Haftpflichtfrage

Versi­che­rungs­schutz rund um Cyber

Regelmäßig nicht versi­chert sind Haftpflicht­ansprüche wegen Schäden aus der Erstellung, dem Handel, der Imple­men­tierung oder der Pflege von Software. Ebenfalls nicht versi­chert sind die IT-Beratung, IT-Analyse oder Ähnlichem oder auch für Schäden, die aus massenhaft versandten E-Mails, wie de Spamming stammen oder die mit wider­rechtlich erlangten Daten, z.B. aus der Verwendung von Cookies. Anders als in der Berufs­haft­pflicht­ver­si­cherung rechnet man üblicher­weise die Kosten als Leistung auf die Versi­che­rungs­summe an.

3. Cyber

Die Versi­che­rungs­wirt­schaft bietet verschie­dentlich sog. „Cyber-Produkte“ an. Die Cyber­schutz­ver­si­cherung ist eine Kombi­nation aus Dritt- und Eigen­scha­den­de­ckung Die Versi­cherer bieten hier Versi­che­rungs­schutz regelmäßig für reine Vermögensschäden. Schäden aufgrund von oder im Zusam­menhang mit Personen- und/oder Sachschäden sind damit nicht versi­chert. Dabei gelten dann aber die Daten und die Compu­ter­pro­gramme nicht als Sache und sind versi­chert.

Im Gegensatz zur Berufs­haft­pflicht­ver­si­cherung der Anwälte sind die Haftpflicht­ansprüche Dritter und die behördlichen Verfahren dann versi­chert, wenn innerhalb des versi­cherten Zeitraums oder einer sich daran anschließenden vertraglich verein­barten Nachhaf­tungs­frist erstmalig ein Anspruch oder eine Forderung geltend gemacht wird oder das Verfahren erstmalig schriftlich angezeigt ist, sog. claims-made-Versi­cherung wie in der D&O-Versi­cherung statt der Verstoßdeckung. Die Eigenschäden sind versi­chert, wenn erstmalig die Schäden festge­stellt sind. Gleiches gilt für die Service­leis­tungen des Versi­cherers, wenn foren­sische Dienst­leis­tungen gedeckt sind oder eine Krisen­kom­mu­ni­kation erfor­derlich ist, zum Beispiel wenn in den Medien erstmalig negativ berichtet wird.

Drittschäden sind versi­chert, wenn Daten­schutz­ge­setze oder Vertrau­lich­keits­an­for­de­rungen verletzt sind, das Netzwerk­system oder einzelne Computer der Kanzlei nicht mehr einwandfrei funktio­nieren oder auch die digitale Kommu­ni­kation beeinträchtigt ist. Eigenschäden sind versi­chert, wenn die Kanzlei wieder Daten oder Infor­ma­tionen wieder­her­stellen muss oder auch ggf. die Kanzlei erpresst wird, andern­falls bleiben ihre Computer blockiert. Versi­cherer bieten auch Versi­che­rungs­schutz für die Abwehr­kosten des Versi­cherten, wenn gegen ihn wegen einer Daten­schutz­ver­letzung ein Straf-, Ordnungs­wid­rig­keits- oder sonstiges behördliches Verfahren einge­leitet wird.

Der Deckungs­umfang der Cyber­schutz­ver­si­cherung ist grundsätzlich weitge­hender als der der üblichen Bürohaft­pflicht­ver­si­cherung. Der Versi­che­rungsfall ist bei der Bürohaft­pflicht das Schadener­eignis, zum Beispiel wenn die Person verletzt ist, während bei der Cyber-Deckung das claimsmade Prinzip gilt. Bei der Bürohaft­pflicht sind Vertrags­strafen nicht versi­chert, während die Cyber-Deckung auch Vertrags­strafen umfasst, wenn sie auf einem gesetz­lichen Haftpflicht­an­spruch beruhen. Die Betriebs­un­ter­bre­chung ist nur bei Cyber versi­chert, weil auch hier definierte Eigenschäden versi­chert sind. Die Bürohaft­pflicht kann nur Schäden von Dritten als Haftpflicht­ver­si­cherung decken. Die wichtige Wieder­her­stellung von Daten ist demzu­folge bei Cyber nicht nur dann versi­chert, wenn es sich um einen Dritt­schaden, sondern auch dann, wenn es sich um einen Eigen­schaden handelt. Daten Dritter sind in beiden Deckungen versi­chert, wenn sie unbrauchbar gemacht werden, verändert oder gelöscht werden. Nur Cyber beinhaltet aber auch die Absicherung der eigenen Daten, um zum Beispiel ein Mandat überhaupt führen zu können. Erpres­sungen sind nur bei Cyber versi­chert wie auch Abwehr­kosten bei behördlichen Daten­schutz­ver­fahren und auch die unzulässige Nutzung des Systems durch Mitar­beiter, wenn sie ihre Berech­ti­gungen in Schädigungs­ab­sicht überschreiten. Kosten von Sachverständen und Schadener­mitt­lungs­kosten als foren­sische Dienst­leis­tungen sind regelmäßig nicht in der Bürohaft­pflicht­ver­si­cherung enthalten, aber in der Cyber-Versi­cherung.


Zurück