Zahlen zur Anwalt­schaft

Zukunft der Anwalt­schaft ist weiblich – Dennoch Benach­tei­ligung von Frauen

Die Anwaltschaft wird weiblicher, doch noch immer herrschen geschlechtsspezifische Unterschiede, besonders das Einkommen betreffend.

Verschiedene Untersuchungen haben die Anwaltschaft unter die Lupe genommen. Dabei zeigt sich, die Zukunft der Anwaltschaft ist weiblich. 2017 haben sich erstmals mehr Frauen eine Anwaltszulassung geholt als Männer wie das Soldan Institut auf dem Deutschen Anwaltstag berichtet hat.

Dennoch gibt es große geschlechts­s­pe­zi­fische Unter­schiede gerade beim Einkommen. Zahlen zur wirtschaft­lichen und beruf­lichen Situation der Anwalt­schaft (Star-Bericht 2018) weisen auf eine Benach­tei­ligung von Anwältinnen hin. Egal ob selbständig tätig, angestellt oder Syndici. Sie verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch die BRAK hat aktuelle Zahlen vorgelegt: Die kleine Mitglie­der­sta­tistik 2019 offenbart einen leichten Anstieg der Mitglie­der­zahlen insgesamt, aber auch erneut leicht sinkende Zahlen bei den nieder­ge­las­senen Anwältinnen und Anwälten. Und: Auch drei Jahre nach Verab­schiedung des Syndi­kus­ge­setzes erfreut sich der Syndi­kus­rechts­anwalt ungebro­chener Beliebtheit.

Anwältinnen machen lediglich 33,8 Prozent der Anwaltschaft aus. Aber ein Trend ist schon seit einiger Zeit sichtbar. Die Anwaltschaft wird weiblicher. 2017 wurden erstmals mit 52 Prozent mehr Frauen als Männer zugelassen. Dies offenbart eine aktuelle Studie des Soldan Instituts für Anwaltmanagement, die Prof. Dr. Matthias Kilian auf dem Deutschen Anwaltstag in Leipzig vorgestellt hat. Siehe dazu den Anwaltsblattbericht. Spitzenreiter ist danach der Kammerbezirk Thüringen mit 63,3 Prozent neu zugelassenen Anwältinnen.

Anwältinnen im Nachteil

Dennoch gibt es große geschlechts­s­pe­zi­fische Unter­schiede gerade beim Einkommen. Zahlen zur wirtschaft­lichen und beruf­lichen Situation der Anwalt­schaft (Star-Bericht 2018) weisen auf eine Benach­tei­ligung von Anwältinnen hin. Egal ob selbständig tätig, angestellt oder Syndici. Sie verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Das Institut für Freie Berufe (IFB) Nürnberg schaut sich regelmäßig im Auftrag der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) die berufliche und wirtschaftliche Situation von Anwältinnen und Anwälten an. Die Ergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2016 wurden mittlerweile veröffentlicht. Das Statistische Berichtssystem für Rechtsanwälte (STAR) hat sie in seinem aktuellen Bericht 2018 vorgestellt. Erhoben wurden nicht nur personenbezogene sowie auf die Kanzlei bezogene Daten zur wirtschaftlichen Situation selbständiger Anwältinnen und Anwälte. Auch die Situation der angestellten Anwältinnen und Anwälte, der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Syndikusrechtsanwältinnen und -anwälte wurde eingehend analysiert. 

Anwältinnen verdienen weniger als Anwälte

Ein roter Faden zieht sich durch den gesamten Star-Bericht: Es gibt nach wie vor große Unter­schiede der Einkom­mens­si­tuation zwischen Frauen und Männern.

Veröffentlicht wurden unter anderem Zahlen zu den durchschnittlichen persönlichen Honorarumsätzen selbständig tätiger Vollzeit-Anwälte. Traurige Gewissheit: Selbständige Anwälte erzielen mit 195.000 Euro deutlich höhere Umsätze als ihre weiblichen Kolleginnen, die nur 142.000 Euro einnehmen.

Der durchschnittliche persönliche Überschuss aus selbständiger Tätigkeit der Vollzeit-Anwälte lag bundesweit bei 104.000 Euro. Wohingegen Vollzeit-Anwältinnen nur 65.000 Euro an Gewinn einfuhren.

Weniger Honorar im Osten

Große Unterschiede bestehen nach wie vor aber auch bei einem Vergleich der im Westen und Osten tätigen Anwältinnen und Anwälte. Konnten Vollzeit-Rechtsanwälte in Westdeutschland einen durchschnittlichen Honorar-Umsatz von 209.000 Euro erzielen, (Vollzeit-Anwältinnen nur 155.000 Euro) gelang dies ihren männlichen Kollegen in Ostdeutschland nur  in Höhe von 152.000 Euro. Bei Vollzeit-Rechtsanwältinnen im Osten lag der durchschnittliche Honorarumsatz sogar nur bei 121.000 Euro. Diese Unterschiede zeigen sich gleichermaßen bei Analyse des persönlichen Überschusses für West- und Ostdeutschland.

Fachan­walts­titel führt zu mehr Honorar

Es verwundert nicht: Die Statistik offenbart zudem, dass der durchschnittliche persönliche Honorarumsatz nicht nur mit zunehmendem Alter (sprich größerer Berufserfahrung) steigt, sondern auch bei fachlicher Spezialisierung. Vollzeit-Fachanwälte erzielten mit 207.000 Euro mehr Honorarumsatz als Vollzeit-Anwälte ohne Fachanwaltstitel (181.000 Euro). Auswirkungen auf die Höhe des Umsatzes haben auch die Kanzleiform und der Kanzleisitz. Vollzeitanwälte in Sozietäten können mit durchschnittlich 242.000 Euro deutlich mehr Umsatz für sich verbuchen als ihre Kollegen in Einzelkanzleien (158.000 Euro). Und: je größer die Stadt in der sich die Kanzlei befindet, desto höher fällt auch der Honorarumsatz aus.


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