Anwaltsausbildung

Pflicht­prak­tikum im Jurastudium: Voraus­set­zungen, Tipps und Prakti­kums­knigge

Junge Frau am Laptop: Heute schon Bewerbung geschrieben? Wir verraten euch, was ihr über das Pflichtpraktikum wissen solltet und geben euch Tipps zu Bewerbung, Gehalt und Co.

Bis zum Staatsexamen müssen alle Jurastudierenden drei Monate juristischer Praktika nachweisen. Eine richtige Vorbereitung auf die Pflichtpraktika gibt es an den meisten Universitäten allerdings nicht. Hier findet ihr deshalb alles, was ihr zum Pflichtpraktikum während eures Jurastudiums wissen solltet.

Das Pflicht­prak­tikum im Jurastudium als Chance begreifen

Um das richtige Praktikum zu finden, sollten sich Studie­rende eines bewusst machen: Das Praktikum bietet so viel Gestal­tungs­freiheit wie kaum ein anderer Bestandteil der juris­ti­schen Ausbildung. Junge Juris­tinnen und Juristen können Zeitpunkt, fachliche Richtung und Wunsch­ar­beit­geber frei wählen, nur einige Rahmen­be­din­gungen müssen beachtet werden, um die Anerkennung als Pflicht­prak­tikum sicher­zu­stellen. Bei so vielen Optionen kann die Entscheidung schon einmal schwer fallen. Doch wer vorab einige Fragen klärt, findet mit Leich­tigkeit einen passenden Prakti­kums­platz.

Die in den Prüfungsordnungen meist als „praktische Studienzeit“ bezeichneten Pflichtpraktika ermöglichen Studierenden realistische Einblicke in interessante Berufsfelder und Rechtsgebiete. Die Pflichtpraktika sind daher nicht nur Zulassungsvoraussetzung für das Erste Staatsexamen. Sie sind gleichzeitig Gelegenheit persönlichen Interessen nachzugehen und eigene Erwartungen einem Realitätscheck zu unterziehen. Ob bei der Staatsanwaltschaft, in einem Legal-Tech-Start-up oder im Praktikumsprogramm einer internationalen Großkanzlei – die Chance während des Studiums Praxisluft zu schnuppern sollte genutzt werden!

Damit das Jura-Praktikum anerkannt wird, muss es die Voraussetzungen der im Bundesland einschlägigen Prüfungsordnung erfüllen. Die Prüfungsordnungen der Länder schreiben teilweise konkrete Tätigkeitsfelder (z.B. innerhalb der landeseigenen Verwaltung, § 5 Abs. 1 HmbJAG; Stand. 2019) oder Rechtsgebiete (§ 25 Abs. 1 JAPO Bayern; Stand: 2019) vor. Die Dauer beträgt in ganz Deutschland drei Monate bis zur Anmeldung zum Staatsexamen (§ 5a DRiG; Stand: 2019). Diese können beispielsweise in Berlin frei aufgeteilt werden, beispielsweise, wenn die Gesamtzeit auf mehrere Stationen aufgeteilt werden soll. Ein einzelnes Praktikum sollte dabei aber eine Dauer von vier Wochen nicht unterschreiten (§ 6 Abs. 1 Nr. 7 JAG Berlin; Stand 2019). 

Einige Bundesländer schreiben darüber hinaus auch Rechts­be­reiche vor, die abgedeckt werden müssen oder sehen ein Pflicht­prak­tikum bei Gericht oder Verwal­tungsbehörden vor. In Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt können oder müssen zudem Gruppen­praktika absol­viert werden. Wer die Eckpunkte vor Augen hat, kann beginnen, sein Praktikum oder seine Praktika nach den indivi­du­ellen Vorstel­lungen zu planen.

Es lohnt sich also früh den Studienverlaufsplan der eigenen Universität zu studieren und sich mit den Voraussetzungen des zuständigen Justizprüfungsamts vertraut zu machen.

Keine Sorge: Mit voraus­schau­endem Blick auf Hausar­beiten und Zwischenprüfung gelingt die sinnvolle Integrierung der Praktika ins Jurastudium. Gerade in der Vorbe­reitung auf das Staats­examen sollte man die Vorbe­rei­tungszeit nicht zusätzlich mit mehreren Pflicht­praktika überladen. Besonders wenn in den Semes­ter­ferien Hausar­beiten anstehen, mag es für einige verführerisch sein, seine Zeit einfach „abzusitzen“, um sich so vermeintlich besser auf den Lernstoff zu konzen­trieren. Wer sich aber nur Beschei­ni­gungen ausfüllen lässt, schafft dadurch langfristig keinen Vor- sondern Nachteil. Kaum ist das Studium vorbei, sind Stationen im Referen­dariat festzu­legen und schon bald stehen Bewer­bungs­gespräche für den Start ins Berufs­leben an. Wer seine Fühler in verschiedene Richtungen ausge­streckt hat, kann eigene Fähigkeiten, Prioritäten und Ziele besser abschätzen und startet seine Karriere mit realis­ti­schen Vorstel­lungen.

