Strafrecht

Dr. Jenny Lederer: Einzelanwältin im Strafrecht

Zuhören, Hinsehen, Verstehen wollen: Die Essener Rechtsanwältin Jenny Lederer verteidigt IS-Rückkehrer aus Syrien mit der gleichen Leidenschaft wie betrunkene Discoschlägerinnen aus dem Kölner Trash-TV-Milieu. In ihrem Alltag erlebt sie die Justiz als einen Ort, der aufmerksame Beobachterinnen braucht. Sie kann das, als Fußballerin. Lieblingsposition: Verteidigung.

Zuhören, Hinsehen, Verstehen wollen: Die Essener Rechtsanwältin Jenny Lederer verteidigt IS-Rückkehrer aus Syrien mit der gleichen Leidenschaft wie betrunkene Discoschlägerinnen aus dem Kölner Trash-TV-Milieu. In ihrem Alltag erlebt sie die Justiz als einen Ort, der aufmerksame Beobachterinnen braucht. Sie kann das, als Fußballerin. Lieblingsposition: Verteidigung.


Typische Jenny-Lederer-Sätze klingen so: „Ich passe mich nicht gerne an.“ „Mit dem Berufsverständnis von Kollegen stimme ich oft nicht überein.“ „Ich bin eine Einzelkämpferin.“ Laut gelesen sind das selbstbewusste Worte einer jungen Rechtsanwältin – nicht gerade versöhnlich, ziemlich provokant, trotzig vielleicht. Wenn Jenny Lederer sie aber ausspricht, leise, zögerlich manchmal, aber am Ende bestimmt, dann verlieren die Sätze ihren bedrohlichen Unterton. Sie werden zur einer freundlichen aber bestimmten Selbstbeschreibung, die das Ergebnis langen Nachdenkens ist, das vermutlich oft ins Grübeln reicht: So bin ich nun mal.


Jenny Lederer ist jetzt 34 Jahre, promovierte Juristin, Strafverteidigerin, Autorin wissenschaftlicher Aufsätze und weiß, wer sie ist und sein möchte. Sie geht mit dieser Haltung nicht hausieren, aber wenn nun mal jemand fragt, dann sind deutliche Sätze ihre Antwort. „Etwas anderes als Strafrecht hat mich nie interessiert“, sagt sie im gleichen Duktus. Ihre Begründung ist auf eine entwaffnende Art so persönlich und unjuristisch, dass sie selbst lachen muss: „aber nun – so ist es eben“, und sie kann nicht anders: „Ich kann mich fürs Zivilrecht schlicht nicht motivieren“, sagt sie, „ich kann nicht anders als zu denken: setzt euch doch zusammen und findet eine Lösung, was gibt es denn da groß zu streiten.“


Ehrliche Antworten dieser Art sind selten in einer Branche, in der Berufsanfänger gelernt haben, „sich für alles begeistern“ zu können, alle Rechtsgebiete gleichermaßen „hochspannend“ zu finden und Seite 1712 im Kommentar zum Steuerrecht „mit Interesse“ gelesen zu haben. In Wahrheit ist die Rechtswissenschaft zu komplex und sind die Berufe, die sie hervorbringt, zu unüberschaubar vielgestaltig, als dass jeder Student, Re ferendar oder Anfänger mit profunder Begründung sagen könnte, was er will und was nicht. Jenny Lederer sieht sich da nicht als Ausnahme. „Ein Job in einer Großkanzlei kam für mich nie in Frage, obwohl ich es nie ausprobiert habe“, sagt sie, „ein klassischer Fall von Ignoranz also.“ Lederer befürchtete, in „einem Hamsterrad zu landen“, dem sie dann nicht wieder entkommen könnte. „Irgendwas käme für mich da zu kurz“.


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