Ausbildung

Sind vier Punkte das Ende der Karriere?

Reicht ausreichend aus? Es gibt ihn immer noch, diesen besonderen Nimbus um die Examensnoten. Nichts garantiert den erfolgreichen Berufseinstieg, wie die magischen neun Punkte im Examen. Das glauben jedenfalls noch immer viele Studierende und Referendare.

 

Warum vier Punkte im Examen nicht das Ende der Karriere sind

Es gibt ihn immer noch, diesen besonderen Nimbus um die Examensnoten. Nichts garantiert den erfolgreichen Berufseinstieg, wie die magischen neun Punkte im Examen. Das glauben jedenfalls noch immer viele Studierende und Referendare. Dabei ist ein Prädikatsexamen allein heute kein Job-Garant mehr, ebenso wenig wie ein „nur“ ausreichendes Examen das Karriereende bedeutet. Tatsache ist, dass gerade die Anwaltschaft Nachwuchs braucht und zwar Nachwuchs, der wirtschaftlich denkt, teamfähig ist und praktikable Lösungen findet. Mit Nebil A., Katrin L., Lars G. und Julia W.* stellt Anwaltsblatt Karriere vier Juristinnen und Juristen vor, die auf unterschiedliche Weise bewiesen haben, dass ein Prädikatsexamen bei weitem nicht der einzige Weg zum beruflichen Erfolg ist. (* Alle Namen wurden von der Redaktion geändert)

Wie wichtig sind Examensnoten?

Nebil A.
„Die Note spiegelt nicht den Anwalt wieder.“

Heute weiß Nebil A.: „Die Note spiegelt nicht den Anwalt wieder.“ Seit acht Jahren betreibt er nun eine Kanzlei in einer niedersächsischen Kleinstadt. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Nebil kam als Kind eines türkischen Gastarbeiters nach Deutschland. Nach dem Abitur war Jura für ihn die erste Wahl, obwohl er nur „eine sehr diffuse Vorstellung davon hatte – sehr idealisiert“. Das Studium fiel ihm nicht leicht. „Ich hatte durchgehend Angst vor dem Nichtbestehen“, erzählt er. Nach intensiver Vorbereitung auf das erste Examen reichte es am Ende für sechs Punkte. Doch auch nach dem Examen wurde es nicht leichter. Nebil bekam keinen Referendariatsplatz. Daraufhin schrieb er sich für ein Zweitstudium ein. Nach drei Semestern bekam er schließlich doch eine Ausbildungsstelle zugewiesen. Während des Referendariats wollte er noch Richter werden, doch die Examensnoten machten ihm einen Strich durch die Rechnung. „Als ich meine Zulassung hatte, wusste ich erstmal nicht wohin. Im Referendariat bekam man keine richtige Orientierung“, erzählt er. „Eine Anstellung kam nicht infrage. Ich wollte mir nichts mehr sagen lassen.“ Also wurde Nebil A. Existenzgründer. Angefangen hat er mit nicht mehr als einem Laptop und einem Schreibtisch, den ihm ein Rechtsanwalt in seinen Räumen zur Verfügung stellte. Das Gewinnen von Mandanten gehörte nicht zu seinen Startschwierigkeiten. Schnell sprach sich in der Umgebung rum, dass es jetzt einen türkisch- und arabischsprachigen Anwalt gab. „Ich wurde gleich mit Mandaten zu geschmissen.“ Das eigentliche Problem war die anwaltliche Arbeit. Einen Schriftsatz schreiben konnte er. „Doch wie macht man das mit den Kosten? Wie schreibt man eine Rechnung? Das musste ich mir alles selbst beibringen.“ Heute bearbeitet Nebil schon mal 200 Akten pro Jahr. Unfassbar viel verdient er nicht, doch er ist zuversichtlich:„Ich bin noch völlig in der Entwicklung drin, auch nach acht Jahren“, sagt er und führt weiter aus: „Was einen Anwalt ausmacht, lernt man erst in der Praxis: Das Auftreten, die Hingabe. Ich merke in meiner täglichen Arbeit nicht, dass ich nur ein Ausreichend habe.“ Seiner Meinung nach liegen Arbeitgeber, die nur auf die Noten schauen, daneben. Für einen Anwalt zählen auch andere Fähigkeiten.

Katrin L.
„Die Richter dachten, so richtig pfiffig ist sie nicht.“


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