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Antworten von Monika Maria Risch, Vorsit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft Versi­che­rungs­recht

Warum sollte sich der Nachwuchs auf das Versicherungsrecht spezialisieren?

Das Versi­che­rungs­recht ist ein Spezi­al­gebiet, das großes Fachwissen erfordert und innerhalb des Gebietes noch weitere Spezia­li­sierung. Da es bundesweit ca. 1000 Fachanwälte für Versi­che­rungs­recht gibt, jeder Bundesbürger aber durch­schnittlich mindestens zwei Versi­che­rungs­verträge unterhält, sind Störungen im Versi­che­rungs­ver­tragsverhältnis quasi „program­miert“ und bedürfen gerade auf Seiten des Versi­che­rungs­nehmers profes­sio­neller Beratung durch unabhängige Rechtsanwälte. Dies gilt für die Vielzahl der Verträge im Massen­geschäft der Sachver­si­che­rungen und Perso­nen­ver­si­che­rungen. Da die Alters­ver­sorgung künftig stärker auf die private Vorsorge gestützt wird, ist zu erwarten, dass sich die Strei­tig­keiten aus den Versi­che­rungs­verträgen betreffs die private Alters­vor­sorge zukünftig häufen werden, so dass spezia­li­sierte Anwälte im Versi­che­rungs­recht insoweit benötigt werden. Auch auf Seiten der Unter­nehmen wird die Gestaltung von Versi­che­rungs­verträgen durch die Erarbeitung von Klausel­werken immer größere Bedeutung haben. Auch relativ neue Versi­che­rungs­zweige, wie beispiels­weise die D&O-Versi­cherung, die Warranty & Indemnity-Versi­cherung oder auch die Cyber-Versi­che­rungen erfordern besondere Spezi­al­kennt­nisse auf Seiten der Anwalt­schaft. Gerade bei Sachver­halten mit inter­na­tio­nalem Bezug wird in Zukunft die außergericht­liche Streit­be­legung eine größere Rolle spielen als bisher, in denen die jewei­ligen Inter­essen von Rechtsanwälten vertreten werden.

Wie wird sich das Versicherungsrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Wie das gesamte Wirtschafts­leben ist auch beim Versi­che­rungs­recht zu erwarten, dass die Digita­li­sierung mehr und mehr Raum greift. Bereits heute erteilen große Versi­che­rungs­ge­sell­schaften Mandate an die Anwalt­schaft nur auf elektro­nisch sicherem Weg. Techni­sches Know-how gepaart mit Fachwissen wird daher in Zukunft den anwalt­lichen Alltag des auf das Versi­che­rungs­recht spezia­li­sierten Rechts­an­waltes prägen.

Was brauchen junge Anwältinnen und Anwälte im Versicherungsrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Im Bereich des Versi­che­rungs­rechts werden Problemlösungen häufig außergerichtlich gesucht. Die Juris­ten­aus­bildung ist nach wie vor überwiegend auf das Richteramt fokus­siert, so dass junge Anwälte und Anwältinnen im Versi­che­rungs­recht vor allen Dingen Strategien zur Verhand­lungs­taktik und zu außergericht­lichen Konfliktlösungs­mo­dellen erlernen sollten. In großen Kanzleien sind verhand­lungs­si­chere Kennt­nisse der engli­schen Sprache Einstel­lungs­vor­aus­setzung, da gerade in der global agierenden Wirtschaft Versi­che­rungs­verträge häufig in dieser Sprache verhandelt werden. Selbst­verständlich sollte das Interesse am Rechts­gebiet auch schon während des Studiums durch den Besuch entspre­chender versi­che­rungs­recht­licher Seminare, wie sie an einigen Universitäten angeboten werden (zum Beispiel in Frankfurt/Oder, Berlin, Düsseldorf, Mannheim, Trier, Bielefeld) unter­mauert werden. In der Referendarzeit sollte versucht werden, in der Anwalts­station eine Kanzlei zu wählen, die sich auf das Versi­che­rungs­recht spezia­li­siert hat. Die Kenntnis von Regeln der Etikette ist nicht von Nachteil, sofern nicht von Haus aus vorhanden, kann der Besuch entspre­chender Kurse unterstützend sein.