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Antworten von Dr. Dirk Lammer, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Straf­recht

Warum sollte sich der Nachwuchs für das Strafrecht begeistern?

Schon ein Blick in eine Tages­zeitung von der Politik über den Wirtschaftsteil bis zum Sport und den vermischten Nachrichten zeigt, dass es für eine Anwältin und einen Anwalt kein spannen­deres, abwechs­lungs­rei­cheres und heraus­for­dern­deres Berufsfeld als das der Straf­ver­tei­digung geben kann. Nirgendwo sonst geht es so unmit­telbar darum, den Einzelnen vor übermäßigen Eingriffen und staat­lichen Zugriffen auf Freiheit und Vermögen zu schützen und ihm im wahrsten Sinne des Wortes Gehör zu verschaffen. Dieser Einsatz ist mühsam, nicht selten menschlich belastend und oft frustrierend, beschert aber auch großartige Erfolgs­er­leb­nisse.

Wer einen Beruf sucht, der auch Berufung ist und wer neugierig darauf ist, sich über die unerlässliche Erlangung von Kennt­nissen des Straf­rechts und Straf­pro­zess­rechts und der hierzu einschlägigen Literatur und Recht­spre­chung hinaus auch mit Fragen der Rechts­me­dizin, der foren­si­schen Psych­iatrie, der Psycho­logie, des Wirtschafts­rechts und der zahlreichen Gebiete des Neben­straf­rechts zu befassen, dem sei eine Spezia­li­sierung auf das Straf­recht nachdrücklich empfohlen. Eine Entscheidung für die Straf­ver­tei­digung wird auch mit der Erfahrung verbunden sein, dass sich im Kreis der Kolle­ginnen und Kollegen , sei es in der Arbeits­ge­mein­schaft Straf­recht des DAV, in den regio­nalen Straf­ver­tei­di­ger­ver­ei­ni­gungen oder im lokalen Anwalts­verein durchweg kolle­giale Unterstützung, Rat und auch eine beruf­liche Heimat finden lassen.

Alle reden von der digitalen Revolution. Ein Thema auch für die Strafverteidigung?

Natürlich geht die digitale Revolution auch nicht an der Straf­ver­tei­digung vorbei. Aller­dings ist nicht zu befürchten, dass der Computer diese ersetzen kann. Legal Tech kann die höchstpersönliche, auf Vertrauen beruhende Beziehung zwischen Vertei­digung und Mandant und den persönlichen Einsatz für diesen nicht ersetzen. Die digitale Revolution begegnet der Vertei­digung in der Form der elektro­ni­schen Akte, des papier­losen Büros, der Formen sicherer Kommu­ni­kation mit Gerichten, Behörden, Kollegen und Mandanten und der elektro­nisch unterstützten Bearbeitung und Erschließung des Verfah­rens­stoffes. Das Internet ist eine wichtige Infor­ma­ti­ons­quelle für die Vertei­digung und bietet eine Möglichkeit, sich zu präsentieren und Kontakt zu möglichen Mandanten herzu­stellen. Schließlich werden auch neue Aufgaben auf die Vertei­digung zukommen, denn jede neue Techno­logie bietet erfah­rungsgemäß auch das Potential straf­rechtlich relevanten Missbrauchs.

Was brauchen Anwältinnen und Anwälte im Strafrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Zunächst einmal kann die Juris­ten­aus­bildung nur sehr unzurei­chend auf die wirtschaft­lichen Rahmen­be­din­gungen der Berufsausübung vorbe­reiten. Sie kann auch kaum persönliche Eigen­schaften wie Mut, Geduld, soziales Engagement, Hartnäckigkeit und Einsatz­be­reit­schaft für den Mandanten bei gleich­zei­tiger Wahrung der unerlässlichen beruf­lichen Distanz vermitteln. Den besten Einblick in die Praxis der Straf­ver­tei­digung bietet die engagierte Mitarbeit bei erfah­renen Vertei­di­ge­rinnen und Vertei­digern im Rahmen der Anwalts­station oder bei einem Praktikum. Dem Berufsanfänger kann ich vor allem die Mitglied­schaft in einer Vertei­di­ger­or­ga­ni­sation wie der Arbeits­ge­mein­schaft Straf­recht im Deutschen Anwalt­verein und die Teilnahme an einem Fachan­walts­lehrgang empfehlen, um den Einstieg in den wunder­baren Beruf der Straf­ver­tei­digung zu finden.