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Antworten von Ruth Nobel, Vorsit­zende vom Forum Junge Anwalt­schaft

Wo hat der Nachwuchs die besten Chancen?

Allgemein lässt sich zunächst festhalten, dass der juris­tische Nachwuchs derzeit in nahezu allen Berufs­be­reichen exzel­lente Einstiegs- und Berufs­chancen hat, weil der demogra­phische Wandel dazu geführt hat, dass viele Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden können.

  • Existenzgründer

Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, muss damit rechnen, dass insbe­sondere die ersten Jahre schwierig und kräftezehrend sind. Durch­halten muss oberste Maxime sein. Insofern bedarf es eines beson­deren Typs Jurist, der es vermag, mit Anlauf­schwie­rig­keiten und Existenzängsten umzugehen. Wie allen selbständigen Tätigkeiten ist auch die Berufsausübung als selbständiger Rechts­anwalt oder als Rechtsanwältin gewissen Schwan­kungem unter­worfen. Wenn man es dann jedoch geschafft hat, ist der Beruf als selbständiger Rechts­anwalt, als selbständige Rechtsanwältin inter­essant und erfüllend. Die eigenständige Gestaltung der Berufsausübung mit vielen Vorteilen und wenigen Nachteilen wollen die wenigsten selbständigen Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen dann missen.

  • Angestellter Rechtsanwalt, angestellte Rechtsanwältin in einer Kanzlei

Wer mit den oben geschil­derten Risiken und Ängsten nicht umzugehen vermag oder dies nicht möchte, dem bietet die Möglichkeit einer Berufsausübung in Anstellung einen sicheren Einstieg in das Berufs­leben. Die Anstellung bietet ein sicheres monat­liches Einkommen ohne wirtschaft­liche Risiken. Natürlich haben die wenigsten Kolle­ginnen und Kollegen fortwährend ein Interesse daran im Angestell­tenverhältnis zu verharren, sondern sie wünschen sich ein weiteres Fortkommen bis hin zur Partner­schaft in einer Sozietät. Erfolgt eine solche Karrie­re­ent­wicklung im Angestell­tenverhältnis, geht mit der Partner­schaft auch eine wirtschaft­liche Verpflichtung einher.

  • Syndikusrechtsanwalt

Im Unter­schied zum zuvor beschrie­benen angestellten Rechts­anwalt ist ein Syndi­kus­rechts­anwalt ausschließlich für ein Unter­nehmen als Jurist tätig und in die Unter­neh­mens­struktur einge­bunden. Hier bieten sich für junge Kolle­ginnen und Kollegen gute Verdienstmöglich­keiten und ein gesichertes Einkommen.

  • Anwaltsnotariat

Auch im Anwalts­no­tariat bestehen für junge Kolle­ginnen und Kollegen gute Berufs­chancen. Beachtet werden muss jedoch dabei, dass eine Tätigkeit als Anwalts­notar/Anwalts­no­tarin an einige Voraus­set­zungen geknüpft ist und man nicht in allen deutschen Bundesländern eine Tätigkeit als Anwalts­notar ausüben kann. Nur im Bereich des Anwalts­no­ta­riats können Anwälte neben dem anwalt­lichen Beruf auch ein Notari­atsamt besetzen. Des Weiteren muss vor der Ausübung eine fünfjährige anwalt­liche Tätigeit nachge­wiesen werden. Eine gewisse anwalt­liche Grunder­fahrung ist folglich zwingende Voraus­setzung für das Anwalts­no­tariat.

Als weitere Zugangs­vor­aus­setzung, ist die erfolg­reiche Absol­vierung der notari­ellen Fachprüfung gegeben. Die Besetzung der Notar­stellen im jewei­ligen Amstge­richts­bezirk erfolgt anhand der Besten­auslese.

Erfüllt man alle oben genannten Voraus­set­zungen haben junge Kolle­ginnen und Kollegen derzeit gute Chancen eine Stelle als Anwalts­notar zu erlangen.

Wie kann der Nachwuchs die ersten fünf Berufsjahre überstehen?

Egal ob in selbständiger Tätigkeit oder in einem Angestell­tenverhältnis gilt es, als Berufsanfänger den hohen Belas­tungen stand zu halten, durch­zu­halten und nicht die Nerven zu verlieren. Da es verständlicher­weise zu Beginn der Tätigkeit an Berufs­er­fahrung fehlt, ist man zunächst häufig praktisch überfordert. Alle Tätigkeiten benötigen zunächst mehr Zeit, um die fehlende Routine auszu­gleichen. Berufs­er­fahrung muss man erlernen. Dabei ist es in den ersten Berufs­jahren von unschätzbarem Wert, wenn man auf die Einschätzung und Expertise von älteren Berufs­kol­legen zuzückgreifen und bauen kann.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Mit Erlangung des zweiten Staats­ex­amens ist das juris­tische Wissen der jungen Kolle­ginnen und Kollegen so breit aufge­stellt wie bei keinem der bereits im Berufs­leben tätigen Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen. Im Laufe der anwalt­lichen Tätigkeit spezia­li­sieren sich Anwälte zumeist auf einige Rechts­ge­biete. Es mangelt den Berufsanfängern jedoch fast vollständig an prakti­scher Erfahrung. Das Studium und Referen­dariat bereiten nicht auf die Praxis vor. Beruf­liche Erfahrung muss man sich sukzessive erarbeiten.

Daneben benötigen junge Kolle­ginnen und Kollegen, insbe­sondere wenn sie den Weg in die Selbständigkeit wagen, ein buchhal­te­ri­sches, steuer­liches und wirtschaft­liches Grund­verständnis. Der Mangel einer solchen Quali­fi­zierung wird häufig unterschätzt. Auch ein berufs­recht­liches Grund­verständnis ist sinnvoll, damit man sich in den ersten Berufs­jahren nicht berufs­rechtlich fehlerhaft verhält.