Einstellungsrepot

Verwal­tungs­recht, Umwelt­recht und Agrar­recht

Wo wird besonders dringend nach anwaltlichem Nachwuchs gesucht? Welche Voraussetzungen sollten engagierte Bewerber mitbringen? Durch welche Qualifikationen lässt sich ein hohes Einstiegsgehalt erzielen? Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Bewerbers? Im aktuellen Report erläutern Anwältinnen und Anwälte offen, worauf es bei einer Einstellung ankommt. Der Report im Agrarrecht, Umweltrecht und Verwaltungsrecht schließt sich an den Report aus dem Sommersemester 2010 an.

Man muss nicht alles wissen, man muss wissen, was man will – und was die Kanzleien wollen. Dabei sollte klar sein, dass Verwal­tungs­recht, Umwelt­recht und Agrar­recht nicht alles eins sind. Sowohl die Mandanten als auch die recht­lichen Schwer­punkte und Arbeits­weisen unter­scheiden sich. Wer das Spiel der Bürokratie beherrscht, kann im Verwal­tungs­recht auf Sieg setzen. Mit politi­schen und techni­schen Entwick­lungen Schritt zu halten, ist eine Voraus­setzung, um im Umwelt­recht Fuß zu fassen. Im Agrar­recht gilt es, die Welt mit den Augen der Landwirte zu sehen und ihre prakti­schen Probleme juris­tisch zu lösen. Wer seine Stärken und Inter­essen früh kennt und fördert, kann gezielt die Aufmerk­samkeit der Kanzleien wecken.

Die Kanzleien schauen nicht nur auf die Examens­noten, sondern vor allem auf die Stationen im Lebenslauf. Zwar wünschen sich die Großkanzleien Bewerber mit Prädikatsexamen, schätzen aber ebenso eine Promotion oder einen LL.M. als Nachweis weiter­ge­hender juris­ti­scher Fähigkeiten. Die kleineren Kanzleien hingegen richten ihr Augenmerk auf fachs­pe­zi­fische Schwer­punkte in der Ausbildung und eine klare Linie, die die Bereit­schaft zur Spezia­li­sierung im jewei­ligen Rechts­gebiet signa­li­siert. Denn auch die Kanzleien, wissen, wen sie suchen: engagierte Bewerber, die sich bewusst für den jewei­ligen Fachbe­reich und die Kanzlei entscheiden. Sie setzten vor allem auf eine langfristige Zusam­men­arbeit.

Es muss nicht immer extra­vagant sein

Was bietet das Verwal­tungs­recht außer den Struk­turen der VwGO? Eine ganze Menge, denn das Verwal­tungs­recht dient immer auch der Verwirk­li­chung der Grund­rechte. Anwälte stehen an der Schnitt­stelle von Bürger und Staat, sie vermitteln – und kämpfen, wenn es sein muss. Die notwen­digen rechts­dog­ma­ti­schen Kennt­nisse wollen viele Kanzleien durch eine intensive Ausein­an­der­setzung mit einer juris­ti­schen Frage­stellung bestätigt sehen, 50 Prozent der befragten Kanzleien im Verwal­tungs­recht ist daher eine Promotion wichtig. Im Umwelt­recht spielt der Doktor­titel eine geringere Rolle, doch Kanzleien, die ihn voraus­setzen, zahlen auch ein entspre­chend höheres Gehalt. Zudem erwarten 60 Prozent aller befragten Kanzleien im Umwelt­recht ein Prädikatsexamen. Dass gleich beide Examen mit mindestens neun Punkten abgelegt wurde, ist für Umwelt­rechtler wichtiger, als für Agrar­rechtler. Dafür stören sich aber auch nur ein Drittel der umwelt­rechtlich orien­tierten Kanzleien an nur ausrei­chenden Examina, wohin­gegen diese für 84 Prozent der Verwal­tungs­rechts­kanz­leien das „Aus“ der Bewerbung bedeuten, sofern die Bewerber diese nicht durch andere Quali­fi­ka­tionen ausgleichen können.

Der von den Großkanzleien so gern gesehene LL.M. ist für die kleinen und mittelständischen Kanzleien jedoch keine Alter­native. Wenn überhaupt, wird Ausland­ser­fahrung als Blick über den Tellerrand verstanden, ein ausländischer Abschluss ist nicht erfor­derlich. Sprach­kennt­nisse sind für 44 Prozent der Kanzleien wichtig, neben Englisch sind skandi­na­vische Sprachen oder auch einmal regionale Dialekte inter­essant. Für die Hälfte der im Agrar­recht befragten Kanzleien ist der noch junge Fachanwalt im Agrar­recht eine gern gesehene Quali­fi­kation. „Die Mandanten im Agrar­recht erkennen die Kompetenz der Anwältin und des Anwalts voll an, wenn er die nötigen Quali­fi­ka­tionen mitbringt und vertrauen Ihnen. Das macht die Zusam­men­arbeit sehr angenehm“, sagt Rechtsanwältin Mechtild Düsing, Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft Agrarecht des Deutschen Anwalt­vereins. Einen Fachanwalt für Umwelt­recht gibt es noch nicht. Daher finden dort 70 Prozent der Kanzleien einschlägige Stationen im Referen­dariat wichtig oder sehr wichtig und schauen auch auf die Wahlfächer aus dem Studium. Verwal­tungs-, Umwelt- und Agrar­recht sind also Rechts­ge­biete, bei denen auch der klassische Weg ans Ziel führt.

