Teilzeit

Flexible Arbeits­zeit­mo­delle

Anfang 2017 brachte der Bundesrat einen Gesetzentwurf für eine Änderung des Deutschen Richtergesetzes in den Bundestag ein.

Es begann alles so vielver­spre­chend: Anfang 2017 brachte der Bundesrat einen Gesetz­entwurf für eine Änderung des Deutschen Richter­ge­setzes in den Bundestag ein. Ziel sollte es sein, den Ländern die Einführung eines Teilzeitre­fe­ren­da­riats zu ermöglichen. Auch die Bundes­re­gierung stand dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Eigentlich hätte nichts mehr schief gehen können, doch die Legis­la­tur­pe­riode endete ohne Abstimmung. Soll es das gewesen sein? Für Anwalt­schaft, Justiz und Unter­nehmen ist Teilzeit längst kein Fremdwort mehr. Insbe­sondere Kanzleien werben immer häufiger mit flexiblen Arbeits­zeit­mo­dellen.

Doch was im juris­ti­schen Berufs­alltag bereits selbst­verständlich ist, hat die Juris­ten­aus­bildung bisher nicht erreicht. Dabei ist das Rechts­re­fe­ren­dariat schon ohne zusätzliche Verpflich­tungen eine Heraus­for­derung. Stati­ons­arbeit, Arbeits­ge­mein­schaften und das ewige Lernen sind nicht nur zeitauf­wendig sondern auch kräftezehrend. Jedoch kann der Vorbe­rei­tungs­dienst zu einer echten Belastung werden, wenn es gilt, nebenbei ein Kind zu versorgen oder sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Famili­en­freund­liche AG-Zeiten und entge­gen­kom­mende Stati­ons­aus­bilder und Ausbil­de­rinnen können das Examen nicht retten, wenn am Ende keine Zeit für Nachbe­reitung und Klausuren schreiben bleibt.

Die Einführung des Teilzeitre­fe­ren­da­riats wäre ein Schritt in die richtige Richtung, um der Doppel­be­lastung entgegen zu wirken. Auch für Katharina Zeit* wäre es eine deutliche Erleich­terung. Wenn sie im nächsten Jahr ihr Referen­dariat in Berlin beginnt, ist ihr Kind ein knappes Jahr alt. „Mit etwas mehr Flexi­bilität könnte ich alles besser unter einen Hut kriegen.“ Katharina ist kein Einzelfall. Bei einer E-Mail Befragung des Gemein­samen  Juris­ti­schen Prüfungsamts der Länder Berlin und Brandenburg unter 2.800 Referen­da­rinnen und Referen­daren sowie Bewer­be­rinnen und Bewerbern  kam heraus, dass rund sieben Prozent der Befragten Interesse an einem Teilzeitre­fe­ren­dariat aus familiären oder gesund­heit­lichen Gründen hätten. In einer weiteren Umfrage der Landes­jus­tiz­ver­wal­tungen unter bundesweit 1.100 Referen­da­rinnen und Referen­daren mit Kindern gaben 20 Prozent an, sie hätten sich für die Teilzeit entschieden, wenn die Möglichkeit bestanden hätte. Die Zahlen zeigen: Der Bedarf ist da.

Die Lehrer haben es bereits vorge­macht: In einigen Bundesländern, darunter Berlin, Nieder­sachsen und Schleswig-Holstein, kann das Lehramts­re­fe­ren­dariat bereits in Teilzeit absol­viert werden. Selbst eine Ausbildung ist bei einem berech­tigten Interesse des Azubis häufig in Teilzeit möglich. Warum nur tun sich die Juristen so schwer damit?


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