Erasmus, LL.M. und der Brexit

Bye, Bye Britain - macht der Brexit alles neu?

Das Verei­nigte Königreich: beliebtes Ziel vieler Juristen und Juris­tinnen, um im Rahmen von Erasmus, einem LL.M. oder der Wahlstation Ausland­ser­fahrung zu sammeln und die Englisch­kennt­nisse aufzu­po­lieren.

Macht der Brexit alles neu?

Großbritannien hat nicht nur erstklassige Universitäten zu bieten, sondern London ist auch eine Anwalts­haupt­stadt ersten Ranges. Im Gegensatz zu den meisten anderen englisch­spra­chigen Ländern brauchten EU-Studie­rende bisher keine Visa, zahlten nur die gerin­geren Inländer-Studiengebühren und mussten sich keine Gedanken über die Anerkennung ihres briti­schen Abschlusses machen. Doch damit könnte bald Schluss sein. Wenn sich der politische Wind nicht doch noch um 180 Grad dreht, wird das Verei­nigte Königreich im März 2019 die Europäische Union verlassen. Wie die Konse­quenzen des Brexits genau aussehen, kann bis zum Abschluss der Austritts­ver­hand­lungen niemand mit Sicherheit vorher­sagen. Dass auf Studie­rende neue Hürden zukommen werden, ist jedoch wahrscheinlich.

Was wird aus Erasmus?

Bisher war ein Erasmus­auf­enthalt die günstigste Variante, um in Großbritannien zu studieren. Studiengebühren entfielen und oben drauf gab es noch einen kleinen Mobilitätszuschuss. Sowohl an der Humboldt-Universität zu Berlin als auch an der Freien Universität Berlin gehören britische Universitäten noch ein Erasmus­auf­enthalt möglich sein. Die Verträge der Freien Universität Berlin mit den briti­schen Partne­ru­ni­versitäten laufen sogar noch bis zum Ende der Erasmus-Förderpe­riode im akade­mi­schen Jahr 2020/2021. Mit einer vorzei­tigen Kündigung rechnen sie momentan noch nicht. Doch in Zeiten des Brexits könne man nichts ausschließen.

Wie beeinflusst der Brexit das LL.M.-Studium?

Natürlich steht es auch nach dem Brexit zu den belieb­testen Zielen von Jurastu­die­renden. Wer die Vorteile von Erasmus noch für einen Auslands­auf­enthalt in England, Schottland, Wales oder Nordirland nutzen möchte, sollte sich aller­dings beeilen. Für das angebro­chene akade­mische Jahr 2017/2018 gab es noch Erasmusplätze und auch im Studienjahr 2018/19 sollte trotz drohendem Brexit jedem frei, sich auf einen der begehrten LL.M.-Plätze an briti­schen Universitäten zu bewerben. Immerhin richten sich die Kurse überwiegend an ausländische Studie­rende. Neben der möglichen Einführung einer Visapflicht könnte der Brexit aller­dings zu einer Erhöhung der Studiengebühren führen. Bisher mussten Master­stu­die­rende aus der EU lediglich die Studiengebühren für „home students“, also britische Studie­rende zahlen, anstatt der deutlich höheren Gebühren für inter­na­tionale Studie­rende.

Ob es nach dem Brexit eine eigene Kategorie für EU-Ausländer geben wird oder diese einfach zu den inter­na­tio­nalen Studie­renden gezählt werden, ist noch offen. Für das akade­mische Jahr 2018/19 versi­cherten das Department of Education und das Department for Business, Energy and Indus­trial Strategy jedoch, dass EU-Studie­rende weiterhin nur die Inländer-Studiengebühren zahlen müssten. Ebenso könnten sie noch Studien­kredite erhalten, selbst wenn das Studium erst nach dem Brexit beendet wird. Wer durch­starten kann, für den könnte das Studienjahr 2018/2019 für einen LL.M. an einer briti­schen Universität günstig sein.

Und nach dem Brexit die Sintflut?

Auch wenn der Brexit neue Hürden mit sich bringen könnte: Die europäische Studen­ten­mo­bilität wird er nicht beenden. An der Freien Universität geht man davon aus, dass künftige Austausch­pro­gramme mit dem Verei­nigten Königreich ähnlich ausge­staltet werden, wie jene, die derzeit mit Partne­ru­ni­versitäten außerhalb des Erasmus­pro­gramms bestehen: Man erlasse sich gegen­seitig die Studiengebühren. Auf den Mobilitätszuschuss aus der Erasmusförderung müssten Studie­rende aber zukünftig verzichten. Dennoch lohnt sich auch weiterhin ein Auslands­auf­enthalt im Verei­nigten Königreich. Und vielleicht kommt alles doch noch ganz anders. In Zeiten des Brexits ist nur sicher, dass nichts sicher ist. //


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