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Antworten von Dr. Peter Sohn, Vorsit­zender der Arbeits­ge­mein­schaft Baurecht

Warum sollte sich der Nachwuchs für das Baurecht begeistern?

Wer sich für das Bau- und Archi­tek­ten­recht spezia­li­sieren möchte, der benötigt neben juris­ti­schem Sachver­stand eine gewisse Affinität für technische Fragen. Wer in baurecht­lichen Angele­genheit beraten will, der muss zunächst einmal verstehen können, was er von seiner Mandant­schaft an Infor­ma­tionen erhält und was gegebe­nen­falls fehlt. Eine "weiße Wanne" hat nichts mit Körperpflege zu tun. 

Wie wird sich das Bau- und Immobilienrecht in den nächsten fünf Jahren wandeln?

Auch das Bau- und Immobi­li­en­recht wird sich in den nächsten fünf Jahren wandeln. Hier ist insbe­sondere der technische Fortschritt durch die E-Akte zu nennen. Hinzu kommen geänderte Planungs­grund­lagen am Bau, wie das BIM (Building Infor­mation Modeling).

Was brauchen Anwältinnen und Anwälte im Bau- und Immobilienrecht, was sie in der Juristenausbildung nicht lernen?

In der Juris­ten­aus­bildung ist eine Vorlesung für baurecht­liche Fragen nicht vorge­sehen. Es gibt einige wenige Hochschulen in Deutschland, die spezielle Lehrgänge anbieten (zum Beispiel Münster, Marburg, Siegen). Wer davon noch keinen Gebrauch gemacht hat, aber gleichwohl baurecht­liches Interesse hat, der sollte sich nach Möglichkeit um eine Referen­dar­stelle oder erste Anstellung als Anwalt in einer der großen Baurechts­kanz­leien bemühen. Der Einsatz ausschließlich autodi­dak­ti­scher Möglich­keiten zur Einleitung ist nicht zielführend. Zwar sind in baurecht­lichen Strei­tig­keiten die Honorare in aller Regel überdurch­schnittlich. Man muss jedoch sehen, dass die Dauer von Baupro­zessen erheblich und die Wahrnehmung mehrerer Orts- und Gerichts­termine nicht selten ist. Vor diesem Hinter­grund werden insbe­sondere von spezia­li­sierten Baurechts­kanz­leien entspre­chende Mandate grundsätzlich nur auf Stunden­satz­basis angenommen, die nicht selten 400 Euro und mehr vorsehen. Letztlich kommt es für den jungen Juristen oder die junge Juristin zunächst einmal darauf an, sich selbst Klarheit darüber zu verschaffen, ob das Baurecht für ihn oder sie das Richtige ist. Hier muss man eine klare Analyse der eigenen Stärken und Schwächen vornehmen.