Juristenausbildung

Das Jurastudium entschlacken: aber wie?

Die Kritik an der Juris­ten­aus­bildung nimmt zu. Die Stofffülle soll wieder einmal entschlackt werden. Aber wie bloß, wenn alles wichtig ist?

Das Jurastudium ist reformbedürftig. Darauf können sich fast alle einigen. Fraglich ist nur, wie eine solche Optimierung der Prüfungs­in­halte konkret aussehen sollte. Während der durch die Justiz­mi­nis­ter­kon­ferenz einge­setzte Koordi­nie­rungs­aus­schuss zur bundes­weiten Verein­heit­li­chung der Juris­ten­aus­bildung auf eine Kürzung des Pflicht­stoffs für das erste und zweite Staats­examen hinar­beitet, sehen Experten darin eine Gefahr für die Berufsfähigkeit junger Juristen. Eine mögliche Reduzierung der Inhalte sei zwar durchaus sinnvoll, dürfe jedoch nicht auf Kosten juris­ti­scher Kernkom­pe­tenzen gehen. Besonders die geplante Strei­chung des Inter­na­tio­nalen Privat­rechts aus dem Pflicht­stoff­kanon wird scharf kriti­siert, es drohe die „Provin­zia­li­sierung der deutschen Juris­ten­aus­bildung“. Der DAV sieht hier auch ein Problem. Angesichts  zuneh­mender Inter­na­tio­na­li­sierung und globaler Verknüpfungen in fast allen Rechts­ge­bieten sollten junge Juris­tinnen und Juristen mit grenzüberschrei­tenden Sachver­halten umzugehen lernen. Aller­dings: Eine Reduzierung des Pflicht­fach­stoffes scheint für den DAV unumgänglich.

 Auch das einjährige Schwer­punkt­studium, das bisher zu 30 Prozent, bald nun wohl nur noch zu 20 Prozent, in die Examensnote eingeht,  steht in der Kritik, nicht die bei seiner Einführung erhoffte Profi­lierung der Studie­renden zu bewirken, sondern vielmehr eine unnötige Zäsur in der Vorbe­reitung auf die weitaus wichtigere Staatsprüfung darzu­stellen. Zwar bietet der Schwer­punkt Gelegenheit für die vertiefte Ausein­an­der­setzung mit einen selbstgewählte Rechts­gebiet in einer kleineren Lerngruppe. Eine besonders von juris­ti­schen Berufsverbänden gefor­derte Berufs­ori­en­tierung wird dadurch jedoch nicht erreicht. Die Forde­rungen des DAV nach einer stärkeren Integration von anwalt­lichen Lehrin­halten in das Studium, sei es in Form von „Moot Courts“, „Law clinics“ oder Vorträgen  von Praktikern, sind ebenfalls erneut an den Koordi­nie­rungs­aus­schuss heran­ge­tragen worden. Sicher ist: Das Thema wird bald wieder auf der Tages­ordnung der Justiz­mi­nis­ter­kon­ferenz stehen.


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