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Antworten von Nikolaos Pente­ridis, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Sozial­recht

Warum sollte sich der Nachwuchs auf das Sozialrecht spezialisieren?

Weil zu viele das Rechts­gebiet unterschätzen. Warum? Weil – was nicht von der Hand zu weisen ist - die gesetz­lichen Gebühren in dem Bereich nicht üppig sind. Daraus folgern die meisten: „Sozial­recht? Ist nicht lukrativ.“ Diese Behauptung ist das gängige Vorurteil – von allen Juristen. Aber stimmt das? Ich bin davon überzeugt: Nein! Die gesetz­lichen Gebühren sind tatsächlich viel zu gering. Aber: Eine Spezia­li­sierung im Sozial­recht kann dennoch sehr lukrativ sein. Der finan­zielle Erfolg ist wahrschein­licher, wenn Sie sich auf die sog. Leistungs­er­bringer konzen­trieren. Denn auch zum Beispiel Krankenhäuser, Ärzte und Pflege­dienste haben Bedarf an sozial­recht­licher Beratung. Denn wesent­liche Vorschriften für die Leistungs­er­bringer finden Sie im Sozial­ge­setzbuch. Aber auch wenn Sie für die sog. Leistungsempfänger tätig sind, können Sie finan­ziell erfolg­reich sein. Die gesetz­lichen Gebühren sind zwar gering; aber auch mit demje­nigen, der eine Rente, einen Grad der Behin­derung von 50 oder aber die Anerkennung einer Berufs­krankheit begehrt, können Sie grundsätzlich eine Vergütungs­ver­ein­barung abschließen. Idealer­weise kombi­nieren Sie das Sozial­recht mit flankie­renden Rechts­ge­bieten (nicht abschließend): Medizin­recht, Versi­che­rungs­recht, Erbrecht, Famili­en­recht oder Arbeits­recht. Denn sozial­recht­liche Fragen wirken sich teilweise auf diese Rechts­ge­biete aus oder umgekehrt. Also, nur Mut! Sozial­recht klingt zwar finan­ziell nicht sexy – kann es aber sein.

Wie wird sich das Sozialrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Der Blick in meine Glaskugel verrät mir: Die rein sozial­recht­liche Kanzlei wird immer seltener, Sozial­recht wird jedoch im Gegenzug als Schnitt­stel­len­gebiet immer wichtiger. Warum? Zunächst gilt: Unsere Gesell­schaft wird immer älter. Somit werden immer mehr Sozial­leis­tungen in Anspruch genommen werden. Ich gehe davon aus, dass Legal Tch gerade im Sozial­recht Einzug halten und somit der Konkur­renz­druck auf die Rechtsanwälte steigen wird. Das wird vor allem dieje­nigen bedrängen, die hauptsächlich Leistungsempfänger aus dem Bereich des Sozial­ge­setzbuch 2 beraten („Hartz IV“). Die rein sozial­recht­liche Kanzlei, die überwiegend auf diesem Gebiet tätig ist, wird es sicherlich nicht leicht haben. Aber auch hier gilt: Derjenige, der sich darauf einstellt, kann dennoch erfolg­reich sein, indem die Schnitt­stellen besetzt werden. Auf der anderen Seite wird der quali­fi­zierte Rat von Rechtsanwälten für die Leistungs­er­bringer immer wichtiger. Denn der Gesetz­geber weitet Sozial­leis­tungen, gerade im Bereich der Pflege, immer weiter aus, die Regelungen für die Leistungs­er­bringer sind kompli­ziert und werden immer komplexer.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im Sozialrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Natürlich zunächst das materielle Recht. Hierzu gibt es zahlreiche Fortbil­dungs­ver­an­stal­tungen und/oder Fachan­walts­kurse. Darüber hinaus ist ein gutes wirtschaft­liches Verständnis erfor­derlich, um die Mandaten – Leistungs­er­bringer und –empfänger – optimal beraten zu können. Und da ein kolle­gialer Austausch auch wichtig ist: Sie können sich gerne bei mir melden, falls Sie Fragen haben. Im Übrigen gilt für alle Rechtsanwälte und für alle Rechts­ge­biete: Nur Mut!