Erbrecht

Markt für Rechts­dienst­leis­tungen wandelt sich - auch im Erbrecht

Rechtssoftware und Künstliche Intelligenz (KI) mischen den Markt für Rechtsdienstleistungen auf. Doch nicht alle Rechtsfragen taugen für den Algorithmus. Erbrecht als Chance im Wandel?

Sie heißen „dasRecht“, „Smartlaw“ oder „Flight­right“ und haben sich für manch etablierten Rechts­be­rater zu veritablen Schreck­ge­spenstern entwi­ckelt. Gestützt auf Legal Technology (Legal-Tech), Software für Rechts­dienst­leis­tungen, bieten diese Firmen im Netz mitunter das recht­liche Standar­dre­per­toire kleiner, breit aufge­stellter Kanzleien für Verbraucher an. Ob Testament, Standard­vertrag für den Autokauf oder  Gründungs­un­ter­lagen für Gesell­schaften und Vereine. Im Zeitalter von Suchma­schinen, Algorithmus gestützten Vergleich­spor­talen oder Bewer­tungs­platt­formen im Netz, sind Legal-Tech-Startups nur eine kosten­lo­gische Konse­quenz der modernen Industrie und Konsum­ge­sell­schaften. Denn dort sind Produkte und Dienst­leis­tungen in der Regel Massenware geworden – standar­di­siert, beliebig oft repro­du­zierbar und damit auch nach einheit­lichem Muster (rück)abzuwi­ckeln.

Poten­tielle Kosten­falle?

Wer mit wenigen Klicks sein Alltags­problem zum Festpreis im Netz lösen kann, wählt kaum den klassi­schen Weg zum Anwalt. Ob Ansprüche bei Verspätungen oder Ausfall von Zug oder Flugzeug, Buchungs­stor­nie­rungen oder rechts­si­chere Kündigung – der Algorithmus übernimmt gern. Die Akquise von neuen Mandanten, so die bittere Wahrheit für viele Berufsträger, findet immer häufiger dort statt, wo diese ihre Rechts­fragen stellen: im Internet. Kosten­be­wusste Kunden, Trans­parenz bei Rechts­dienst­leis­tungen und hoher Wettbe­werbs­druck bedingen, dass sich herkömmliche Mandate – vom  Verkehrs­unfall bis zur Scheidung – für manche Kanzlei zur Kosten­falle entwi­ckeln. Gerade bei kleineren Mandaten ist es selten die juris­tische Arbeit, die die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Die Akquise des Mandats, das Erfassen des relevanten Sachver­halts, das Aushandeln des Honorars und die Verwaltung bis zur Abrechnung werden schnell teure Zeitfresser. Leistungs­starke Kanzlei­software ist daher opportun. Wer Wert auf Effizienz legt, nutzt heute PC und Smart­phone, er legt Akten elektro­nisch an, diktiert Schreiben vielleicht per Spracher­kennung und recher­chiert in Online-Daten­banken. Das verschlankt die Abläufe bei der Entschei­dungs­findung.

Doch die Digita­li­sierung könnte auch für Rechts­be­rater zum Jobkiller werden. Eine viel beachtete Studie der Boston Consulting Group mit dem Bucerius Law Center on the Legal Profession, zu der 50 Partner der umsatzstärksten Kanzleien Deutsch­lands befragt wurden, kommt zu dem Schluss, dass Legal-Tech-Software künftig 30 bis 50 Prozent der Aufgaben von Junior-Anwälten übernehmen könnten. Ganz von der Hand zu weisen ist die  Gefahr nicht. Gleichwohl bleibt Skepsis angebracht. Ein gutes Beispiel für die Grenzen von Technik bildet etwa das Erbrecht. Eine Materie, die aus  Sicht von Dr. Andreas Frieser, „im Ausbil­dungs­kanon nur ein Mauerblümchen-Dasein“ fristet. Zu Unrecht, wie der Vorsit­zende des Erbrechts­aus­schusses des Deutschen Anwalt­vereins findet. Vor allem das streitige Erbrecht sei angesichts der wirtschaft­lichen Bedeutung vieler Nachlass- und Nachfolge- Ausein­an­der­set­zungen in der Wirtschaft ein „lukra­tiver Nischen-Markt“. Großkanzleien haben Erbrecht meist nur am Rande anderer Rechts­ge­biete in ihrem Portfolio.


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