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Antworten von Jörn Weitzmann, Vorsit­zender der ARGE Insol­venz­recht und Sanierung

Warum sollte sich der Nachwuchs auf das Insolvenzrecht spezialisieren?

Das Insol­venz­recht ist eine besonders anspruchs­volle, abwechs­lungs­reiche und intensive Materie. Kein Beruf ist insol­venzfest. Insol­venz­recht ist eine „Querschnitts­ma­terie“. Die Tätigkeit im unter­neh­me­ri­schen Insol­venz­recht erfordert vertie­fende, wirtschaft­liche, gesell­schafts­recht­liche und steuer­liche Kennt­nisse, um diese dann zur richtigen insol­venz­recht­lichen Anwendung zu bringen. Die Tätigkeit im Insol­venz­recht ist regelmäßig „projekt­be­zogen“, das heißt es gibt in der Regel keine Dauer­man­danten.

Wie wird sich das Insolvenzrecht in den nächsten 5 Jahren wandeln?

Das Insol­venz­recht befindet sich in einem massiven Umbruch. Seit 2003 hat sich die Zahl der Unter­neh­mens­in­sol­venzen halbiert, die freien Massen sind deutlich zurückgegangen, die Zahl der Bewerber um Insol­venz­ver­fahren hat deutlich zugenommen, die Anbieter von Fortbil­dungs­kursen etc. preisen das Gebiet als „lukrativ“ an, während in der Branche zahlreiche Marktaustritte, Schrump­fungen von Insol­venz­ver­walterbüros  etc. zu verzeichnen sind. Durch die EU-Richt­linie zum präventiven Restruk­tu­rie­rungs­rahmen wird unter dem Deckmantel der europäischen Harmo­ni­sierung eine Regle­men­tierung des Berufs­bilds angestrebt; auch im Koali­ti­ons­vertrag gibt es entspre­chende Regelungen. Die Entwicklung ist durch die anste­henden Änderungen des Gesetzes zur weiteren Erleich­terung der Sanierung von Unter­nehmen (ESUG), des präventiven Restruk­tu­rie­rungs­rahmens und des gefor­derten beson­deren Berufs­rechts in hohem Maße in der (strei­tigen) politi­schen Diskussion.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im Insolvenzrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Insol­venz­recht ist Kolli­si­ons­recht; das heißt es gibt von allem zu wenig. Regelmäßig fehlt es an Zeit, Geld und Vertrauen. Deshalb findet eine „Beordnung“ nach den Regeln der Insol­ven­z­ordnung (InsO)  statt. Im Insol­venz­ver­fahren werden rechts­tech­nisch Verluste verteilt. Die will niemand haben. Deshalb wird teilweise eine sehr intensive, finten­reiche Ausein­an­der­setzung um den Kehrwert, die sogenannte Masse, geführt. Hier verlangt es eine gute physische und psychische Konsti­tution/Charakter und die Bereit­schaft sich immer wieder in neue Themen­ge­biete einzu­ar­beiten, um mit wirtschaft­licher Weitsicht und recht­lichem Augenmaß eine „Beordnung“ vornehmen zu können.