Anwaltshaftung

Verjährung - auf die Kenntnis kommt es an!

Wann aber darf man davon ausgehen, dass der Mandant solchermaßen Kenntnis hat? Können Dritte diese Kenntnis im noch laufenden Mandat vermitteln? Weiß also der Mandant schon dann, dass er Schadenersatzansprüche gegen seinen Anwalt hat, wenn der Gegner die Einrede der Verjährung erhebt oder muss dazu zumindest ein Gericht über die Verjährungsfrage im für ihn negativen Sinne entschieden haben? Dem BGH genügt nicht einmal dies, wenn der Anwalt in einem solchen Fall dem Mandanten zur Fortsetzung des Rechtsstreits, sprich zur Einlegung der Berufung, rät (BGH, AnwBl 2014, 359). Der Mandant muss mindestens erkannt haben, dass er in irgendeiner Form mangelhaft vertreten wurde und er deshalb einen Schaden erlitt. Der BGH stellt das Vertrauen, das der Mandant dem Anwalt gegenüber in der bestehenden Beratungssituation entgegenbringt, über dessen vielleicht berechtigte Zweifel. Der Mandant mag zwar in einem Urteil lesen, dass seine Forderungen verjährt sind oder dass ein bestimmter Vortrag verspätet vorgebracht wurde; solange ihm sein Anwalt erläutert, dass diese Auffassung falsch und zu bekämpfen sei, hat der Mandant nach Ansicht des BGH noch keine ausreichende Kenntnis. Wird das Merkmal der Kenntnis gerade im noch laufenden Mandat derart restriktiv ausgelegt, kann es natürlich leicht dazu kommen, dass die Regressverjährung mangels Kenntnis lange nicht zu laufen beginnt. Daher darf man in diesem Zusammenhang nie § 199 Abs. 3 Nr. 1 BGB aus dem Auge verlieren. Die Kenntnis spielt demnach dann keine Rolle mehr, wenn seit dem Zeitpunkt der Schadenentstehung 10 Jahre vergangen sind. Es handelt sich dabei nicht um eine Jahresendverjährung, sondern diese 10 Jahre rechnen taggenau! Hat der Mandant nun nach Eintritt der Verjährung von Schadenersatzansprüchen gegen seinen Anwalt endgültig seine Forderung verloren? Nicht zwingend, denn oft hat er sich ja wegen der Verfolgung dieses Anspruchs an einen weiteren Anwalt gewandt, dem der Eintritt der Verjährung wieder zugerechnet werden ann. Dann heißt es also für den Mandanten: „Gehe zurück auf Los!“ Solche Regressketten kommen gar nicht so selten vor, was auch zeigt, dass Verjährungsfragen in der Ausbildung eher unterrepräsentiert sind. In der Praxis ist der sichere Umgang damit eminent wichtig.


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