Sozialrecht

Anna Gilsbach: Menschenrechtliches Engagement

Engagement hat viele Gesichter. Anwaltsblatt Karriere fragte Anna Gilsbach nach ihrem Dasein als Anwältin im Sozialrecht, ihrem sozialen Engagement und wie man davon als Anwältin leben kann.

Engagement hat viele Gesichter. Eines ist das von Anna Gilsbach, einer jungen Rechtsanwältin aus Berlin, die geschafft hat, was vielen misslingt: sich selbst treu zu bleiben. Wer sich auf den langen Weg zur Befähigung für das Richteramt macht, kann seine ursprünglichen Ideale aus den Augen verlieren. Klar, wer mit dem Recht als Waffe gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Armut kämpfen will, schwimmt nicht immer mit dem Strom. Doch wer es wagt, kann gewinnen. Nicht nur für sich selbst, sondern für andere. Anwaltsblatt Karriere fragte Anna Gilsbach nach ihrem Dasein als Anwältin im Sozialrecht, ihrem sozialen Engagement und wie man davon als Anwältin leben kann.

Warum sind Sie Anwältin geworden?

Noch in der Anwaltsstation im Referendariat habe ich gesagt, Anwältin werden:Niemals. Während meines Studiums und meines Referendariats wollte ich immer in einer Menschenrechtsorganisation arbeiten. Daraus ist dann eine Stelle im Dezernat „Menschenrechte und Internationales“ beim Deutschen Anwaltverein geworden. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass mir – überraschenderweise – die Arbeit mit dem Gesetz und das Subsummieren fehlen.

Was war der Auslöser, dann tatsächlich Anwältin zu werden?

Es hat sich ergeben. Ich hatte geglaubt, dass starke Organisationen Menschen rechte am besten durchsetzen könnten. Dann habe ich gemerkt, dass Menschenrechts - arbeit auch im Detail im ganz konkreten Fall stattfindet. Ich merkte, dass es mir einfach am ehesten liegt, auf einer Seite für einen Mandanten zu stehen und mich für ihn einzusetzen.

Soziales Engagement und Sozialrecht: eine wirklich zwingende Kombination?

Nein, überhaupt nicht [lacht]. Gar nicht.

Braucht Sozialrecht mehr Engagement als andere Rechtsgebiete?

Ich mache vor allem Sozialrecht und auch viel Asylrecht. Diese Gebiete brauchen Enga gement, weil die Mandanten doch oft recht existenzielle Probleme haben. Bei Hartz-IV-Fällen werden Leistungen gestrichen. Krankheit und Arbeitsunfälle können zu einem Bündel von Problemen führen, von der Krankenversicherung bis zur Erwerbs minderungsrente.Wenn dann noch psychische Probleme dazu kommen, können Mandanten schwierig und recht anstrengend werden, zumal wir hier am Sozialgericht Berlin eine Verfahrensdauer von ungefähr zwei Jahren haben. Bei mir sitzen öfter Menschen, die weinen.

Sozialrecht gilt als nicht profitabel. Richtig oder falsch?

Beides

Beides?

Sozialrecht ist ein großer Bereich. Es kommt darauf an, was man macht. Ob ich Menschen berate, die ein Problem mit dem Jobcenter haben oder Anstellungsverträge für GmbH-Geschäftsführer entwerfe, wo es darum geht: Soll der Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig oder  sozialversicherungsfrei tätig sein? Das macht natürlich einen Unterschied beim Honorar.

Wie spezialisiert sollte eine junge Anwältin, ein junger Anwalt im Sozialrecht sein?

Ich bin zwei Jahre dabei und habe mit allem im Sozialrecht angefangen, was kam. Jetzt bilden sich Spezialisierungen heraus: z.B. Krankenkassenrecht (SGB V). Seit März 2017 gibt es das Gesetz zu Cannabis auf Rezept. Die Krankenkassen lehnen reihenweise ab. Betroffen sind hier Mandanten, denen es teilweise gesundheitlich sehr schlecht geht. Außerdem arbeite ich noch gerne im SGB III (Arbeitsförderung), weil ich dann mit den Arbeitsrechtlern in der Bürogemeinschaft zusammenarbeite. Das gilt auch für das Rentenversicherungsrecht (SGB VI) und das Schwerbehindertenrecht (SGB IX). Die Schnittstelle Arbeits- und Sozialrecht ist für mich auf jeden Fall Thema.

Warum sollte sich eine Berufsanfängerin oder ein Berufsanfänger für das Sozialrecht begeistern?


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