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Antworten von Dr. Wolfram Theiss, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Erbrecht

Warum sollte sich junge KollegInnen auf das Erbrecht spezialisieren?

Das Tätigkeits­gebiet des Erbrechts­an­walts ist ausge­sprochen vielfältig und reicht von der Regelung der Vermögensnach­folge zu Lebzeiten, die bei der Unter­neh­mens­nach­folge besonders anspruchsvoll ist, über die Testa­ments­ge­staltung bis zur Begleitung von Erbaus­ein­an­der­set­zungen. Mit einer Spezia­li­sierung auf diesen Bereich betritt man ein spannendes und vielsei­tiges, aber auch sehr anspruchs­volles Terrain. Die erbrecht­lichen Themen sind eng mit dem Famili­en­recht, Steuer- und Gesell­schafts­recht, aber auch mit betriebs­wirt­schaft­lichen Kompo­nenten verknüpft. Zudem gibt es wohl kaum ein anderes Rechts­gebiet, das von mehr Emotionen geprägt ist als das Erbrecht. Auf unsere jungen Kolle­ginnen und Kollegen warten spannende Mandate, die sie auch in persönlicher Hinsicht reifen lassen werden.

Wie wird sich das Erbrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Die in Politik und Wirtschaft disku­tierten Themen machen auch vor unserem über 100 Jahre alten Erbrecht nicht Halt. Zudem wird nicht nur unser Alltag, vielmehr werden auch die Nachlässe immer inter­na­tio­naler. Auslandsvermögen, insbe­sondere Ausland­sim­mo­bilien, berei­chern die Beratung. EU-Verord­nungen aus Brüssel führen zu grund­le­genden Änderungen; sie wirken auch auf die Erbrechts­be­ratung ein. Fragen wie beispiels­weise die, welche Auswir­kungen der „Brexit“ auf das Erbrecht haben wird, insbe­sondere auf die Verscho­nungs­op­tionen für Unter­nehmen im Zusam­menhang mit dem Erbschaft- und Schen­kung­steuer, oder ob uns bald eine erneute Reform des Erbschaft­steu­er­rechts bevor­steht, halten das Rechts­gebiet lebendig. Und natürlich ist auch die Digita­li­sierung im Erbrecht angekommen. Neben dem Thema „Digitaler Nachlass“ beschäftigt uns die Frage, ob und inwieweit künstliche Intel­ligenz uns als Berater ersetzen kann, ferner, wie wir sie zur Erleich­terung unserer Arbeit einsetzen können.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im Erbrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Die Gestaltung der Vermögensnach­folge oder die streitige Erbaus­ein­an­der­setzung ist eine elementare Heraus­for­derung im Leben eines Menschen. Ihn dabei zu begleiten, erfordert ein erheb­liches Einfühlungsvermögen. Denn nur wenn der Berater versteht, was den Mandanten bewegt, vermag er ihm auch die richtigen Empfeh­lungen zu geben. Neben der Empathie benötigt der Berater auch Verhand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungsvermögen, oftmals auch gegenüber dem Mandanten.