Die Agrar­rechtler suchen Nachwuchs

Kanzleien inves­tieren in inter­es­sierten Nachwuchs. Im Schnitt suchen 60 Prozent der befragten Kanzleien Verstärkung für das Jahr 2016 (egal in welchem Rechts­gebiet). Auffällig: Besonders im Agrar­recht wird händeringend nach anwalt­lichem Nachwuchs gesucht. Nachdem hier in den vergan­genen zwei Jahren so gut wie nicht einge­stellt wurde, wünscht sich gut die Hälfte der Kanzleien junge Agrar­rechtler für ihre Kanzlei. Im Umwelt­recht haben Berufs­ein­steiger besonders gute Chancen, nur 17 Prozent der Kanzleien finden Berufs­er­fahrung wichtig und die überwie­gende Mehrheit hält Umwelt­recht für ein gutes Einstiegs­gebiet. Auch das Verwal­tungs­recht bietet sich gerade für Berufsanfänger an und viele Kanzleien planen eine Vergrößerung in diesem Bereich. „Die Materie kann von Berufs­ein­steigern gut erfasst werden, da das Studium meist eine solide Grundlage bildet“, sagt ein Anwalt einer westdeut­schen mittelständischen Kanzlei.

Ein Einstieg im Agrar­recht ist hingegen schwie­riger: Zwar ist bei den Absol­venten des zweiten Staats­ex­amens noch die notwenige Bandbreite an juris­ti­schen Wissen präsent, die Detail­fragen des Agrar­rechts kommen in der Ausbildung aber oft zu kurz oder gar nicht vor. Daher bieten manche Kanzleien die Möglichkeit, die prakti­schen Kennt­nisse während der Arbeitszeit zu sammeln: „Wir kennen viele Betriebs­in­haber und bieten unseren Berufs­ein­steigern neben der recht­lichen Aus- und Weiter­bildung die Möglichkeit, in den Betrieben die tägliche Praxis und Zusammenhänge zu erfassen“, sagt Rechts­anwalt Dr. Falk-Rembert von Eickstedt aus Verden. Unabhängig vom Tätigkeitsfeld haben sich vier von fünf Kanzleien innerhalb der letzten fünf Jahre vergrößert. Dabei wollen 90 Prozent der befragten Kanzleien ihre Mitar­beiter langfristig binden und suchen nach zukünftigen Partnern. Der Weg in die Partner­schaft dauert im Verwal­tungs- und Umwelt­recht durch­schnittlich etwa drei bis fünf Jahre, im Agrar­recht etwas länger. Um auf die Bedürfnisse der jungen Bewerber einzu­gehen, bieten zwei Drittel der Kanzleien im Umwelt­recht schon feste Teilzeit­mo­delle für Partner an, im Agrar und Verwal­tungs­recht werden indivi­duelle Lösungen für den Einzelfall gesucht. Die Kanzleien wissen, dass die Rechts­ge­biete auch vom Interesse der jungen Bewerber leben. So haben junge Anwältinnen und Anwälte, die bei fachlicher Spezia­li­sierung flexibel auf aktuelle Entwick­lungen im jewei­ligen Rechts­gebiet reagieren können, derzeit gute Chancen auf dem Anwalts­markt.

Nachge­fragt: Umwelt­recht für Berufsanfänger bei Menold Bezler

Im Gespräch mit Rechtsanwältin, Dipl.-Verwal­tungs­wirtin (FH) Verena Rösner, Stuttgart

Menold Bezler gehört zu den Top 30 Kanzleien in Deutschland. Durch regelmäßige Neuein­stel­lungen bietet die Kanzlei jungen Anwältinnen und Anwälten Chancen für den Berufs­ein­stieg in einer mittelständischen Kanzlei. Anwalts­blatt Karriere befragte Rechtsanwältin Verena Rösner, Partnerin mit Schwer­punkt im Bereich Umwelt- und Planungs­recht, zu den Perspek­tiven für inter­es­sierte Juris­tinnen und Juristen in diesem Bereich. Menold Bezler konkur­riert auf dem Markt um die besten Bewerber sowohl mit den Großkanzleien als auch mit anderen mittelständischen Kanzleien. Um quali­fi­zierte Berufsanfänger für sich zu gewinnen, lockt im Umwelt- und Planungs­recht ein Einstiegs­gehalt von 65.000 bis 75.000 Euro plus Bonus. Bei der Auswahl ihrer Anwältinnen und Anwälte setzt die Kanzlei vor allem auf die Persönlichkeit. Natürlich spielen auch die Examens­er­geb­nisse eine Rolle, wobei in der Regel die Note vollbe­frie­digend erwartet wird. Ein Doktor­titel oder LL.M. sind zwar kein Muss, wirken sich aber positiv auf das Einstel­lungs­gehalt aus. Unabdingbar sind hingegen Teamfähigkeit, Aufge­schlos­senheit und die Bereit­schaft, sich in ein großes Team mit anspruchs­vollen Mandaten einzu­bringen. Bei ihren Mitar­beitern ist die Kanzlei immer auf der Suche nach zukünftigen Partnern, es gibt aber auch alter­native Karrie­rewege. Rechtsanwältin Rösner sieht im Umwelt- und Planungs­recht gute Entwick­lungsmöglich­keiten für Berufsanfänger, vor allem wenn die jungen Anwältinnen und Anwälte während ihrer juris­ti­schen Ausbildung diesen Bereich schon vertieft haben. Das Erstellen von anspruchs­vollen Gutachten, beispiels­weise zum Arten­schutz, die Zusam­men­arbeit mit externen Beratern und die komplexe Bearbeitung großer Projekte im Team machen die Tätigkeit im Umwelt- und Planungs­recht bei Menold Bezler besonders reizvoll.


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