Lebens­er­fahrung oder Lebenslauf?

Die wichtigste Frage bei der Entscheidung für einen Prakti­kums­platz lautet: Welche Erfah­rungen möchte ich sammeln? Man kann auf Stellen achten, die sich später kohärent in den Lebenslauf einfügen. Ein Praktikum bietet aber auch die Möglichkeit, Eindrücke aus Bereichen zu gewinnen, in denen man später gar nicht arbeiten möchte. Wie auch immer: Die Chance sollte genutzt werden, Praktikern über die Schulter zu schauen, Fragen zu stellen und vielleicht sogar mitzu­ar­beiten.

Was ist grundsätzlich beim Jura-Praktikum zu beachten?

Die Rahmen­be­din­gungen für das Pflicht­prak­tikum finden sich im jewei­ligen Ausbil­dungs­gesetz und unter­scheiden sich je nach Bundesland geringfügig. Um bei der Anerkennung der Praktika später keine böse Überra­schung zu erleben, sollte bereits zu Beginn des Studiums ein Blick auf die Details geworfen werden.

Das Praktikum muss bei einem Volljuristen in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden. Das kann bei Gericht, in einer Kanzlei, aber zum Beispiel auch bei der Europäischen Kommission oder in der Rechtsabteilung eines Unternehmens sein. Auch das Prüfungsamt der Uni kann bei Zweifeln erster Ansprechpartner sein. Bestehen Unsicherheiten bezüglich der Anerkennung, sollte man aber auch beim Justizprüfungsamt nachhaken. Am Ende wird schließlich hier entschieden, ob ein Praktikum die Zulassungsvoraussetzungen zur Ersten juristischen Prüfung erfüllt.

Bei der Anerkennung kann es zu Schwie­rig­keiten kommen, wenn man das Jura-Praktikum bei einem ausschließlich in der Lehre tätigen Juristen absol­vieren möchte. In diesem Fall sollte man sich vorher unbedingt beim Justizprüfungsamt des jewei­ligen Bundes­landes infor­mieren. Teilweise werden auch rechts­wis­sen­schaftlich ausge­richtete Studen­tenjobs – die auch während der Semes­ter­ferien ausgeübt werden – von den Prüfungsämtern als Prakti­kums­wochen anerkannt (zum Beispiel § 6 Abs. 2 JAG Berlin; Stand 2019). Auch hier sollte aber beim zuständigen Justizprüfungsamt erfragt werden, ob die Anerken­nungs­vor­aus­set­zungen im konkreten Einzelfall erfüllt sind.

Das liebe Geld - Gehalt für juris­tische Pflicht­praktika

Eine Vergütung ist auch in Zeiten des Mindestlohns für Pflichtpraktika nicht vorgeschrieben. Größere Kanzleien und viele Rechtsabteilungen vergüten ihre Praktikantinnen und Praktikanten oftmals trotzdem. Auch internationale Organisationen zahlen teilweise einen Zuschuss an ihre Praktikantinnen und Praktikanten. Das gilt insbesondere für Praktika im Ausland.

Wer einen Platz an einem beliebten Standort ergattern konnte, wird damit seinen Unterhalt vor Ort aber wahrscheinlich nicht decken können. Während eines Praktikums im Ausland kann der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung sinnvoll sein. Zumindest innerhalb der EU garantieren die heimischen Krankenkassen einen Mindeststandard an Gesundheitsversorgung. Identische Leistungen wie in Deutschland sind aber nicht garantiert.

Auch bei einem Praktikum im Inland bleibt die reguläre studentische Kranken- und Pflegeversicherungspflicht bestehen. In der Sozialversicherung gilt für Studierende Versicherungsfreiheit, solange es sich um ein vorgeschriebenes Pflichtpraktikum handelt. Etwas anderes gilt grundsätzlich nur, wenn ein Gehalt von über 445 Euro ausgezahlt wird, oder wenn die vorgeschriebene Praktikumsdauer von drei Monaten überschritten wird. Die zusätzliche Zeit wird dann wie ein freiwilliges Praktikum behandelt. Steuerpflichtig sind Studierende grundsätzlich nicht, solange ihr Einkommen pro Jahr insgesamt unter dem Grundfreibetrag von 9.168 Euro (Stand: 2019) liegt.


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