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Antworten von Beate Heilmann, Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeits­ge­mein­schaft Mietrecht

Warum sollte sich der Nachwuchs auf das Mietrecht spezialisieren ?

Die Beschäftigung mit dem Mietrecht ist nicht nur für den jungen "Einsteigeranwalt" lohnenswert. Entgegen landläufiger Meinung handelt es sich um eine sehr komplexe und anspruchsvolle Rechtsmaterie, welche einem äußerst schnellen Wandel in Gesetzgebung und Rechtsprechung unterliegt und zudem in erheblichem Maße auch von den technischen Entwicklungen beeinflusst wird. Letzteres gilt nicht nur für die Belange der Energieeffizienz, sondern aktuell insbesondere auch für die Digitalisierung der Wohnungs- und Gebäudewirtschaft mit Smart Home, Smart Buildung oder auch den AAL-Technologien (AAL = „Ambient Assisted Living"). Das Mietrecht bietet ein sehr weites Spektrum an Problem- und Fragestellungen, die sich keineswegs etwa nur auf die Bearbeitung von Mieterhöhungen oder Nebenkostenabrechnungen beschränken. Beispielsweise mit der Vorbereitung von Modernisierungsmaßen und der anwaltlichen Begleitung der Durchführung der Maßnahmen gehen regelmäßig vielfältige Probleme einher, die eine sehr sorgfältige Rechtsprüfung und Umsetzung der notwendigen rechtlichen Schritte unter Berücksichtigung in der Regel sehr enger zeitlicher Vorgaben erfordern. Dies stellt für den Anwalt durchaus eine große Herausforderung dar. Mit der Erstellung von Modernisierungsvereinbarungen, Mietaufhebungsvereinbarungen und insbesondere natürlich der Gestaltung von oftmals langjährigen und investitionsintensiven Gewerbemietverträgen bietet sich zudem auch im Mietrecht die Rechtsgestaltung als umfassendes Tätigkeitsgebiet für den Rechtsanwalt. Gerade die Vertragsgestaltung wird dabei regelmäßig auch ein attraktives Honoraufkommen sichern. Zudem sind auch im Bereich der "kleineren Streitwertbereiche" in der Regel Aufbesserungen durch Vergütungsvereinbarungen möglich und üblich.

Wie wird sich das Mietrecht in den nächsten fünf Jahren verändern ?

Zunächst wird das Mietrecht weiterhin einer umfas­senden, vor allem auch höchstrich­ter­lichen, Recht­spre­chung unter­liegen. Hinzu kommen die bereits erwähnten umwelt­po­li­tisch erstrebten und weiteren techni­schen Entwick­lungen der Gebäude. Darüber hinaus ist mit weiteren Eingriffen der Politik insbe­sondere in das Wohnraum­miet­recht zu rechnen. Mieter­schutz, wie er z.B. nun schon mit der (verschärften) Mietpreis­bremse angestrebt ist, wird die Politik und die Gesell­schaft auch in den nächsten Jahren vor dem Hinter­grund steigender Mietpreise und erheb­licher anhal­tender Wohnungsnot stark beschäftigen.

Darüber hinaus wird selbst­verständlich die Digita­li­sierung der Rechts­be­ratung auch vor dem Mietrecht nicht halt machen. Legal Tech wird selbst­verständlich insbe­sondere im Bereich der Vertragsprüfung wie auch bei der Überprüfung einfa­cherer Vorgänge, zum Beispiel standar­ti­sierter Mieterhöhungs­schreiben oder Neben­kos­ten­ab­rech­nungen Eingang finden. Dies bedeutet aber keineswegs, dass profunde Rechts­be­ratung und Rechts­ge­staltung im indivi­du­ellen Zuschnitt für die Vertrags­par­teien nicht auch weiterhin in starkem Maße gefragt sein werden.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im Mietrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen ?

Zunächst benötigen Sie profunde Kennt­nisse im Mietrecht und vor allem auch im Mietpro­zess­recht, beides Materien die sowohl im Studium als auch im Referen­dariat leider immer noch häufig zu kurz kommen. Ferner sollte jeder Rechts­anwalt die Fähigkeit besitzen, sich sehr schnell in die Probleme des Mandanten eindenken zu können und hierbei die für diesen oft absolut vordring­lichen wirtschaft­lichen Zusammenhänge zu erkennen. Auch der junge Rechts­anwalt sollte Spass daran haben, in wirtschaft­lichen und unter­neh­me­ri­schen Kategorien zu denken und zu handeln. Dieser Aspekt tritt gerade am Anfang der beruf­lichen Tätigkeit manchmal etwas in den Hinter­grund, weil die Beschäftigung mit dem Recht und die Suche nach der richtigen Lösung den jungen Recht­saanwalt oftmals noch sehr absor­biert.

Schließlich gibt es einige Tugenden, die ein Anwalt letztlich in jedem Rechts­gebiet aufweisen sollte: Die Freude an der anwalt­lichen Tätigkeit, die Bereit­schaft, Menschen kompetent zu unterstützen und auch in länger andau­ernden Prozessen unerschütterlich zu begleiten, und natürlich ein gutes Maß an Empathie, Verhand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungsvermögen.