Einstellungsreport

Erbrecht, Steuer­recht und Sozial­recht

Anwaltspersönlichkeit: Mehr als die Summe von Qualifikationen

Der Anteil von Studierenden, „die Steuerrechtsanwalt“ als Traumberuf angeben, ist deutlich geringer als in manch anderem Rechtsgebiet. Auch Erb- oder Sozialrecht zählen nicht unbedingt zu den Arbeitsfeldern, die von jungen Juristen als besonders „schick“ oder lukrativ empfunden werden. Gerade deshalb ist es den Kanzleien besonders wichtig, dass sich die Bewerber schon während der Ausbildung ein genaueres Bild gemacht haben. Was im Studium noch ein nebensächlicher Blick auf eine Bilanz ist, kann im Alltag für den Mandanten beträchtliche Summen bedeuten. Denn hier zahlt sich die Kenntnis der Rechtslage im wahrsten Sinne aus.

Bei Sozialrechtsfällen denken viele zunächst an Hartz IV-Mandate, die sich in der Praxis in der Tat kaum rentieren. Doch das macht nur einen Teil der Arbeit im Sozialrecht aus. Wesentlich lukrativer ist beispielsweise der Tätigkeitsschwerpunkt Rentenversicherung, der sich durch die Zusammenarbeit mit Medizinrechtlern ausbauen lässt. Es ist also kaum verwunderlich, dass die kleinen und mittelständischen Kanzleien „Bereitschaft zur Spezialisierung und Weiterentwicklung“ allen formalen Kriterien voran stellen. Für die Großkanzleien sind vollbefriedigende Examina ein Muss, für die Hälfte der kleinen und mittelständischen Kanzleien im Erbrecht bleiben sie entscheidend, im Sozialrecht schauen gerade einmal 14 Prozent darauf. Ebenso ist der in den Großkanzleien als Fremdsprachennachweis an Bedeutung gewinnende LL.M. nur für knapp 10 Prozent der kleinen und mittelständischen Kanzleien interessant. Weitaus wichtiger sind den Kanzleien Sprachkenntnisse, einschlägige Referendariatsstationen oder ein bereits abgeschlossener Fachanwaltslehrgang. Dieser bringt Bewerbern besonders im Sozialrecht Vorteile, Fachanwälte werden hier händeringend gesucht. Berufserfahrung ist im Erbrecht bei der Bewerbung nicht notwendig, im Steuerrecht bevorzugen die Kanzleien hingegen Kandidaten, die sich schon etwas mit dem Anwaltsberuf vertraut gemacht haben. Aber auch hier ist die „Neugier auf Neues“ wichtiger als das bisher Erlernte. Die Kanzleien wünschen sich einen mathematischen Faible, wirtschaftlichen Sachverstand und den nötigen Biss. Im Erbrecht ist es ähnlich. „Der perfekte Bewerber ist kreativ, einsatz- und leistungsbereit, sowie offen für den Austausch unter Kollegen“. Empathie und souveränes Auftreten sind im Umgang mit Mandanten in schwierigen Situationen ebenfalls wichtig, das gilt auch für das Sozialrecht. Hier brauchen Anwältinnen und Anwälte außerdem ein „dickes Fell“, da man die Fälle oft als Einzelkämpfer angehen muss. Selbst ein nur ausreichendes Examen wäre dann kein Hinderungsgrund, gerade einmal 10 Prozent der Bewerbungen im Sozialrecht würden hierdurch ein Ende finden, im Erbrecht wären es immerhin 44 Prozent.


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