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Antworten von Prof. Dr. Burkhard Binnewies, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Handels- und Gesell­schafts­recht

Warum sollte sich der Nachwuchs für das Handels- und Gesellschaftsrecht begeistern?

Das Handels- und Gesell­schafts­recht ist für Nachwuchs­ju­risten nach wie vor hoch attraktiv. Es handelt sich um ein vielsei­tiges Rechts­gebiet, in dem sich ganz unter­schied­liche „Berater­typen“ verwirk­lichen können. Das Handels- und Gesell­schafts­recht bietet sich sowohl für den gestal­tenden Berater als auch für den Foren­siker an. Der Schwer­punkt der gestal­tenden Beratung im Gesell­schafts­recht liegt in der Beratung zur Rechts­formwahl sowie der Ausge­staltung der Gesell­schafts­verträge in der jewei­ligen Rechtsform. Gegen­stand ist insbe­sondere aber auch der nationale und inter­na­tionale Unter­neh­menskauf in all seinen Facetten. Die Unter­scheidung zwischen „beratendem Handels- und Gesell­schafts­rechtler“ und „strei­tigem Handels- und Gesell­schafts­rechtler“ stellt eine Weichen­stellung dar. Innerhalb dieses Rechts­ge­biets findet häufig eine Spezia­li­sierung im Hinblick auf die streitige bzw. nicht­streitige Beratung statt. Dies bietet für den jungen Juristen trotz Spezia­li­sierung auf ein Rechts­gebiet die Chance zu einer ausge­sprochen inter­essanten und vielsei­tigen Tätigkeit.

Wie wird sich das Handels- und Gesellschaftsrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Wie andere Rechts­be­reiche auch, wird das Handels- und Gesell­schafts­recht in den nächsten Jahren „europäischer“ werden. Daneben wird die Digita­li­sierung voran­schreiten. Stumpfes Abarbeiten von Standard­pro­zessen im Rahmen einer "due diligence" beispiels­weise wird künftig automa­ti­siert werden. Anderer­seits braucht der Handels- und Gesell­schafts­rechtler keine Angst vor legal tech zu haben, da die Beratung im Einzelfall hoch indivi­dua­li­siert ist.

Was brauchen Anwältinnen und Anwälte im Handels- und Gesellschaftsrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Im Handels- und Gesell­schafts­recht werden der „kreative Gestalter“ ebenso gebraucht wie der „sorgsam abwägende Gutachter“. Der klassische Streit­anwalt steht neben dem konsen­s­ori­en­tierten Mediator. Für all die Facetten der Beratung ist ein gutes Verständnis für wirtschaft­liche Zusammenhänge, aber auch für zwischen­mensch­liche Beziehung, erfor­derlich. Beides lernen die jungen Kolle­ginnen und Kollegen in der anwalt­lichen Praxis.