Trends

Antworten von Prof. Dr. Matthias Dombert, Vorsit­zender des Verwal­tungs­rechts­aus­schusses

Warum sollte sich der Nachwuchs für das Verwaltungsrecht begeistern?

Bezogen auf das Verwal­tungs­recht ist nach wie vor darauf zu verweisen, dass der Bedarf an inter­es­sierten und geeig­neten jungen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten nach wie vor besteht, ja sogar noch zugenommen hat. Das Verwal­tungs­recht ist nach wie vor ein Rechts­gebiet, das durch das Spannungsverhältnis zwischen Bürgerfrei­heiten und staat­lichem Handeln geprägt ist. Dabei ist nicht zu verkennen, dass die Komplexität, auch rechts­po­li­tische Sensi­bilität vieler Themen­stel­lungen dazu führt, dass nicht nur der von staat­lichem Handeln betroffene Bürger, sondern auch die staat­lichen Behörden selbst um anwalt­liche Beratung nachsuchen.

Kurz gesagt: Verwal­tungs­recht hat nach wie vor Konjunktur

Wie wird sich das Verwaltungsrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Wie auch in den letzten Jahren wird sich ein Trend verstärken, der davon gekenn­zeichnet ist, dass die verwal­tungs­recht­lichen Kernge­biete - wie Planungs- und Umwelt­recht - ihren hervor­ge­ho­benen Stellenwert behalten werden, sich aber zudem das Recht der Daseins­vor­sorge deutlich verstärkt. Mit dem Recht der Daseins­vor­sorge ist geradezu genera­tionsübergreifend die Tatsache angesprochen, dass mittler­weile das Kita-Recht einen eigenen Rechts­be­reich darstellt, dass Schul­recht aus verwal­tungs­rechtlich tätigen Kanzleien ebenso wenig wegzu­denken ist wie das Hochschul- oder Kranken­haus­recht.

Was brauchen Anwältinnen und Anwälte im Verwaltungsrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

Der Ausbil­dungs­bedarf für junge Anwältinnen und Anwälte für Verwal­tungs­recht unter­scheidet sich vom Ausbil­dungs­stoff in anderen Rechts­ge­bieten nicht. Der Anwalts­beruf ist nach wie vor ein Lehrberuf. Die universitäre Ausbildung, auch die Ausbildung der Referen­da­rinnen und Referendare lässt weiterhin große Lücken. Dement­spre­chend ist es sinnvoll, wenn sich zukünftige Kolle­ginnen und Kollegen schon frühzeitig, vielleicht sogar vor oder während des Referen­da­riats, in verwal­tungs­rechtlich ausge­rich­teten Kanzleien auf spätere beruf­liche Anfor­de­rungen vorbe­reiten. Hierzu zählt etwa die Vermittlung von Grund­la­gen­wissen im Bereich der Vertrags­technik ebenso wie die Formu­lierung von Gutachten. Wer eine profes­sio­nelle Akten­ein­sicht bei einer Behörde wahrnehmen will, braucht mehr an prakti­schem Wissen als die Kenntnis der einschlägigen Kommen­tar­li­te­ratur.