseren Mitgliedern Inhalte des Anwaltsblattes gezielt zugänglich machen können“, sagt Sabrina Reckin, Wissenschaftliche Referentin des DAV, im Interview. Als Ergebnis dieser Überlegung stellte der Deutsche Anwaltverein zum Anwaltstag 2018 das Anwaltsblatt-Honorartool online, das inzwischen auf einer Software des Legal-Tech-Unternehmen Bryter läuft. Dieses ermöglicht es Nutzern, durch die Beantwortung kurzer Fragen eine Übersicht über die Anforderungen einer wirksamen Vergütungsvereinbarung für das konkrete Mandat zu erhalten, basierend auf den Inhalten des Aufsatzes „Die Vergütungsvereinbarung des Rechtsanwalts“ von N. Schneider. „Ein Textbeitrag erhebt meist Anspruch auf Vollständigkeit – das bedeutet aber automatisch, dass Leser mehr Informationen erhalten, als sie in ihrer konkreten Situation benötigen“, sagte Reckin. „Das Honorartool gibt dem Nutzer stattdessen nur die für den jeweiligen Einzelfall relevanten Passagen und Zusatzinformationen aus.“


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