Einstellungsreport

IT-Recht und Syndi­kusanwälte

Und was können Sie außerdem?

Sowohl bei den Syndi­kusanwälten als auch im Bereich IT-Recht wird zunehmend nach spezia­li­sierten Bewerbern gesucht. Daher wählen die Kanzleien und Unter­nehmen nach breit gefächerten Kriterien aus, um den passenden Kandi­daten zu finden. Welcher Schwer­punkt wurde im Studium gewählt? Ist dieWahl der Stationen mit Bedacht erfolgt? Zeigt die Ausbildung schon eine Spezia­li­sierung? Mit welcher Geschwin­digkeit wurde das Studium absol­viert? Auch wenn die Examens­noten (vor allem der staat­liche Teil im ersten Examen) nur ein Indikator von vielen für das juris­tische Können sind, sind sie keineswegs unwichtig geworden. Besonders in den Großkanzleien wird auf die Punkte geschaut. Aber auch für gut die Hälfte der befragten Unter­nehmen sowie der kleinen und mittelständischen Kanzleien ist zumindest ein Prädikatsexamen „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“; zwei Prädikatsexamen erwartet nur etwa ein Viertel. Aber auch mit nur einem Prädikatsexamen hat eine Bewerbung in einer Großkanzlei gute Chancen, wenn ein Doktor­titel oder LL.M. vorge­wiesen werden kann, diese werden in den Großkanzleien meist genauso begrüßt wie ein zweites Prädikatsexamen. In den kleineren Kanzleien oder bei Syndi­kusanwälten stehen die Titel jedoch weniger hoch im Kurs, auch im Vergleich zu der Umfrage vor fünf Jahren. Auch wenn ein Doktor­titel noch in 20 Prozent der IT-Rechts­kanz­leien und Unter­nehmen ein höheres Einstiegs­gehalt bringt, wird er inzwi­schen seltener als „wichtig“ einge­stuft als ein LL.M. Gerade im Bereich IT-Recht und bei Syndi­kusanwälten wird nicht nach „Theore­tikern“ gesucht. Ein angehender IT-Rechtler kann mit techni­schem Verständnis oder Branchen­kenntnis eher punkten. Und bei jungen Syndi­kusanwälte wird darauf geschaut, ob sie bei kompli­zierten juris­ti­schen Erwägungen Aufwand und Ertrag im Auge behalten – und ihre Ergeb­nisse auch Nicht- Juristen verständlich vermitteln können. Denn Probleme werden in Unter­nehmen meist inter­dis­ziplinär gelöst. Teamfähigkeit ist also unerlässlich. Die Kommu­ni­ka­tionsfähigkeit der Absol­venten testen Arbeit­geber schon beim Bewer­bungs­gespräch. Hier haben kleine und mittelständische Kanzleien sowie Unter­nehmen klare Vorstel­lungen: Der Bewerber sollte nicht zu schüchtern sein, aber auch nicht zu selbst­sicher oder arrogant, er muss sich präsentieren können und der Lebenslauf sollte das wider­spiegeln, was der Bewerber von sich erzählt. „Um zu wissen, ob wir einen Selbst­dar­steller vor uns haben, schauen wir uns auch gern die Eigenpräsentation der Bewerber auf Facebook an“, sagt ein IT-Rechts­anwalt einer mittelständischen Kanzlei. Von Interesse ist aber nicht nur, wo sich der Bewerber im Netz aufhält, auch Auslands­auf­ent­halte vor, nach oder während des Studiums sind inter­essant. Etwa die Hälfte der befragten Kanzleien und Unter­nehmen hält diese für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Das passt zu einer fundierten Fremd­spra­chen­kenntniss „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Im Bereich IT-Recht haben „Sprach­kennt­nisse“ sogar weitere Bedeu­tungen: Es wird gern gesehen, wenn der Bewerber zumindest eine Program­mier­sprache beherrscht und aufgrund von Branchen­kennt­nissen bereits den IT-Sprech kennt, weil ein Neuein­steiger sonst „von der Fachter­mi­no­logie erschlagen werden“ könnte, wie eine IT-Anwältin formu­liert. Junge Anwältinnen und Anwälte sollen also je nach angestrebter Stelle eine ganze Reihe von weiteren Fähigkeiten und Quali­fi­ka­tionen mitbringen. Doch sind die Möglich­keiten, die die Unter­nehmen und Kanzleien den Berufsanfängern bieten, ebenso vielfältig?


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