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Antworten von Dr. Astrid Auer-Reins­dorff, Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft IT-Recht (davit)

Warum sollte sich der Nachwuchs auf das IT-Recht spezialisieren?

Eine Spezia­li­sierung auf das IT-Recht ist auch langfristig ein Garant für eine vielfältige und spannende anwalt­liche Tätigkeit. Die Digita­li­sierung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten in allen Lebens- und Geschäftsbe­reichen etabliert und stellt zahlreiche herge­brachte Grundsätze des sozialen Mitein­anders sowie der Vertrags­ge­staltung und Business­mo­delle in Frage. Das IT-Recht ist breit angelegt und bietet daher sowohl die Möglichkeit als Generalist Start-Ups und KMU umfassend zu allen IT-recht­lichen Bezügen zu begleiten als auch sich wiederum einen Aspekt besonders heraus­zu­greifen. Hier kommen insbe­sondere Schwer­punkte im Daten­schutz­recht, Straf­recht, Verga­be­recht, Vertrags- und Lizenz­recht, Vertriebs­recht im B2B und B2C sowie an den Schnitt­stellen zum Urheber­recht und Marken­recht in Frage.

Im Hinblick auf die anwalt­liche Beratung und Vertretung von Verbrau­chern bieten sich im Zuge der Legal Tech Entwick­lungen auch für die Anwalts­kanz­leien skalierbare Mandats­be­ar­bei­tungen an, d.h. Beratungen können standar­di­siert und doch zugleich indivi­duell erfolgen, ohne dass die Privat­person sich einem quasi unübersicht­lichen Kosten­risiko ausge­setzt sieht und dem gewohnten Modell „you get what you see“ bei der Entscheidung für das Beratungs­an­gebot folgen kann. Dies wiederum eröffnet den IT-Fachanwälten einen Beratungs­be­reich in der Anwalt­schaft und bei Legal Tech Unter­nehmen.

Wie wird sich das IT-Recht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Die Anfor­de­rungen und Frage­stel­lungen an die IT-Fachanwälte sind seit je her vielfältig und flexibel. Seit den Anfängen der IT-recht­lichen Beratung im stark Hardware basierten Markt, über die vermehrt Software geprägten Geschäftsmo­delle ist die IT-Rechts­be­ratung heute bestimmt von komplexen Fragen zu Cloud-Lösungen und nutzer­ge­trie­benen Anwen­dungsfällen. Durch den Wandel des Beratungs­um­feldes von wenigen großen Playern der Hardware- und Softwa­re­branche hin zu sich schnell entwi­ckelnden Angeboten bleiben IT-Fachanwälte agil. Agilität ist auch das Stichwort, welches mehr und mehr den Beratungs­markt prägen wird. Aufsetzend auf eine solide Basis des Vertrags­rechts, des Urheber­rechts sowie des Daten­schutz­rechts wird sich die Spezia­li­sierung in der Beratung diver­si­fi­zieren und laufend neu erfinden. Dies ergibt sich auch aus dem inter­na­tio­nalen Umfeld, in und aus dem heraus die Digita­li­sierung Einzug in alle Unter­nehmen, die Verwaltung sowie alle gesell­schaft­lichen Bereich hält. Die IT-Fachanwälte werden dabei zu Beratern in einem Wandlungs­prozess, der für viele Unter­nehmen ein disrup­tives Element aufweist. Hier gilt es bei den Mandanten recht­zeitig dahin gehend zu beraten, dass die IT-techni­schen und –recht­lichen Rahmen­be­din­gungen geschaffen werden einschließlich des Anwerbens von Fachper­sonal. Typisch für den IT-Rechts­be­ra­tungs­markt ist, dass spezia­li­sierte Boutiquen stark am Markt sind und Unter­nehmen diese Frage­stel­lungen oftmals nach außen in die Anwalt­schaft quasi auf die „verlängerte Werkbank“ geben, zumal in den letzten Jahren die Nachfrage an IT-Rechtlern größer ist als die Anzahl des IT-Rechts­nach­wuchses.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im IT-Recht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Sofern sich die KollegInnen nicht schon im Studium mit den Rechts­ge­bieten des Urheber­rechts, Daten­schutz­rechts und mit den Aspekten des Inter­na­tio­nalen Wirtschafts­rechts befasst haben, besteht hier Nachhol­bedarf bei dem Erwerb von Rechts­kennt­nissen. Selbst­verständlich ist ein techni­sches Grund­verständnis hilfreich, viel wichtiger ist aber die Fähigkeit technik­ge­triebene Geschäftsmo­delle und Beschrei­bungen von Vertrags­in­halten in die Rechtss­prache zu übersetzen. Erfolg und Misserfolg in Vertrags­ver­hand­lungen gleichermaßen wie in Gerichts- und/oder Schieds-/Schlich­tungs­ver­hand­lungen können besonders davon abhängen, ob es gelingt für den IT-Laien schwer zu greifende Sachver­halte verständlich darzu­stellen und so manchmal beste­hende gedank­liche Hürden zu überwinden.

Je nach Spezia­li­sierung innerhalb des IT-Rechts und der Zusam­men­setzung des Mandan­ten­kreises ist ein branchen­nahes Auftreten sowie das Beherr­schen der digitalen Arbeits- und Hilfs­mittel unabdingbar. Hierzu gehört in der Beratung auch, sich selbst und mögliche Lösungswege effizient zu präsentieren.

Wegen der Inter­na­tio­nalität der Sachver­halte ist Englisch oftmals Vertrags­sprache oder Sprache der Nutzungs­be­din­gungen und Angebots­be­schrei­bungen.